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Man soll sich wohlfühlen: Die pädagogische Leiterin Sara Fremmer und Besucherin Pam hängen ein Bild im P6 Neo auf.

Umzug in die Hasenheide

Mehr Platz für den Kampf gegen die Sucht

Fürstenfeldbruck - Die Einrichtung P6 der Amperinitiative zur qualifizierten Betreuung Drogenabhängiger (AiD) hat heuer ihren 18. Geburtstag gefeiert. Quasi als Geburtstagsgeschenk wurden jetzt neue Räume bezogen.

Das P6 wird zu einer Kontakt- und Begegnungsstätte für Suchtkranke und Angehörige und wird in P6 Neo umbenannt. Sie hat ihre alten Räume auf der Lände hinter sich gelassen und hat in der Hasenheide eine größere Fläche mit viel mehr Möglichkeiten bekommen.

Gut zwei Wochen nach dem Umzug stehen noch vereinzelt unausgepackte Kartons und noch nicht aufgehängte Bilder auf dem Boden des ehemaligen Autohauses. „Wir sind froh, dass der Umzug so gut geklappt hat. Gerade für unsere Patienten ist jede Veränderung sehr schwierig. Aber viele haben aktiv mitgewirkt“, erklärt Sara Fremmer, die pädagogische Leiterin.

Da das P6 Neo neben Spenden und den Zuschüssen des Landkreises, der Stadt Fürstenfeldbruck sowie der Sparkasse und Bürgerstiftung seit diesem Jahr auch vom Bezirk Oberbayern finanziert wird, gibt es jetzt für die zwei Festangestellten und fünf ehrenamtlichen Helfer zwar mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Aufgaben. Die Hauptaufgabe ist, mit Betroffenen in Kontakt zu treten.

Das P6 Neo ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Das untere Stockwerk ist der Wohn- und Essbereich. Hier kochen die Besucher zusammen und können beim täglichen Frühstück und Mittagessen Erfahrungen austauschen. Im unteren Bereich gibt es auch das ärztliche Zimmer, in dem die Patienten ihre Sucht besiegen wollen. Hier bekommen sie ein auf sie individuell zugeschnittenes Ersatzmedikament. Die obere Etage nennt sich „Entertainment-Area“. Hier sollen die Besucher erfahren, wie schön ein normales Leben ohne Drogen sein kann. Bücher, Kicker und eine Tischtennisplatte sollen helfen, vom Alltag abzuschalten. „Wir hoffen, dass bald ein Fernseher und vielleicht auch ein Billard-Tisch dazukommt“, so Fremmer. Die Einrichtung sei nämlich immer auf Spenden angewiesen. Dabei gehe es oft nur um Kleinigkeiten wie einen Mülleimer, Bilder oder Sitzgelegenheiten.

Die Einrichtung ist 365 Tage im Jahr für die Besucher geöffnet. Viele Menschen haben aber Angst, zugeordnet oder erkannt zu werden. Deswegen gibt es verblendete Scheiben, die aber nicht versteckend, sondern schützend wirken. „Man muss das Gleichgewicht zwischen Anonymität und hürdenlosem Zugang finden“, erzählt Fremmer.

Durch die neuen Räume kann nun auch das gemeinsame Arbeiten am Computer, der Kontakt zu Ämtern und die Hilfe bei der Wohnungssuche gewährleistet werden. Im Vordergrund steht der Austausch untereinander und mit ausgebildeten Profis. Die Gesellschaft sei heute zwar aufgeklärter als früher, aber trotzdem sei eine gewisse Unkenntnis vorhanden. Für viele seien Suchtkranke immer noch kriminell oder gefährlich. Deswegen sei es wichtig, der Bevölkerung zu zeigen, dass es sich bei der Sucht um ein Krankheitsbild und nicht um eine Charakterschwäche handle. „Früher haben wir uns nur auf unsere Besucher konzentriert, heute möchten wir auch Aufklärungsarbeit leisten“, erklärt Fremmer. Da man die Patienten wieder in das normale Leben integrieren wolle, spiele die Gesellschaft durch Akzeptanz und Mithilfe eine zentrale Rolle.

„Es ist nicht einfach, mit der Sucht umzugehen, aber wir sind ja auch ein Teil der Gesellschaft“, erzählt die 34-jährige Patientin Pam, die seit 16 Jahren fast täglich das P6 Neo besucht. Die Einrichtung sei in der Szene stark akzeptiert, da Anonymität, Wertschätzung und Offenheit im Vordergrund stehen. Für Besucher wie Pam ist die Einrichtung eine kleine Familie geworden. Man arbeitet, lebt, lacht und weint zusammen und kann sich aufeinander verlassen. Der größte Wunsch der Besucher? Ein richtiger Weihnachtsbaum im neuen Heim.

Anonyme Hilfe gibt es montags bis freitags von 18 bis 20 Uhr unter Telefon (0152) 22 35 1153). Spenden und Infos online unter www.aid-ffb.de oder direkt im Rudolf-Diesel-Ring 8.

von Tim Grübl

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