Eichenau und Budrio sagen erneut Ja

Eichenau – Budrio-Halle, Budrio-Allee: Dass Eichenau mit der Gemeinde in Italien verbandelt ist, ist offensichtlich. Seit nunmehr 25 Jahren besteht die Partnerschaft. Obwohl sie erst vor kurzem wieder offiziell bestätigt worden ist, hat sie etwas Staub angesetzt. Nun soll sie neu belebt werden.

Europa ist vereint. Europa ist aber auch individueller geworden. Für Eichenaus Gemeinderat Sebastian Niedermeier (FW) sind Partnerschaften zwischen Kommunen zwar immer noch sehr wichtig, aber er sagt auch: „Sie haben nicht mehr den Reiz wie noch vor 20 oder 30 Jahren.“

Genau in diesen Zeitraum fällt der Beginn der Verbindung zwischen Eichenau und der 18 Kilometer südöstlich von Bologna gelegenen Gemeinde Budrio. Am 1. Juni 1991 hatte Niedermeier, der damals Rathauschef war, mit seiner italienischen Bürgermeisterkollegin Maria Salsini in Budrio die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Diese Verbindung wurde nun von den Nachfolgern Peter Münster (FDP) und Giulio Pierini im Eichenauer Rathaus mit einer erneuten Unterschrift bekräftigt.

Der Anstoß für die Partnerschaft kam damals aus der Starzelbachgemeinde. 1985 hatte Jane Heck, die damalige Ortsvorsitzende der Europa-Union, erste Kontakte nach Budrio geknüpft. Die ersten Begegnungen fanden auf kultureller Ebene statt: Ein Ocarina-Ensemble aus Italien spielte in Eichenau auf, ein Zupforchester vom Starzelbach in Budrio. Doch von den ersten zarten Banden bis zur Partnerschaft waren noch viele gegenseitige Besuche von Sport- und Kulturverein sowie Politikern nötig.

Nachdem die Partnerschaft offiziell war, wurden die Kontakte aber relativ schnell wieder sporadischer. Nur alle zwei oder drei Jahre fanden sich Gelegenheiten zu Treffen, wie im Jahr 2000, als eine Gruppe von Radfahrern aus Budrio die Gemeinde Eichenau besuchte. Um die Kontaktpflege – sowohl privat als auch offiziell – kümmert sich bis heute der Deutsch-Italienische Freundeskreis „Amici d’Italia“.

Neuen Schwung will Eichenaus Partnerschaftsreferent Claus Guttenthaler in die Gemeinde-Freundschaft bringen. Dabei setzt er auf die Vereine. Sie sollen auch ein wenig den Nachteil ausgleichen, den Eichenau durch fehlende weiterführende Schulen hat: Ein Schüleraustausch, der internationale Kontakt von Jugendlichen, ist nicht möglich. Die jungen Menschen in den Kultur-, Sport- und politischen Vereinen könnten da aber einspringen, so Guttenthaler.

Allerdings stellt Guttenthalers Ehefrau Nicola, Vorsitzende der „Amici d’Italia“, fest: „Aus den Vereinen kommt momentan wenig.“ Auf administrativer Ebene dagegen komme man gut klar, betont der Partnerschaftsreferent.

Dies gelte auch für die seit Mai 1994 bestehende Verbindung zum sächsischen Scharfenstein. Dort besteht für Eichenau die Hauptschwierigkeit, dass Scharfenstein seit 2005 nur mehr ein Ortsteil von Drebach ist, so Guttenthaler. Offizielle Einladungen müssten also über diese Stelle laufen.

Der im Mai 1991 begründete Kontakt zu Wyschgorod leide dagegen unter den politischen Verhältnissen in der Ukraine, den Folgen der Unruhen vor zwei Jahren und den Spannungen mit Russland. Immerhin kümmert sich der gleichnamige Freundeskreis in Eichenau um das Kinderhaus in Wyschgorod und organisiert Besuche von Kindern in Deutschland.

An Haushaltsmitteln stellt die Gemeinde für ihre Partnerschaften 16 000 Euro zu Verfügung. „Damit werden bei Bedarf unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt“, erklärt Kämmerer Alexander Zydek. Heuer sei dies bei Budrio der Fall gewesen. „Man kommt damit ganz gut zurecht“, meint Guttenthaler. In den Partnergemeinden sei die finanzielle Situation auch schwierig.

Dennoch bleiben „Partnerschaften ein zähes Geschäft“, wie es Niedermeier ausdrückt. Alle drei Verbindungen nahmen in seiner Amtszeit als Bürgermeister ihren Anfang. Damals gehörte es für Städte und Gemeinden fast schon zum guten Ton, eine Partnerschaft zu haben. „Mittlerweile sind Partnerschaften für Kommunen nicht mehr zwingend erforderlich“, so Niedermeier. Eine Europamüdigkeit sei aber daraus nicht abzulesen. (hk)

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