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DDR-Flüchtling erzählt aus ihrem Leben

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Germering - Die Reiseautorin Carmen Rohrbach ist in der DDR aufgewachsen, von dort geflüchtet und im Gefängnis gelandet. In ihrem Buch verarbeitet sie die Erlebnisse. Auch wenn sie heute im Einklang mit sich lebt: Für sie bleibt die DDR ein Staat, in dem man eingesperrt war.

Carmen Rohrbach ist zwölf Jahre, als sie erstmals vom Hauch der weiten Welt berührt wird. 1960 sieht sie mit ihren Eltern im Kino ihres Geburtsortes Bautzen einen Film des Tierforschers Heinz Sielmann über die Galapagos-Inseln: Ein erster Antrieb zu ihrem späteren Biologiestudium in Greifswald, und die Sehnsucht nach Weite zugleich.

„Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die mit dem Regime keine Schwierigkeit hatte“, erzählt sie den rund 50 Besuchern in der Stadtbibliothek in ihrem Vortrag, in den sie Passagen ihres Buches „So lange ich atme“ einbaut. Es gab durchaus Seiten, die angenehm wirkten, so Rohrbach. „Ich fand es super, dass alle gleichberechtigt waren“. So sei die Lehrerin ebenso als „Herr Lehrer“ angesprochen worden wie die männlichen Kollegen. Dass das nur schöner Schein war, erfährt sie erst später. „Man gewöhnt sich an Verlogenheit, wenn man damit aufwächst“.

Der schöne Schein verfliegt, als Rohrbach bei den sozialistischen Freunden in Kuba studieren will. Unmöglich, denn die US Navy ist auf Guantanamo stationiert. Und Rohrbach hat Verwandte im Westen: „Fluchtgefahr“, heißt es. Dieser Misserfolg lässt einen Fluchtplan reifen: Mit einem Tauchlehrer will Rohrbach über die Ostsee nach Dänemark fliehen. Die Nächte verbringen die beiden am Strand, weil dort weniger kontrolliert wird. Tagsüber geht es ins Meer. Sogar, als sie ihr Boot versenken müssen, um nicht aufzufallen, geben die beiden nicht auf. Zwei Tage verbringen sie im Wasser. Ein Boot der Nationalen Volksarmee sammelt sie schließlich auf.

Rohrbach bekommt zwei Jahre Haft wegen Republikflucht - erlebt das Frauengefängnis im sächsischen Hoheneck. Eine harte Zeit, wie sie sagt. „Aber die Monate in Haft haben mich stark gemacht.“

Und Rohrbach blieb nicht in der DDR: 1976 wurde sie freigekauft und aus der DDR verwiesen. Danach arbeitete sie am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen bei München.

Heute sagt sie, man müsse immer wieder daran erinnern, dass die DDR ein Unrechtsstaat war. „Wie in einem Kessel entsteht großer Druck, wenn man eingesperrt ist“ - egal, ob im Gefängnis oder in einem Land. (hk)

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