Hündin Chilly hört Kindern beim Lesen zu. Durch ihre Geduld nimmt sie den Schülern die Angst vor dem Versagen. Foto: tb

Förderprojekt

Gestatten, ich bin Lesehündin Chilly

Eichenau – Was für die einen eine Audienz beim Papst ist, ist für die Grundschüler der Josef-Dering-Schule in Eichenau eine Vorlesestunde bei Hund Chilly: Nämlich etwas ganz besonderes.

Ganz gespannt verfolgt Lesehund Chilly die Geschichten um die „Kunterbunte Gespensterschule“, die der Zweitklässler Timon fehlerfrei vorliest. Nach 15 Minuten regem Zuhören ist die Leseprobe auch schon wieder zu Ende. Noch schnell ein paar Streicheleinheiten und das ein oder andere Leckerli für Chilly, denn vor der Tür wartet schon die nächste Schülerin. Jeder will die Labradordame sehen.

Seit nunmehr drei Jahren wird an der Josef-Dering-Schule in Eichenau das Konzept des sogenannten Lesehundes umgesetzt. Die Idee dahinter ist, dass Kinder mit Leseschwäche ihre Scheu vor dem lauten Vorlesen verlieren. Denn ein Hund hört geduldig zu, lacht niemanden aus und tadelt nicht. „Locker und angstfrei zu lesen ist das Wichtigste für Kinder mit einer Leseschwäche“, sagt Monika Hessel, das Frauchen der fünfjährigen Chilly.

Hessel und ihr Hund sind ehrenamtlich an der Grundschule angestellt. Zu diesem Arrangement kamen die beiden beim Gassigehen. Eine Freundin sprach die 54-jährige Musiklehrerin an, ob Chilly nicht Lesehund werden wolle, da der vorige leider verstorben sei, die Kinder ihren Vierbeiner aber wahnsinnig liebgewonnen hätten. Hessel war von der Idee begeistert und belegte alsbald einen Kurs, den sie mit Zertifikat abschloss. Seitdem ist Chilly als ausgebildeter Lesehund ausgezeichnet.

Auch die zweite Besucherin, die siebenjährige Maja, hat die Aufmerksamkeit Chillys gleich voll für sich. Die Schülerin hat zu Beginn ein, zwei kleine Unsicherheiten, dann allerdings keinerlei Probleme mehr und liest innerhalb einer Viertelstunde 15 Seiten aus „Schule! Schreit der Frieder“ runter. Inzwischen hat Chilly auch noch das Interesse der Schüler auf dem Pausenhof geweckt, die neugierig durchs Fenster linsen. Aber die Pause ist vorbei, die Aufsicht muss die Schüler mit Nachdruck in die Klassen zurückschicken.

Das Konzept des Lesehundes stammt aus den Vereinigten Staaten. Eine Dame aus München hat dieses aufgegriffen und hier integriert. München gilt als Pionier und Hochburg im Bereich der Lesehunde. Für Eichenaus Konrektorin Rosemarie Hartlieb ist das Konzept ein weiterer Baustein in der Leseförderung.

Chilly, deren Name übrigens nicht von Chillen sondern von der Chilischote kommt, ist eine sehr lebendige Hündin. Und im Anschluss an die Lesestunde ist sie wahnsinnig stolz, den Kindern geholfen zu haben. „Das ist an ihrem tänzelnden Gang bei Verlassen der Schule zu sehen“, erklärt Hessel.

Generell sind viele Schulen auf der Suche nach Lesehunden. Allerdings fehlen oft ausgebildete Hunde und deren Frauchen oder Herrchen, die genug Zeit mitbringen. Deshalb ruft Hessel auch alle Interessierten auf, gerne mit dem eigenen Hund ein derartiges Angebot anzunehmen und sich in jeder Woche zwei, drei Stunden Zeit zu nehmen, um Kindern die Angst vor dem Lesen zu nehmen.  mak

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