80-jährige Geschichte geht zu Ende

Endgültiger Abschied von der Fursty-Wehr

Fürstenfeldbruck - Wieder geht eine Ära auf Fursty zu Ende. Kürzlich hatte die Flugsportgruppe der Bundeswehr den ehemaligen Fliegerhorst verlassen. Dann löste sich die Unteroffiziersgesellschaft auf. Am Donnerstag heißt es nun auch bei der Fliegerhorstfeuerwehr nicht nur „Feuer aus“, sondern auch „Licht aus“. Ein Rückblick.

Flugstundenjubiläum respektive last flight.

Die Fliegerhorstfeuerwehr ist die älteste Dienststelle in Fursty überhaupt. Sie nahm zeitgleich mit der Eröffnung der  „Luftkriegsschule 4“ am 1. Oktober 1937 ihren Dienst auf. Und auch in Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Platz von den Amerikanern betrieben wurde, gab es eine Feuerwehr. Die hieß damals aber freilich „Fire Department“. Mit einer Schichtstärke von 14 Mann, drei Fahrzeugen, einem Schlauchtender und einem Anhänger „Waldbrand“ stellte die Feuerwehr ihren Dienst entlang des damals noch nicht asphaltierten Rollfeldes.

Auch heute noch ist die Hauptaufgabe der Fliegerhorstfeuerwehr, nicht nur den Brandschutz für die militärische Liegenschaft, sondern im Besonderen für den Flugbetrieb zu gewährleisten. „Natürlich beschränkte sich das nicht nur auf den Kasernenbereich“, erzählt Feuerwehr-Gruppenführer Martin Zacherl. „Rettungseinsätze und Brandbekämpfung mussten auch für außerhalb des Platzes verunglückte Flugzeuge sichergestellt werden“.

Martin Zacherl

Nachdem die Amerikaner die „36. Fighter Bomber Wing“ und danach die „7330 Flying Training Wing“ aufgelöst und im Jahr 1957 Fursty an die neu aufgestellte Luftwaffe übergeben hatten, verloren die deutschen Feuerwehrler ihre amerikanischen Kameraden, mit denen sie eine gemeinsame Feuerwehr bildeten. Ein Vorteil dagegen: Ab sofort gab es eigene Feuerwehrlehrgänge an der Technischen Schule in Faßberg in Niedersachsen. Und: eigene Feuerwehrfahrzeuge, die die zivilen Feuerwehrler vor Neid erblassen ließen. Die Gefährte waren meist dreiachsig, hatten mehrere hundert PS, mehrere tausend Litern Wasser im Tank und einen Wasserwerfer auf dem Dach. „Das ist den besonderen Anforderungen bei der Flugzeugbrandbekämpfung geschuldet“, so Martin Zacherl.

Einschusslöcher nach dem Olympia-Attentat.

„Denn, anders als bei der Gebäudebrandbekämpfung, besitzen Flugzeuge eine sehr geringe Feuerwiderstandskraft – wir müssen also sehr schnell sein“, erzählt der Gruppenleiter weiter.

 Unter einer Minute sollte die Eingreifzeit liegen, sonst sinken die Überlebenschanchen für Flugzeugbesatzungen und Passagiere rapide. Das geht nur, wenn die Feuerwehr schon an der Startbahn steht und nicht erst aus der Wache ausrücken muss, wenn etwas passiert ist. Bevor ein Flugzeug zum sogenannten take off rollen darf, muss also am Anfang und am Ende der Startbahn ein Feuerwehrfahrzeug stehen, in dem die Kameraden sogar mit Hitzeschutzanzügen sitzen.

Die Fursty-Wehr in der Innenstadt

Bei Großschadensereignissen, wie zum Beispiel beim Brand der Aumühle, unterstützen die militärischen Feuerwehrler gerne ihre freiwilligen Kameraden, mit denen sie auch sonst einen engen Austausch pflegen.

Der mit Abstand traurigste Einsatz war der am 5. September 1972 während des Olympia-Attentats. Die Feuerwehr, die damals noch neben dem alten Tower und damit unmittelbar am tragischen Geschehen ihr Quartier hatte, musste die durch explodierende Handgranaten entzündeten Bundesgrenzschutz-Hubschrauber löschen.

Mehrere Gewehrsalven trafen auch Feuerwehrfahrzeuge und die Feuerwache selbst. Mit der Außerdienststellung des „Jagdbombergeschwaders 49“ am 31. März 1994 und nach Auflösung der Fluglehrgruppe am 30. Juni 1997 wurde der Dienst merklich ruhiger. Zuletzt waren es nur noch medizinische Notfälle, zu denen die Fliegerhorstfeuerwehr auch mit ausrückte.

Mit dem jetzigen Ende hadert Zacherl schon etwas. Aber alle Bemühungen, einen Fortbestand der Wehr bis zum Abzug der Offizierssschule (nicht vor 2021) zu sichern, scheiterten letztlich. Zudem ist Zacherl als zweiter Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Fursty mit dem Standort über das dienstliche hinaus verbunden. Doch es bleibt dabei: Am Donnerstag wird der Betrieb der Fliegerhorstfeuerwehr nach fast 80 Jahren für immer eingestellt.

Anmerkung der Redaktion: Im Oktober kam es zu unerwartetenEntwicklungen. Die Wehr kehrte zurück.

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