Der Speicherkarten-Retter: Roland Förster mit der Kamera, die über zwei Jahre in der Amper lag. Auf dem Bildschirm seines Computers sieht man ein Foto von der Schlauchbootfahrt der Familie.

Foto lag über zwei Jahre im Fluss 

In Amper entdeckt: Wem gehört die Kamera? 

Emmering/Unterhaching - Über zwei Jahre lang lag eine Kamera in der Amper. Durch Zufall haben Mitglieder der Freien Sportgemeinschaft Amperland sie jetzt bei Emmering entdeckt. Mithilfe der Bilder und Videos auf der Speicherkarte hofft man jetzt, die Besitzer zu finden.

Die Zeit im Wasser hat Spuren hinterlassen: die beschädigte Digitalkamera Panasonic Lumix.

Roland Förster sitzt vor dem Computer in seiner Wohnung in Unterhaching (Kreis München) und schaut konzentriert auf die Fotos auf seinem Bildschirm. Der 68-Jährige versucht, Details zu finden, die er bisher übersehen hat. Kleinigkeiten, die etwas mehr über die Familie aussagen, der die Digitalkamera gehört, mit der die Bilder in den Osterferien 2014 fotografiert wurden. 

Auf den Fotos, die laut den Dateiinformationen zwischen 20. und 25. April 2014 aufgenommen wurden, ist anfangs ein junges Paar zu erkennen, dass mit Rädern am Chiemsee unterwegs ist: Sie schaut einmal durch ein Fernrohr, er hüpft später ins Wasser. Dazwischen Bilder mit Blick auf die Fraueninsel, auf Segelboote, auf die nahen Berge. „Die haben wohl eine Radtour um den Chiemsee gemacht“, mutmaßt Förster. Wenig später sieht man wieder das Pärchen – diesmal mit zwei Buben vermutlich jenseits des Grundschulalters. Sie sind in einem Vergnügungspark. „Der Skyline-Park“, ist sich Förster sicher. Dem 68-Jährigen ist es zu verdanken, dass man die Fotos überhaupt anschauen kann. 90

Der Unterhachinger verbringt mit seiner Familie bei schönem Wetter fast jedes Wochenende auf einem rund 17 Hektar großen Grundstück an der Amper in Emmering. Es gehört der Freien Sportgemeinschaft Amperland, dem ältesten und größten Naturistenvereins Bayerns. Mitglieder haben die silberne Kamera, ein Lumix-Modell der Marke Panasonic, aus der Amper gefischt, erzählt Förster, der früher Vorstandsmitglied war. 

Ausflug ins Allgäu: Die Familie hat in den Osterferien 2014 auch den Skylinepark besucht.

Neugierig geworden, nahm er sich des Fundes an. „Ich wollte wissen, ob der Speicherchip noch funktioniert.“ Das Gehäuse des Geräts war so verkalkt, dass Förster den Deckel zum Akku- und Speicherkartenfach regelrecht aufbrechen musste, um an den Chip zu gelangen. Zudem hatte sich der Kalk so in die Kamera gefressen, dass Förster die Speicherkarte fast nicht heraus brachte. „Ich habe den Chip dann einfach in den Entkalker gelegt.“ 

Die Mühe hat sich gelohnt: Alle Bilder und Videoaufnahmen sind in einwandfreiem Zustand. Durch die Tonaufnahmen, hat Förster auch herausgefunden, dass der Vater einen der Buben „Benni“ nennt, den anderen wohl „Jäckie“. Ganz deutlich ist der Name nicht zu verstehen. 

Zwei Buben beim Rudern: Auch von einer Schlauchbootfahrt auf der Amper gibt es Bilder.

Die letzten Bilder und Videos auf der Speicherkarte entstanden wohl, bevor die Kamera ins Wasser gefallen ist – bei einer Schlauchbootfahrt auf der Amper. Man sieht die Familie, wie sie an einer Stelle in Grafrath das olivgrün-orange Schlauchboot herrichtet, dann macht sich der Vater mit seinen zwei Söhnen allein auf die Bootstour. Bilder von der Amperbrücke im Fürstenfeldbrucker Zentrum sowie Fotos im Emmeringer Hölzl dokumentieren den Verlauf der Fahrt. Im letzten Video bittet der Vater einen seiner Söhne, ihm die Kamera zu geben. Vermutlich ist das Gerät wenig später ins Wasser gefallen. 

Dass der Fundort der Kamera auch der Ort ist, an dem sie versenkt wurde, glaubt Förster nicht. Schließlich sei die Amper ein Fließgewässer mit einer entsprechenden Strömung. „Und in den letzten Wochen hat die Amper viel Wasser geführt“, gibt der 68-Jährige zu bedenken. Er würde sich jedenfalls freuen, wenn sich die Familie aufgrund des Artikels bei der Tagblatt-Redaktion meldet. So könnte er den unbeschädigten Speicherchip zurückgeben. „Schließlich sind auf der Karte viele Erinnerungsfotos, über die sich die Familie sicher freuen würde.“

von Stefan Weinzierl 

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