Die Wartezeit am Bahnhof vertreiben sich viele Reisende mit dem Smartphone. Wehe, wenn es ins Gleis fällt. 

Schuld war ein anderer Fahrgast

Einer Eichenauerin fällt das iPhone ins Gleis, dann folgt Unglaubliches

Eichenau/München – Einer Eichenauerin ist ihr Smartphone am Hauptbahnhof ins Gleis gefallen. Und damit begann eine unglaubliche Odyssee, bis die 26-Jährige es wieder hatte.

8 Uhr morgens in der S-Bahn. Hauptverkehrszeit, das Gedränge ist groß. Die Sozialpädagogin pendelt wie jeden Tag zu ihrem Arbeitsplatz in der Münchner Innenstadt. Sie hört Musik vom iPhone. Am Hauptbahnhof muss sie aussteigen. Als der Zug hält, wollen alle gleichzeitig raus. Der Mann vor Vanessa H. verhakt sich mit seinem Rucksack im Kopfhörer-Kabel der Eichenauerin. Mit einem Ruck fällt das Smartphone herunter – genau in den Spalt zwischen Zug und Bahnsteig.

Den Mann mit dem Rucksack juckt das wenig. „Er sagte, dass ihm das völlig egal ist und ist gegangen“, erzählt die 26-Jährige. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an eine Bahn-Mitarbeiterin im Stützpunkt in der Mitte des Bahnsteigs. Die erklärte ihr, dass sie wegen eines Handys im Gleis nicht die Züge im Stoßverkehr auf der Stammstrecke anhalten könne. Erst in der Nacht könnten solche Gegenstände geborgen werden.

Plötzlich war das iPhone weg

Auch mit einer Müllzange dürfe nichts aus dem Gleisbett geholt werden. Die Bahnmitarbeiterin vertröstete Vanessa H.. „Sie sagte ich solle später wieder kommen, bis dahin würde sie auf mein Handy aufpassen.“ Erst nach mehrmaligem Insistieren ihrerseits notierte sich die Bahn-Mitarbeiterin ihren Namen.

Frustriert geht die Eichenauerin zur Arbeit. Sie informiert ihren Freund. Als der sich etwa eine halbe Stunde später am Bahnhof nach dem Gerät erkundigt, ist das rund 600 Euro teure Smartphone verschwunden. Die Bahn-Mitarbeiterin hat niemanden auf den Gleisen bemerkt. „Ich wurde dafür bestraft, dass ich nicht aufs Gleis gesprungen bin“, sagt Vanessa H..

Die 26-Jährige meldet den Vorfall im Fundbüro des Bahnhofs – und sie erstattet Anzeige bei der Polizei. Damit das Gerät zugeordnet werden kann, gibt sie optische Merkmale und diverse Seriennummern an. „Die Polizisten sagten, die Bahn müsse für den Verlust haften, weil das iPhone in ihrer Obhut war“, berichtet Vanessa H.. Am selben Abend wendet sich die 26-Jährige per E-Mail an den Bahn-Kundenservice. Die Antwort kommt erst nach neun Tagen. „Das hat mich geärgert“, sagt die Eichenauerin. Der Sprecher bedauerte den Vorfall, erklärte jedoch, dass keine Haftungsgrundlage bestehe. Er riet ihr auch zu einer Anzeige – obwohl sie erklärt hatte, dass sie das bereits getan hat. „Die Mails werden scheinbar nicht so genau gelesen“, sagt Vanessa H.. Auch das Datum des Vorfalls gab der Sprecher falsch wieder.

Auf einem Überwachungsvideo der Polizei konnte Vanessa H. schließlich sehen, was geschehen war. Ein Mann sprang zwischen zwei S-Bahnen ins Gleis und schnappte sich das Mobiltelefon. Er ist groß, kräftig und sportlich. Kontakt mit dem Finder aufnehmen kann die Eichenauerin nicht. Das Handy ist ausgeschaltet.

Fundbüro in Wuppertal

Dafür sieht die 26-Jährige den Mann vom Video einige Tage später – zufällig. Erst läuft sie ihm am Eichenauer Bahnhof über den Weg. Dann in einem Café. Sie verständigt die Polizei. Für die Beamten ist der Mann kein Unbekannter. „Bei der Befragung sagte er, dass er das iPhone einen Tag nach dem Verlust im Fundbüro am Hauptbahnhof abgegeben hat.“

Und tatsächlich: Als sich die 26-Jährige dort erkundigt, gibt es ein Handy, auf das ihre Beschreibung in etwa passt. Nur die Schutzhülle fehlte und der Mitarbeiter konnte die Seriennummer anfangs nicht zuordnen. „Er fragte dann sogar nach der PIN-Nummer des Handys“, sagt Vanessa H. empört.

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Letztlich bestätigte sich dann doch, dass es ihr Telefon war. Das lag aber inzwischen in einem überregionalen Fundbüro der Bahn in Wuppertal. Es dauerte nochmal ein paar Tage bis Vanessa H. es in den Händen hielt. Etwa 30 Euro kostete es, das Handy nach Eichenau schicken zu lassen. „Ich wurde nicht informiert, dass es abgegeben wurde, ich konnte es also gar nicht abholen“, erklärt die 26-Jährige frustriert.

„Wir erhalten einfach sehr viele Kunden-Anfragen“, versuchte ein Bahn-Sprecher den Kuddel-Muddel um das iPhone der Eichenauerin bei seinem Unternehmen zu erklären. Er räumt ein, dass seine Kollegin Vanessa H.’s Namen unaufgefordert hätte notieren sollen.

Wie der Mann unbemerkt aufs Gleis springen konnte, kann er sich nicht erklären. „Normalerweise wird der Zugverkehr bei Personen auf dem Gleis unterbrochen.“ Passiert ist das aber nicht. Dass Gegenstände nicht mit einer Müllzange herausgeholt werden dürfen, bestätigt er. Metallische Objekte in Gleisnähe seien lebensgefährlich. 

rm

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