Eichenau

Ausverkauf im Künstlerhaus

Eichenau – 35 Jahre lang lebte der Kunstmaler Helmut Sacher in Eichenau – in einem Haus, das er selbst geplant und weitgehend selbst gebaut hatte. In einem Haus, das noch heute – sechs Jahre nach seinem Tod – vom Keller bis zum Dachboden voll mit seinen Bildern ist. Nun will seine Witwe das Atelier auflösen und viele der Werke verkaufen.

In der Forellenstraße, einer gediegenen Wohngegend, hat Helmut Sacher unermüdlich gewerkelt und gemalt. „Wir sind damals praktisch in den Rohbau eingezogen“, erinnert sich Käte Sacher an die turbulente Zeit, als die Familie neu nach Eichenau kam. Wände verputzen, Fußböden verlegen, Decken vertäfeln, den Garten anlegen – alles hat ihr Mann selbst gemacht.

Unterm Dach richtete er sich ein Atelier ein. Dort stehen bis heute seine Staffeleien, davor ein Schemel, auf dem die Palette mit den eingetrockneten Farben liegt. Auf einem Servierwagen stapeln sich Tuben und Pastellkreiden. Alles ist noch so, wie Helmut Sacher es verlassen hat. Unten im Keller hängt sein letztes, unvollendetes Bild. Menschen kauern am Boden, am Himmel sieht man das Rad der Zeit, halb von Wolken verdeckt.

Die Düsternis, die aus dem Werk spricht, war für den 1926 im Sudetenland geborenen Künstler eher untypisch. Er malte Porträts, Akte, Landschafts- und Naturbilder, Stillleben, Blumen und seine Tochter in zig Variationen: als Baby, als Kleinkind, als junge Frau.

Viele seiner Bilder verschenkte er, aber eigentlich mochte er sich nicht von seinen Werken trennen. „Die ganz tollen Sachen haben wir behalten“, sagt seine Frau. Eine kommerzielle Ader habe ihrem Mann gänzlich gefehlt – verkauft hat er deshalb zeitlebens viel weniger, als möglich gewesen wäre. „Er war zu 100 Prozent Künstler.“ Und ein liebevoller Vater, der sich als Hausmann um seine Tochter kümmerte, während Käte Sacher als Apothekerin das Geld verdiente.

Rund 170 Werke stehen nun zum Verkauf, darunter viele großformatige Pastelle, die eine von Sachers Spezialitäten waren. Zu vielen Bildern kann die 79-Jährige die Entstehungsgeschichte erzählen. Wie sie und ihr Mann die Tagetes im Garten abgedeckt haben, um sie vor einem Gewitterregen zu schützen, und wie die Blumen dann etwas niedergedrückt aufs Bild kamen. Oder wie ihr Mann sich immer zu Pfingsten auf die Rhododendronblüte gefreut hat. Damit er sie nicht verpasste, fuhr die Familie jahrelang nicht in den Urlaub.

Sacher hatte schwere Jahre und eine gescheiterte Ehe hinter sich, als er 1965 seine Käte kennenlernte. Mit elf Jahren verlor er seinen Vater und musste deshalb so schnell wie möglich Geld verdienen, ohne dass jemand groß nach Neigungen und Talenten fragte. Er wurde Textilspinner, zog als 17-Jähriger in den Krieg und kehrte mit 20 weißhaarig aus der Gefangenschaft zurück. In den ersten Nachkriegsjahren schlug er sich unter anderem als Berg-, Bau- und Hilfsarbeiter durch und landete schließlich im Malerhandwerk.

Nun endlich konnte er sein künstlerisches Potenzial zumindest teilweise entfalten, zum Beispiel bei Restaurierungsarbeiten im Schloss Nymphenburg, in Nobelhotels und den Häusern von Filmstars. Sacher war zunächst Schüler, dann Meisterschüler und schließlich Assistent in der Münchner Mal- und Zeichenschule „Die Form“. Jahrzehntelang gehörte er der Münchner Künstlergenossenschaft an, ebenso wie dem – inzwischen aufgelösten – Eichenauer Künstlerkreis, den er mitbegründete. (os)

Offenes Haus

Von diesem Samstag bis Montag, 15. August, jeweils von 11 bis 16 Uhr, hat die Öffentlichkeit ein letztes Mal Gelegenheit, das Atelierhaus in der Forellenstraße 30 zu besichtigen. Rund 170 Werke stehen zum Verkauf.

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