Noch einmal zu Hause ausspannen, bevor der Trubel losgeht: Thomas Weinzierl. Foto: Horst Kramer

Stefan Weinzierl feiert Primiz in Egenhofen

Vom Versicherungsmann zum Seelsorger

Egenhofen - Warum wird ein junger Mann heutzutage katholischer Pfarrer? Thomas Weinzierl (31), der am 3. Juli seine Primiz in seinem Heimatort Egenhofen feiert, hat darauf eine eigene Antwort gefunden.

Thomas Weinzierl ist ein freundlicher, ein herzlicher junger Mann. Er lacht gerne und viel, kennt keine Scheu. Kontakt mit Menschen macht ihm offensichtlich Spaß. Das sollte man im Hinterkopf behalten für die folgende Geschichte.

Doch eines gleich vorweg. „Ich habe keinen ,Ruf Gottes‘ gehört, kein ,Erweckungserlebnis‘ gehabt“, stellt der 31-Jährige klar. „Es war ein langsamer Prozess, der zu meiner Entscheidung geführt hat, Pfarrer zu werden.“

Weinzierl kam in München zur Welt, als einziger Sohn von Gundl und Gerhard Weinzierl, seine Schwester ist zwölf Jahre älter. Die Familie zog kurz nach Thomas’ Geburt nach Egenhofen. Der Bub ging in die Grundschule Aufkirchen, „ein freundliches, höfliches Kind“, wie sich Dorfbewohner erinnern. Es folgten sechs Realschuljahre in Fürstenfeldbruck. Und eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei einem großen Konzern. Nach der Lehre arbeitete er ein Jahr am Stammsitz. Im Büro, den ganzen Tag.

Weinzierl war unzufrieden. Und stellte sich die klassische Sinnfrage: „Will ich mein ganzes Leben nur Versicherungsanträge bearbeiten?“ Eine Frage, die – so oder ähnlich – wohl viele kennen. Und sie mit Heirat, Ehe, Kindern beantworten. Oder mit Hobbys. Oder mit einem Aufbruch in fremde Welten.

Weinzierl hatte allerdings schon ein „zweites Leben“ in der Hinterhand: Denn seit Kindheitstagen hatte er sich intensiv in der katholischen Kirche engagiert. Neun Jahre fungierte der kleine Thomas als Ministrant, mit 15 Jahren stieg er zum Oberministrant auf: erst in der Pfarrei, dann im Pfarrverband. „Ich war für 80 Ministranten zuständig“, erzählt er nicht ohne Stolz.

Der Heranwachsende muss ungefähr zwölf Jahre alt gewesen sein, als ihm der damalige Pfarrer Johann Wimbauer eine entscheidende Frage stellte: „Könntest Du Dir vorstellen, Pfarrer zu werden?“ Weinzierl kommentiert heute: „Ehrlich gesagt, konnte ich damals gar nichts damit anfangen.“ Aber irgendwie war wohl ein Samen gesät. Seine Mutter Gundl wirft ein: „Die Oma hat schon immer gesagt, dass der Thomas einmal Pfarrer wird.“

Seine Teenagerjahre beschreibt Weinzierl so: „Ich wuchs langsam in den Glauben hinein.“ Und dann folgte doch noch ein Schlüsselerlebnis: der Weltjugendtag in Köln im August 2005, an dem der Egenhofener teilnahm. Genau zu der Zeit, als er sich die Sinnfrage stellte. „Dort herrschte eine unglaubliche Stimmung“, erinnert Weinzierl sich. „Fröhliche junge Menschen aus der ganzen Welt, überall wurde zusammen gesungen, gefeiert und gebetet.“ Der Junge vom Dorf erlebte, dass die Kirche mehr ist als das, was er bisher kannte. Viel mehr. Eine eigene Welt, in der man nicht alleine ist. Nun war ihm klar: „Ich will Seelsorger werden.“

Doch die neue Karriere ließ sich nicht leicht an. Der 20-Jährige musste wieder die Schulbank drücken, auf der Brucker FOS/BOS. Im Abiturjahr wechselte er nach Scheyern. Es folgten vier Jahre Theologiestudium in München und Wien. Zuerst hatte der Student allerdings Latein, Griechisch und Hebräisch nachzuholen. „In Crashkursen, eine fürchterliche Zeit“, sagt er noch heute, abgemildert freilich durch ein Lausbuben-Grinsen.

Vor drei Jahren schloss der frühere Ministrant als Diplom-Theologe ab. Im Herbst 2013 trat Weinzierl eine Pastoralpraktikumsstelle in Bad Aibling an. Dort fand er endlich das, was er erhofft und gesucht hatte: Erfüllung in der Arbeit mit Menschen. Oder anders gesagt: ein sinnvolles Leben. „Jeden Tag habe ich mit allem zu tun, was das Leben ausmacht. Manchmal tröste ich am Vormittag Trauernde und führe am Nachmittag ein Taufpatengespräch“, erzählt der Diakon (seit 2015).

Dabei stellt er einen hohen Anspruch an sich: „Ich will immer präsent sein, wirklich zuhören und den Menschen etwas geben.“ Es ist ein intensives, anstrengendes Leben, das der angehende Pfarrer schildert. „Abends bin ich froh, wenn ich eine Stunde Ruhe habe“, gesteht er. „Ehrlich gesagt, hätte ich gar keine Zeit und wohl auch nicht die Kraft, um mich um eine eigene Familie zu kümmern.“

Thomas Weinzierl fühlt sich inzwischen gut gewappnet für seine neuen Aufgaben. Im Herbst tritt er eine Diakonenstelle in Velden an der Vilz an – worauf er sich heute schon freut. Er zitiert Johannes 8,12: „Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Weinzierl setzt leise hinzu: „Genau das ist es, was ich jeden Tag erlebe.“

Am 25. Juni wird Thomas Weinzierl im Freisinger Dom zum Priester geweiht. Am 3. Juli darf er seine erste Messe in seiner Heimatgemeinde lesen. Und anschließend wird er erst einmal richtig feiern. Denn auch das gehört zum Leben.

von Horst Kramer

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