Ein Engel für Ghana

Gröbenzell/Ghana – Hilfe zur Selbsthilfe in Ghana hat sich die Ärztin Anne Sittl zu ihrer Aufgabe gemacht. Die 58-Jährige, die teilweise in Gröbenzell wohnt, unterstützt seit Jahren die Menschen in Westafrika. Sie lebt mittlerweile sogar in Ghana.

Seit fünf Jahren hat Anne Sittl ihren Lebensmittelpunkt in Ghana. Sie kam in dieser Zeit immer wieder nach Gröbenzell, um ihre Mutter zu pflegen. Die ist zwischenzeitlich aber verstorben. Schon während ihres Medizinstudiums hatte Anne Sittl mit ihren Eltern in der Gemeinde am Gröbenbach gelebt. Heute hat sie dort noch ihren Zweitwohnsitz.

In Ghana ist für die 58-Jährige viel zu tun. Derzeit ist sie dabei, mit Unterstützung des Vereins „Ghana-Freunde Takoradi“ in einer kleinen Stadt am Meer ein Gesundheitszentrum aufzubauen. 2008 wurde ihr für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen. Auch die Gemeinde Gröbenzell unterstützt die Arbeit der Ärztin, rund 3300 Euro wurden ihr jüngst vom Gemeinderat als Zuschuss zugesprochen.

Sozial engagiert hat sich Anne Sittl bereits in jungen Jahren: So hat sie nach dem Abitur ehrenamtlich in einem Kibbuz in Israel mitgearbeitet. Als dann Mitte der 1990er-Jahre in Deutschland eine Flüchtlingswelle anrollte, wurde die damals in Erlangen lebende Mutter dreier Kinder mit eigener Arztpraxis in der Betreuung von Asylbewerbern aktiv. Doch schnell wurde ihr klar: „Was ich hier in Deutschland tue, das hat keine Nachhaltigkeit. Die Menschen kommen aus Not nach Deutschland, ihnen muss in ihrer Heimat geholfen werden.“ Hilfe zur Selbsthilfe ist geboten.

Im Dezember 1994 reiste sie mit einem in seine Heimat zurückkehrenden Ghanaer erstmals in die Hafenstadt Takoradi. Seitdem hat sie dort mit Spenden Selbsthilfeprojekte aufgebaut: Nähwerkstätten, in denen Männer und Frauen traditionelle Kleidung fertigen, eine Garküche, eine Fahrradwerkstatt, in der gespendete Räder repariert werden, eine Schlosser- und eine Schreinerwerkstatt, Brunnen und Bewässerungsanlagen. Unterstützt werden von ihr und dem Verein aber auch Schulpatenschaften und die Ausbildung von Krankenschwestern und Hebammen.

Im Moment ist es eben das Gesundheitszentrum. Als Ort wurde das Dorf Brafoyaw auserwählt, etwa 75 Kilometer von Takoradi entfernt, wo Anne Sittl mittlerweile lebt und arbeitet. In der Gegend um Brafoyaw, zu der mehrere Dörfer, aber auch eine Stadt mit mehr als 20 000 Einwohnern gehören, gab es bisher keinen Arzt. Die Bewohner leben mehrheitlich vom Bootsbau und vom Fischfang. Doch sie fristen ihr Leben am Existenzminimum, berichtet Anne Sittl – mit den gut ausgerüsteten Fangbooten aus EU-Staaten können sie nicht konkurrieren.

In dem Gesundheitszentrum sollen Kranke behandelt werden, möglichst mit alternativen Heilmethoden, und zwar von Anne Sittl, einem einheimischen Arzt und zwei Krankenschwestern. Das Zentrum soll auch der Vorsorge, der Weiterbildung und der Aufklärung über Familienplanung, Ernährung und Hygiene dienen. Zudem soll eine Bibliothek mit Büchern für Kinder aufgebaut werden. Um Brafoyaw haben sich Internatsschulen angesiedelt, mit diesen ist eine Zusammenarbeit bei Themen wie Verhütung oder Vorbeugung vor sexuell übertragbaren Krankheiten geplant.

Ein 1000 Quadratmeter großes Grundstück wurde bereits angekauft. Darauf wächst das geschätzt 200 000 Euro teure Zentrum in die Höhe. Anfang 2017 soll es fertig sein.

von Susanne Schwind

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