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Die Etappensieger schütteln sich noch am Wahlabend die Hände: Peter Münster (FDP, l.) und Dirk Flechsig (CSU).

Wahlnachlese in Eichenau

Kampf um Stimmen geht in die nächste Runde

Eichenau – Nach der Wahl ist vor der Wahl – diese Weisheit gilt auch für die beiden verbliebenen Bewerber ums Eichenauer Bürgermeisteramt, Dirk Flechsig (CSU) und Peter Münster (FDP).

Sie müssen nun ihr Werben um Stimmen verstärken, um bei der Stichwahl am 3. Juli die entscheidende 50-Prozent-Hürde zu knacken.

Flechsig hat mit 38,6 Prozent der abgegebenen Stimmen einen veritablen Vorsprung. Zur absoluten Mehrheit fehlt aber noch ein gutes Stück. Der 45-Jährige will nun in der verbleibenden Zeit noch deutlicher die Unterschiede zwischen sich und seinem Mitbewerber herausarbeiten. Als Beispiel nennt er die Olchinger Südwestumgehung, die er im Gegensatz zu Münster strikt ablehnt.

Dass die Grünen mittlerweile seinen Kontrahenten unterstützen, ist für ihn überraschend – mehr aber auch nicht. Zwar werde er bezüglich einer möglichen Wahlempfehlung Gespräche mit SPD und Freien Wählern führen. Flechsig glaubt aber nicht, dass derartige Empfehlungen über Sieg oder Niederlage entscheiden. „Die Bürger sind mündig und lassen sich von niemandem diktieren, wen sie zu wählen haben“, sagt er.

Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl als Diagramm präsentiert die Gemeinde Eichenau auf ihrer Internetseite.

Münster liegt als Zweitplatzierter mit 25,3 Prozent gut 13 Prozent hinter Flechsig. Der 50-Jährige ist aber guten Mutes, diesen Rückstand aufholen zu können. Dabei bleibt er bei der Wahlkampf-Strategie, mit der er bisher gut gefahren ist: nämlich Hausbesuche machen. „Ich werde in den verbleibenden Tagen den Bürgern weiter persönlich Rede und Antwort stehen.“ Rund 5500 Haushalte gibt es laut Münster in Eichenau. Viele davon hat der FDP-Politiker schon besucht. Eine genaue Zahl will er nicht nennen. „Es sind aber auf jeden Fall noch ein paar übrig“, verrät er.

Die Hausbesuche bei den Entscheidungsträgern des Grünen Ortsverbandes kann sich der FDP-Politiker jedenfalls sparen. Denn die scheint er schon überzeugt zu haben. Ortssprecherin Christine Ganzhorn hatte noch am Sonntagabend eine Wahlempfehlung für Münster herausgegeben. Ortssprecher Albert Hartl erläuterte die Entscheidung gestern so: „Wir halten Peter Münster für den progressiveren Kandidaten. Außerdem ist er Jurist. Wir denken, dass ihm das die Arbeit als Bürgermeister erleichtert.“ Die CSU sei dagegen altbacken und beharre als größte Fraktion im Gemeinderat auf ihrem Machtanspruch. „Es macht doch keinen Sinn, die stärkste Gruppierung noch weiter zu stärken“, findet Hartl. Er glaubt auch, dass Münster offener und zugänglicher für die Wünsche und Anregungen anderer politischer Gruppierungen ist als ein Bürgermeister Flechsig.

Münster jedenfalls bedankt sich für die Wahlempfehlung der Grünen und möchte noch weitere Wählergruppen für sich gewinnen. Deshalb wird er sich auch mit der SPD und den Freien Wählern zusammensetzen und sie davon zu überzeugen versuchen, ihn zu unterstützen.

Bei den Verlierern sucht man momentan nach den Gründen für die Wahlschlappe – und will sich noch auf keine der verbliebenen Seiten schlagen. Wie der gescheiterte Bürgermeisterkandidat und SPD-Ortschef Martin Eberl mitteilt, werde man in einer internen Mitgliederversammlung das weitere Vorgehen besprechen. „Das Problem ist, dass nun zwei Kandidaten übrig sind, die uns politisch völlig fremd sind“, betont er. Allerdings werde man keinesfalls zum Nichtwählen aufrufen. Könne man sich nicht auf eine Wahlempfehlung einigen, gebe es eben keine – und die Mitglieder wählen, wen sie wollen.

Dass sich die Grünen auf die Seite Münsters geschlagen, bezeichnet Eberl als „erstaunlich“. Es ist für ihn aber ein weiteres Zeichen dafür, „dass die Grünen überall in die Mitte rutschen“.

Über die Gründe für sein mäßiges Abschneiden bei der Wahl kann der Sozialdemokrat nur spekulieren. Fest steht für ihn aber: „Ich habe außer den SPD-Wählern kaum weitere Stimmen für mich gewinnen können.“

Die Freien Wähler wollen vor der Stichwahl zwar keine Mitgliederversammlung mehr einberufen, werden jedoch innerhalb des Vorstandes und der Fraktion besprechen, wie sie sich vor der Stichwahl positionieren. Das teilte die Ortsvorsitzende Angela Heilmeier auf Nachfrage mit. Die Diskussion sei ergebnisoffen.

Die Wahlpleite ihres Kandidaten Claus Guttenthaler kann man sich in der Wählergemeinschaft nicht so richtig erklären. „Wir waren fleißig und haben ein gutes Wahlprogramm gehabt“, so Heilmeier. Auf diesem Programm werde man auch die weitere Arbeit im Gemeinderat aufbauen.

Doch zurück zu den verbliebenen Bewerbern ums Bürgermeisteramt: Münster wäre im Falle seiner Wahl der einzige FDP-Bürgermeister in ganz Oberbayern. Nicht ganz so exklusiv wäre das Amt für Flechsig: Sollte der 45-Jährige am 3. Juli zum Rathauschef gewählt werden, wäre er einer von elf CSU-Bürgermeistern im Kreis Fürstenfeldbruck.

Neues Gesicht auch im Gemeinderat

Wenn im September der neue Bürgermeister sein Amt antritt, wird es auch im Gemeinderat eine personelle Veränderung geben. Denn beide verbliebenen Bürgermeisterkandidaten haben dort derzeit einen Sitz, müssten das Mandat aber abgeben, wenn sie gewählt werden. Dann kommt der jeweilige Nachrücker entweder bei der CSU oder der FDP zum Zug. Dabei orientiere man sich an den Ergebnissen der Gemeinderatswahl 2014, erläuterte der Verwaltungsleiter im Rathaus, Alexander Messner. Der Nachrücker mit den meisten Stimmen nehme den Platz des Bürgermeisters ein.

Bei der CSU wäre das Jutta Huber, die schon einmal im Gemeinderat vertreten war. Stünde sie nicht mehr zur Verfügung, kämen als nächstes Karin Lindner, dann Lisa Sophie Zeiler an die Reihe. Für die FDP würde Raphael Seitz nachrücken, vor zwei Jahren mit 18 Jahren der jüngste Spitzenkandidat in Eichenau. Er würde dann den Status des jüngsten Gemeinderates von Andreas Zerbes (SPD) übernehmen. Nächste auf der FDP-Liste wären Hannelore Münster, die Ehefrau des Kandidaten, und Ulrich Bode.

Der neue Gemeinderat wird in der ersten Sitzung im September, die unter dem neuen Bürgermeister stattfindet, eingeführt. Das Gemeindeoberhaupt selbst wird vom Ältesten des Gremiums vereidigt. Das ist Zweite Bürgermeisterin Gabriele Riehl (SPD).

Von Hans Kürzl und Stefan Weinzierl

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