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Senioren, Schüler, Wasserratten: Zahlreiche Schwimmer ziehen im Puchheimer Schwimmbad täglich ihre Bahnen. Das bringt das kleine Bad an seine Grenzen. 

Erfolgsbad an der Belastungsgrenze

Puchheim - Das Schwimmbad am Gerner Platz ist beliebt wie nie. Das zeigen die Besucherzahlen. Der Bade-Boom ist für die Stadt allerdings Fluch und Segen zugleich. Denn sowohl die Einrichtung an sich als auch die personelle Besetzung sind für einen derartigen Ansturm eigentlich nicht ausgelegt.

„Tauchen Sie ein! Schwimmen Sie sich frei vom Trubel des Alltags!“ So wirbt die Stadtverwaltung auf ihrer Homepage für die Schwimmhalle auf dem Schulgelände am Gerner Platz. Dabei bräuchte es derzeit überhaupt keine Werbung, wie der geschäftsleitende Beamte im Rathaus, Jens Tönjes, erläutert. Denn die Badegäste rennen Schwimmmeister Norberth Rätscher regelrecht die Türen ein. „Wenn wir die Öffnungszeiten bis Mitternacht erweitern würden, hätten wir sogar noch um diese Zeit Besucher“, ist sich Tönjes sicher.

2007 drehten laut Kämmerer Harald Heitmeir insgesamt 25 000 Schwimmer ihre Runden im zehn mal 20 Meter großen Edelstahlbecken. In den letzten Jahren habe sich die Zahl auf über 30 000 Besucher erhöht. Vor allem die Zahl der zahlenden Gäste, die neben Vereinsmitgliedern und Schülern das Bad am Gerner Platz besuchen, hat sich laut Heitmeir enorm gesteigert. 2007 waren es 15 000 Besucher, 2014 ist man bei 18 000 Besuchern angekommen.

Immer weniger kleine Hallenbäder

Einen genauen Grund für die gesteigerte Nachfrage kann Tönjes nicht ausmachen. Natürlich könne es eine Rolle spielen, dass es immer weniger kleine Hallenbäder in den Gemeinden gebe und dass der Eintritt in Puchheim sehr wenig koste. Er glaubt aber auch fest daran, dass Bademeister Rätscher mit seiner freundlichen, hilfsbereiten Art einen nicht unerheblichen Teil zum Erfolg beigetragen hat. „Früher hat die Stadt mit mehreren Hilfskräften im Bad gearbeitet. Jetzt gibt es mit unserem Bademeister eine vertraute Person, die die Besucher an die Einrichtung bindet.“

Im Rathaus freut man sich natürlich, dass das über 40 Jahre alte Bad bei der Bevölkerung so gut angenommen wird. Man stößt aber auch an Grenzen. Es dürfe nicht vergessen werden, dass es sich in erster Linie um ein Schulschwimmbad handele, betonen Tönjes und Heitmeir. Technik, Räumlichkeiten und Ausstattung seien für die hohen Besucherzahlen eigentlich nicht geeignet. Als Beispiel nennt Tönjes die Wasserqualität. „Das Wasser braucht eine gewisse Ruhephase, damit es wieder die gewünschte Qualität hat.“ Je mehr Menschen schwimmen, desto länger dauere es, das Wasser wieder entsprechend aufzubereiten.

Bad musste mehrmals schließen

Auch personell ist es zuletzt recht eng geworden. Bademeister Rätscher stand bisher nur eine Rettungsschwimmerin als Teilzeitkraft zur Seite. Weil die zuletzt krankheitsbedingt ausfiel, musste die Stadt das Bad in den vergangenen Wochen mehrmals schließen. Doch zumindest in dieser Hinsicht wird sich die Lage wohl demnächst entspannen. Laut Tönjes wird zum 1. Juli ein weiterer Bademeister in Vollzeit angestellt.

Trotzdem müssen sich die Bürger auf eine längere Schließung der geliebten Schwimmstätte gefasst machen. Wie Heitmeir ankündigt, wird das Schwimmbad wegen Sanierungs- und Wartungsmaßnahmen fast drei Monate zugesperrt – und zwar von Samstag, 11. Juni, bis Montag, 12. September.

Wie sieht nun die Zukunft des kleinen Hallenbades aus? Dazu wird es womöglich noch in diesem Jahr die entsprechenden Weichenstellungen geben. Die Stadtverwaltung will das Thema laut Kämmerer Heitmeir in absehbarer Zeit auf die Tagesordnung im Stadtrat bringen. Von der Generalsanierung mit Erweiterung bis zum Abriss mit Neubau erscheint alles möglich (siehe Kasten). Nur an eines denkt angesichts der imposanten Besucherzahlen momentan keiner: das für die Stadt doch recht kostenintensive Schwimmbad – 2015 schlug trotz Einnahmen von rund 42 000 Euro eine Defizit von 148 000 Euro zu Buche – ersatzlos zu schließen.

Um- oder Ausbau?

Die Puchheimer Stadträte diskutieren seit Jahren immer wieder über die Zukunft des Lehrschwimmbades. Denn es handelt sich um einen klaren Sanierungsfall. Fenster, Außenfassade, Dach – die Mängelliste ist lang. Und auch das Edelstahlbecken müsste in nächster Zeit wieder ausgetauscht werden. Jetzt geht es um die zentrale Frage: Soll das Bad einfach im Bestand erhalten oder attraktiver gestaltet und ausgebaut oder sogar neu gebaut werden. Kostspielig wird es, egal welche Entscheidung der Stadtrat trifft.

Bei einer letzten Kostenschätzung aus dem Jahr 2014 war für die reine Sanierung ein Betrag von 2,8 Millionen Euro netto genannt worden. Ein Neubau am jetzigen Standort mit vergrößertem Schwimmbecken, Lehr- und Planschbecken sowie einer Sauna würde mit rund zehn Millionen Euro zu Buche schlagen. Bei einem Neubau auf der grünen Wiese kämen auch noch die Grundstückskosten dazu.

Verabschiedet hat man sich in der Stadtverwaltung von der Idee, das Schwimmbad durch eine Aufstockung zu vergrößern. Dies sei bautechnisch nicht möglich, heißt es. Trotzdem könnte man das Bad am derzeitigen Standort erweitern. Denn direkt daneben befindet sich der Verkehrsübungsplatz der Grundschule, den man notfalls opfern will.

Soll das Bad so bleiben?

Sowohl für den bloßen Erhalt des Bades, als auch für einen attraktiven Um- beziehungsweise Ausbau gibt es Befürworter im Stadtrat. CSU-Rat und Altbürgermeister Erich Pürkner beispielsweise sagt, das Bad solle so bleiben, wie es ist. Wem die Puchheimer Schwimmhalle nicht ausreiche, der solle mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Auto oder dem Fahrrad ins Germeringer Hallenbad fahren. Reinhold Koch (ubp) will genau das verhindern: dass die Puchheimer zu den Bädern in Germering und Bruck abwandern. Die Freien Wähler fordern ein „zeitgemäßes und für breite Bevölkerungskreise wieder attraktives Schwimmbad“. Auch Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) hat bereits vor längerem deutlich gemacht, dass Puchheim als Stadt mit über 20 000 Einwohnern seiner Ansicht nach ein besseres Schwimmbad vertrage.

sw

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