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Vorschriftsmäßig mit Helm: Nicht alle Schüler sind so vernünftig. Oft sind sie selbst schuld, wenn’s kracht. Immer wieder sitzen zwei auf einem Drahtesel, oder der Ranzen baumelt am Lenker. Dazu kommt der dichte Verkehr.

Aus der Polizeistatistik

Doppelt so viele Unfälle auf dem Schulweg

Landkreis – Neben vielen anderen Daten liefert die aktuelle Kriminalitätsstatistik einen besonders bedenklichen Wert: Im Landkreis Fürstenfeldbruck hat sich die Zahl der Schulwegunfälle 2015 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Polizei hat keine Erklärung. Anhand der Fälle lässt sich aber erahnen, wo das Problem liegt.

24 Verkehrsunfälle sind im vergangenen Jahr auf den Schulwegen im Landkreis passiert. 2014 waren es noch elf. „Das ist die höchste Zahl an Schulwegunfällen bei uns in den letzten acht Jahren“, berichtet Martin Bosch von der Polizei Fürstenfeldbruck. Als Verkehrsexperte ist er für den gesamten Landkreis zuständig. „Mit 24 Stück liegen wir sehr hoch im Vergleich zu den Vorjahren“, muss er feststellen. Zwar habe es 2009 und 2010 mit jeweils 16 Schulwegunfällen Ausreißer nach oben gegeben. Ansonsten bewege man sich aber zwischen neun und zwölf pro Jahr. Das sei Durchschnitt. Und jetzt das!

In Puchheim ist’s besonders schlimm

Vor allem in Puchheim kamen viele Kinder und Jugendliche nicht heil zum Unterricht oder wieder nach Hause. 2014 wurde im Stadtgebiet nur ein einziger Unfall auf dem Weg zur Schule gezählt. 2015 hat die zuständige Polizeiinspektion in Gröbenzell gleich sieben Radlunfälle auf dem Schulweg aufnehmen müssen. „Das ist schon krass“, so Bosch.

Auch Karlheinz Pangerl, Leiter der Inspektion Gröbenzell, ist beunruhigt. „Wir können uns das nicht erklären“, sagt er. Denn einen Unfallschwerpunkt gibt es nicht in der Stadt. Lediglich zwei Unfälle sind in derselben Straße passiert – und zwar in der Bürgermeister-Ertl-Straße beim Schulzentrum. „Das ist keine Überraschung“, sagt Pangerl. „Da fahren in der Früh und mittags etliche Schüler mit dem Radl.“ Außerdem passierten die beiden Unglücke beim Schulzentrum auf verschiedene Art. Einmal missachtete ein junger Radler die Vorfahrt und stürzte. Ein anderes Mal fiel ein Schüler gänzlich ohne Fremdeinwirkung von seinem Drahtesel.

Ein Muster gibt es also nicht. Und keine Schwerpunktstelle, an der Polizei oder Stadt tätig werden könnte. „Die Radler sind einfach unvorsichtig. Das ist das Problem“, sagt Pangerl und schildert zwei weitere Unfälle, die aus Unachtsamkeit passierten und mit teilweise heftigen Verletzungen endeten: Im September wollte ein 16-jähriger Schüler morgens in der Zugspitzstraße zwei Radler – ebenfalls auf dem Weg zum Unterricht – überholen, die vor ihm nebeneinander fuhren. „Er hat aber übersehen, dass da einer entgegenkommt“, so Pangerl. Der 16-Jährige krachte in den anderen Radler – einen 13-Jährigen. „Beide stürzten und zogen sich schwere Kopfverletzungen zu.“ Verärgert fügt Pangerl hinzu: „Keiner der beiden trug einen Helm.“

Die Radler sind oft selbst schuld

Der zweite folgenschwere Unfall ereignete sich in der S-Bahn-Unterführung in Puchheim. „Da ist einer mit einem furchtbar schmutzigen Mountain-Bike durchgefahren und dem Radler hinter ihm hat’s den Dreck ins Gesicht und ins Auge geschleudert“, erzählt Pangerl. Beim Versuch, sich die Erde aus den Augen zu reiben, weil er nichts mehr sah, kam der Radler nach links ab und krachte mit einem entgegenkommenden Radler zusammen. Bei dem Sturz brach sich der Entgegenkommende den Kiefer. Außerdem schlug er sich auf dem Asphalt einen Schneidezahn aus.

Beim Blick auf die Fälle in Puchheim wird klar: „Die Radler waren immer selbst Schuld“, sagt Pangerl. Sprich: Bei keinem der Unfälle war der Verursacher des Unglücks ein Autofahrer. „Viele Radler meinen, für sie gelten keine Verkehrsregeln“, so Pangerl. Schüler – vor allem die jüngeren – würden die Vorschriften oft nicht so genau kennen und einfach kreuz und quer fahren. Oft ohne Helm. „Der ist einfach nach wie vor nicht cool genug.“

Maßnahmen von Seiten der Polizei, damit die Schulwegunfälle zurückgehen, sind schwierig, gibt Pangerl zu. Eben weil die Unglücksorte in der ganzen Stadt verstreut sind und es meist nicht an der vorliegenden Verkehrssituation liegt. Dennoch wollen die Gröbenzeller Beamten tätig werden und vor allem an die Achtsamkeit der Nachwuchs-Radler appellieren. „Im Juli geben wir an der Realschule in Puchheim Verkehrsunterricht für die Sechstklässler“, kündigt Pangerl an. Außerdem wird es ein Fahrsicherheitstraining geben. „Dazu bauen die Kollegen einen richtigen Parcours auf, der sowohl lehrreich sein als auch Spaß machen soll.“

Wenn der Ranzen am Lenker hält

Solche Maßnahmen können durchaus viel bringen. Denn wie Experte Martin Bosch erklärt, handele es sich bei vielen Schulwegunfällen im Landkreis um simple Stürze. „Die Kinder machen dann einfach irgendeinen Fehler“, erklärt Bosch. „Sie fahren über zu hohe Gehsteigkanten und verlieren das Gleichgewicht. Oder sie sitzen zu zweit auf dem Rad oder der Ranzen hängt am Lenker.“ Glücklicherweise gehen die Stürze aber meist glimpflich aus, so Verkehrsexperte Bosch.

Viele Unfälle auch in den Kreisstädten

Auch in den beiden großen Kreisstädten wurden mehr Schulwegunfälle verzeichnet: In Bruck wurden im Jahr 2015 sieben gezählt, in Germering sechs, während es 2014 jeweils lediglich zwei Schulwegunfälle waren. Gleichzeitig mit den Schulwegunfällen haben auch die Radlunfälle im Allgemeinen zugenommen. „Die Steigerung ist aber vor allem auf Kinder zurückzuführen“, erklärt Bosch. 2015 sei ein Jahr gewesen, in dem das Wetter oft gut und damit hervorragend zum Radfahren geeignet war.

Um alle Fahrradfahrer wieder ein bisserl zu sensibilisieren, wird die Polizei Gröbenzell in ihrem Gebiet demnächst vermehrt Fahrradfahrer kontrollieren. Das verrät Inspektionsleiter Karlheinz Pangerl schon jetzt. „Die Aktion wird Ende Mai sein.“

Carolin Nuscheler

Carolin Nuscheler

E-Mail:carolin.nuscheler@ffb-tagblatt.de

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