+
Werkeln mit Schere und Papier: Bürgermeister Peter Münster bastelte Sterne mit einer Pflegebedürftigen.

Selbstversuch

Bürgermeister als Praktikant im Pflegeheim

Eichenau – Professionelle Pflege leisten, Qualitätsstandards einhalten und dabei das Personal vor Überlastung bewahren: Das ist die große Herausforderung nahezu aller Pflegeheime.

Umso wichtiger ist für Dirk Spohd, Heimleiter des Evangelischen Pflegezentrums in Eichenau, eine gute Kommunikation mit der Politik. Im Rahmen der Aktion Rollentausch, die im November von den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege durchgeführt wurde, hatte Spohd Bürgermeister Peter Münster eingeladen.

Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft soll damit die Möglichkeit gegeben werden, soziale Arbeit und Pflege in der Praxis kennen zu lernen. „Was Menschen sehen und erleben, das bleibt ihnen im Gedächtnis. Das persönliche Gespräch mit Mitarbeitern und Klienten schafft Verständnis für die Situation der Menschen und die Probleme sozialer Einrichtungen“, sagt Spohd.

Das Haus in Eichenau umfasst 14 000 Quadratmeter, 108 Einzelzimmer, 28 Doppelzimmer und elf Pflegewohnungen für Paare. Peter Münster, der erst seit September Bürgermeister ist, verbrachte einen Nachmittag dort, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Viele Menschen mit Demenz

Einem Gespräch mit Spohd folgte eine Führung durch das Haus und im speziellen den beschützenden Bereich im Lichthof. „Hier betreuen wir 28, meist demenziell erkrankte Menschen. Die Türen werden wegen der Weglaufgefahr geschlossen. Die hier untergebrachten Menschen brauchen dafür einen Unterbringungsbeschluss des Vormundschaftsgerichts“, erklärte Susanne Brenner, Pflegedienstleiterin des Hauses.

Im Wohnzimmer der Station half der Bürgermeister den Bewohnern beim Sternebasteln und führte Gespräche mit ihnen. Pflegeroutine soll hier durch intensive Beziehungsarbeit abgelöst werden. „Wir müssen jeden Tag aufs Neue ganz individuell auf die Bewohner eingehen. Jeder ist anders und braucht bei verschiedenen Dingen Hilfe“, meinte Gisela Eka, Stationsleitung der Beschützenden Station.

„Alles ist abhängig von der Tagesform der Bewohner. Wir zwingen niemanden zu etwas, tun aber unser Bestes, um zu motivieren und animieren.“

Auch der Umgang mit sterbenden Bewohnern gehört zur Arbeit im Pflegeheim. „Natürlich geht uns das auch nahe. Manche Bewohner kennen wir schon lange – und wenn sie von uns gehen, ist das immer wieder schwierig“, berichtete Pflegedienstleiterin Brenner.

Rathauschef Münster zeigte sich beeindruckt: „Ich dachte bisher, die Pflege sei vor allem körperlich schwer. Aber auch die emotionale Belastung ist enorm. Ich habe großen Respekt vor den Mitarbeitern.“ 

Marco Gierschewski

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fürstenfeldbruck: OB-Wahl soll im Mai 2017 stattfinden

Fürstenfeldbruck - Die Neuwahl zu Brucks OB soll im Mai 2017 über die Bühne gehen. Das teilte die Stadt am Mittwochabend mit.
Fürstenfeldbruck: OB-Wahl soll im Mai 2017 stattfinden

Alling plant Bürgerzentrum und zahlt für Wasserleitungen

Alling – Der Gemeinderat will in Klausur gehen um die anstehenden großen Aufgaben der Zukunft zu diskutieren. Dies wurde jetzt auf der ersten Haushaltssitzung im …
Alling plant Bürgerzentrum und zahlt für Wasserleitungen

Absage an Senioren-Wohnen im Zentrum

Kottgeisering – Das Projekt Seniorenwohnen (SeWoKo) in der Ortsmitte von Kottgeisering ist gescheitert: Mit knapper Mehrheit hat der Gemeinderat den Bau des …
Absage an Senioren-Wohnen im Zentrum

Energie-Checks weiter kostenlos

Germering – Seit eineinhalb Jahren übernimmt die Stadt die Kosten der Energieberatung der Verbraucherzentrale und bietet zudem Belohnungen für alle Ratsuchenden. Jetzt …
Energie-Checks weiter kostenlos

Kommentare