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Asyl am Fliegerhorst

Ehrenamtliche lehnen Kurzaufnahme ab

Fürstenfeldbruck - Die ehrenamtlichen Asylhelfer gehen auf kritische Distanz zu den Plänen der Regierung, die Unterkunft am Fliegerhorst in eine Kurzaufnahme umzuwandeln. In einer Erklärung erläutern die Ehrenamtlichen ihre ablehnende Haltung.

Kaum noch Bindung zu den schnell wechselnden Flüchtlingen, Gesundheitssorgen und eine deutliche Reduzierung der jetzt vorhandenen Angebote: Das sind im wesentlichen die Punkte, die die Ehrenamtliche als Kritik an der geplanten, aber noch nicht beschlossenen Kurzaufnahme-Umwandlung vorbringen.

Derzeit führen die Caritas, das BRK, das Brucker Forum und refugees.online gemeinsam mit 190 Ehrenamtlichen überwiegend aus Bruck acht verschiedene Angebote mit rund 70 Wochenstunden und unzähligen Stunden Kleidersortierung durch. Zu den Angeboten gehören Deutschkurse, Internetzugang und verschiedene Sportformen. Kinder bekommen Spiele und Kleidung wird ausgegeben. Außerdem organisieren die Ehrenamtliche Fahrdienste zu Ärzten und in Klinken. Jeden Sonntag kommt das Spiel- und Kreativmobil.

In einem Papier, das dem Tagblatt vorliegt und das auch dem Stadtrat zukommen soll, berichten die Ehrenamtlichen nun davon, dass mindestens 50 Prozent der aktuell etwa 190 Helfer abspringen würden, sollte die Unterkunft zur Kurzaufnahme werden. Das gehe auf vorsichtige erste Rückmeldungen zurück, heißt es in dem Schreiben. „Vielen Helfern ist das Gesundheitsrisiko durch den Kontakt von medizinisch nicht gescreenten Flüchtlingen erheblich zu hoch.“

Angebote werden deutlich zurückgehen

Das werde eine deutliche Reduzierung der Angebote nach sich ziehen und damit zu einer starken Einschränkung der sinnvollen Beschäftigungsmöglichkeiten für die untergebrachten Flüchtlinge. Wenn weniger Helfer in der Unterkunft seien, sinke auch die Möglichkeit, das Verhalten der Flüchtlinge positiv zu beeinflussen. Die Asylbewerber wären weitestgehend mit den Security-Mitarbeitern alleine. Der Stress könne steigen, negative Vorfälle könnten sich häufen. Mit den Ehrenamtlich fiele die Start-Sozialisation weg, bei der Flüchtlinge erste Verhaltensregeln lernten.

Die Fursty-Helfer haben außerdem Zweifel an der Aufenthaltsdauer der Flüchtlinge von nur zwei oder drei Tagen. Aus Gesprächen mit Ehrenamtlichen aus der Bayernkasserne sei bekannt, dass Asylbewerber auch in einer Kurzzeitaufnahme durchaus zwei bis drei Monate bleiben würden. „Ein eingeschränktes ehrenamtliches Angebot wird sich da sicher auf die Stimmung in der Erstaufnahme auswirken“, heißt es in dem Papier. Die Fursty-Helfer fürchten außerdem um die Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn medizinisch nicht untersuchte Flüchtlinge sich frei in Bruck bewegten, was Landrat Karmasin („Die laufen nicht in Bruck rum“) aber für unwahrscheinlich hält.

Insgesamt fürchten die Ehrenamtlichen, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Einrichtung sinken würde. Sie fragen, ob man in Bruck einen Verschiebebahnhof befürworten wolle, wie das Verkehraufkommen wegen ständiger wechselnder Flüchtlinge bewerkstelligt werden solle und ob der Landkreis dann mehr weitere Unterkünfte bräuchte. Außerdem glauben die Ehrenamtlichen nicht an die Obergrenze von 1000 Flüchtlingen in Fursty. Das lehre die Erfahrung aus der Vergangenheit.

Diskutiert werden soll das Thema im nächsten Stadtrat. Der Debatte um die Kurzzeitaufnahme waren interne Gespräche zwischen Stadt und Regierung von Oberbayern vorangegangen. In diesen reduzierte die Regierung ihre Fursty-Pläne (Kurzzeitaufnahme mit 1600 Plätzen samt Container-Bau) auf die nun vorliegenden Angebote. Vereinfacht gesagt, kann die Stadt wählen zwischen dem Verbleib Dependance (1600 Plätze) oder der Kurzaufnahme-Wertung mit 1000 Plätzen. Beides soll zehn Jahre laufen. Die Sondersitzung des Stadtrats findet am Dienstag, 13. September, um 18 Uhr statt

Das sagt der Landrat:

Landrat Thomas Karmasin versteht die Sorgen der Ehrenamtlichen. In einer Kurzaufnahme mache die Arbeit sicher weniger Spaß als in Konstellationen, in denen es möglich ist, Forstschritte von Flüchtlingen zu beobachten. Das könne aber nicht der tragende Gedanke in der Entscheidung der Stadt sein. In einer Kurzaufnahme brauche es ihrem Wesen nach eben keine dauerhafte Bindung, weil die Flüchtlinge ja nur wenige Tage blieben bevor sie in andere Unterkünfte kommen. Dass es die Bindung hier nicht brauche, sei vielleicht Schade, aber „es ist halt so“. Ehrenamtliches Engagement gebe es allerdings auch in der Bayernkaserne.

Der in die Gespräche eingebundene Karmasin glaubt, dass die Kurzaufnahme für die Stadt viele Vorteile brächte. So falle die Schulpflicht für Kinder weg. Außerdem sichere die Regierung der Stadt wirklich Unterstützung in vielfältiger Art (Stichwort Konversion) zu. Außerdem seien 600 Flüchtlinge weniger in der Stadt als bei der Dependance-Lösung. Dazu komme: in den ersten Tagen in einer Einrichtung seien die Flüchtlinge so beschäftigt, dass ihnen kein Unfug einfalle. Aus Sicht des Landkreises wäre die Dependance mit 1600 Plätzen wegen der Quotenerfüllung vielleicht sogar besser, sagte Karmasin auf entsprechende Nachfrage. Er habe aber eben auch die Interessen der Stadt im Blick.

Gesundheitsamt müsste aufgestockt werden

Sollte die Umwandlung kommen, brächte das auch weitere Aufgaben für den Landkreis mit sich. Denn die Untersuchung der Flüchtlinge wäre Aufgabe des Gesundheitsamts, das entsprechend personell aufgestockt werden müsste. „Da hätten wir durchaus eine gewisse Schwierigkeit.“ Weiterer Vorteil der Erstaufnahme wäre aber die Anwesenheit von Verwaltungseinheiten, etwa von Vertretern des Bundesamts für Migration.

Im Zusammenhang mit den Gesundheitssorgen betont Karmasin, dass die Flüchtlinge sofort untersucht würden, wenn sie in Bruck ankommen. In München seien ja auch keine Epidemien ausgebrochen. Die Zehn-Jahres-Dauer der unterkunft sei nicht wegzuverhandeln. Die Regierung verzichte aber ja auch auf die zunächst mal geplanten Container und die Notfallaufstockung. Insgesamt will Karmasin sich dem Stadtrat nicht aufdrängen, wie er sagte. Er bietet aber an, seine Sicht in der Sitzung zu erläutern, wenn gewünscht.

Thomas Steinhardt

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