Der Landkreis bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Urbanität wie in Puchheim und ländlichem Idyll, vor allem im westlichen Teil.

Metropolregion München

Ist diese Studie ihr Geld wert?

Landkreis - Der Abschlussbericht zu einer Studie der Technischen Universität München über die Metropolregion München ist im Planungsausschuss des Kreistags auf kritische Reaktionen gestoßen. Die Studie habe keinerlei neuen Erkenntnisse gebracht, sagte etwa Gottfried Obermair (FW).

Obermair hatte vor einiger Zeit schon davor gewarnt, überhaupt Geld für die Studie auszugeben. Er sah sich jetzt bestätigt. „Ich bin geschockt, was hier kommt“, kommentierte er die Vorstellung. „Das wussten wir doch schon alles.“

Ziel der WAM-Studie („Wohnen, Arbeiten, Mobilität“) waren Erkenntnisse über die Motivationen bei Entscheidungen zum Wechsel des Wohn- und Arbeitsstandorts in der Metropolregion.

Die gesamte Studie für den Großraum hat 525 000 Euro gekostet. Der Brucker Landkreis und die hier beteiligten Kommunen zahlen laut Landratsamt 27 300 Euro. 10 000 Euro davon entfallen auf den Landkreis, der Rest wird auf die beteiligten Gemeinden verteilt.

Rund 7000 Personen befragt

Wissenschaftler befragten in der Studie rund 7000 Menschen. Den befragten Personen sind demnach in Bruck vor allem Schulen und Kinderbetreuung wichtig. Das liege vermutlich an der höheren Zahl junger Familien, heißt es. Ins Auge falle, so die Studie, dass die Pkw-Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes den meisten Befragten wichtiger ist als der ÖPNV. Gleichzeitig Ergebnis aber auch: Insgesamt (allgemein gefragt, ohne Arbeitsplatz) ist den Befragten das öffentliche Verkehrsangebot dann doch wieder wichtig. Michael Bentlage von der TU erläuterte in der Sitzung außerdem, dass die Region Fürstenfeldbruck über zwei Raumtypen verfüge. Er meinte damit den städtisch gepägten Osten und den ländlicher geprägten Westen. Die Auspendlerquote sei hoch, die Sogwirkung Münchens groß. Manche Leute wollten ein urbanes Angebot und nähmen dafür weniger Wohnraum in Kauf. Andere wollten mehr Wohnraum und würden dafür München verlassen.

Wie Obermair kritisierte auch Klaus Wollenberg (FDP) die Studie. Angesichts der Tatsache, dass der Großraum über 5,9 Millionen Menschen umfasse, sei die Befragung von 7000 Menschen „fast nix“, sagte Wollenberg. Die Forderung nach mehr Zusammenarbeit der Kommunen sei außerdem vor dem Hintergrund bekannter Erfahrungen „illusorisch“.

Gebhart Wulfhorst von der TU München indes betonte: Bei der Studie seien nur Menschen gefragt worden, die wirklich umgezogen sind. Von diesen habe man nicht deren Wünsche erfahren, sondern die Gründe für tatsächliches Verhalten. Es gelte, Fürstenfeldbruck „hochwertig weiterzuentwickeln und als Ergänzungsstandort zu etablieren“. Sprich: Gewerbe anzusiedeln.

Wulfhorst und Bentlage räumten ein, dass ihre Studie nicht repräsentativ sei. Allerdings seien die Ergebnisse „charakteristisch“. Gottfried Obermair dagegen fehlten in der Studie klare Analysen zur Frage, wie man in der Region Arbeitsplätze schaffen könne. Der Rest sei schon bekannt.

Das Landratsamt verteidigte die Teilnahme an der Studie gestern noch einmal. Dass sie nicht repräsentativ sein werde, sei vorher kommuniziert worden. Die Erkenntnisse seien bedeutsam für eine räumliche Entwicklungsstrategie. Die Studie beleuchte die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Wohnen, Arbeiten und Mobilität. Die Studie werde Teil der Potential- und Strukturanalyse sein. (st)

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

1) Die Vielfalt des Wohnungsangebots solle erweitert werden.

2) Die Dichte und Funktionsmischung in Lagen mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr solle erhöht werden.

3) Gleichzeitig gelte es, die landschaftliche Qualität der Region zu erhalten.

4) Ein regionales Ausgleichsmodell solle Nutzen und Lasten verteilen.

5) Die Kommunen sollten mehr zusammenarbeiten. Im Kreis hatten sich Alling, Olching, Eichenau, Emmering, Gröbenzell und Landsberied, Germering und Gröbenzell beteiligt.

Die Aussagen der Wissenschaftler zur Region Bruck

1) Zur Vergrößerung ihrer Wohnfläche und zur Eigentumsbildung nehmen die Menschen größere Entfernungen zu Zentren und Jobs in Kauf. Die Verbindung zur Stadt bleibe erhalten. Oft würden zentrumsnäheren Wohnungen der Vorzug gegeben. Es fehle aber an bezahlbaren Angeboten. Der Wunsch nach Wohneigentum ist nicht gebunden an den Wunsch nach Ländlichkeit.

2) Die Menschen legen einen starken Fokus auf die Wohnqualität.

3) Häufig genannte Umzugsgründe seien „Wohneigentum bilden“ und „Mehr Personen im Haushalt“.

4) Zu den Umzüglern gehörten viele junge Familien, denen das Angebot an Schulen und Kitas sehr wichtig sei.

5) Wer den Job wechselt, landet meistens in München.

Kommentar: Teure Binsenweisheiten 

Neue Studien sind ja immer hübsch und lustig zu lesen. Wenn der Brucker Kreistag aber zwei Wissenschaftler braucht, um zu erfahren, dass die Region in einen städtisch geprägten Osten und einen ländlich geprägten Westen zerfällt, dann schmerzt das den Zuhörer doch etwas. Die vorliegende Studie mag insgesamt ganz interessant und nett zu diskutieren sein. Für die Region Bruck hat sie aber nur Binsenweisheiten zu Tage gefördert. Wer glaubt, dass diese Studie beim Steuern von Entwicklungen helfen kann, der ist – sagen wir es mal so – äußerst optimistisch.

von Thomas Steinhardt

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