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Helmut Bäuml, der Ehrenpräsident von Rot-Weiß Birkenhofist kürzlich gestorben.

Opfer von Bluttat 1962 gestorben

Nach Schießerei 54 Jahre im Rollstuhl

Graßlfing/Eschenried – Bei einer Schießerei im Vereinslokal von Rot-Weiß Birkenhof (Kreis Dachau) wurden 1962 die Wirtssöhne getötet. Helmut Bäuml erlitt schwere Verletzungen. Der Graßlfinger saß seit der Bluttat im Rollstuhl, verlor aber nie seinen Lebensmut. Nun ist er im Alter von 82 Jahren gestorben.

Das Schicksal schlägt am 29. April 1962 zu: Im Gasthaus Schmid, das den Fußballern von Rot-Weiß Birkenhof als Vereinsheim dient, zieht ein angetrunkener Maurer nach einem Streit eine Waffe (siehe Kasten). Es ist die Feier zur Geburt des Enkels des Vereinspräsidenten und Vereinswirtes, wie der Sohn des Verstorbenen, Helmut Bäuml Junior, erzählt. Sein Vater habe schlichten wollen. Dann fallen Schüsse. Eine Kugel bleibt im Rückenmark von Helmut Bäuml stecken. Seitdem ist er querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. „Ich muss wieder werden, schon wegen unserer Kinder“, habe er damals zu seiner Frau Gabi gesagt, erzählt der Sohn, der heute stellvertretender Vorsitzender bei Rot-Weiß Birkenhof ist, weiter.

Nach langem Klinikaufenthalt und Reha kehrte Helmut Bäuml schließlich nach Hause zurück und meisterte sein Leben. „Er hat alles, was im Sitzen möglich war, gemacht“, sagt seine Frau. Neben der Familie setzt sich der leidenschaftliche Fußballfan vor allem für seinen Sportverein ein. Der gebürtige Münchner, der im Alter von acht Jahren mit seiner Familie ins Graßlfinger Moos gezogen war, war Gründungsmitglied und Spieler von Rot-Weiß Birkenhof.

Vier Jahre nach der Bluttat später zum zweiten Vorsitzenden gewählt

Nach der schweren Verletzung kümmerte er sich um organisatorische Dinge. Ob Turniere anstanden oder der Bau des neuen Sportplatzes samt Vereinsheim: Auf Helmut Bäuml war Verlass.

Schon vier Jahre nach der Schießerei im Wirtshaus wurde er zum zweiten Vorsitzenden gewählt, von 1976 bis 1992 war er Vorstand des Vereins. Als er das Amt niederlegte, ernennen ihn die Mitglieder zum Ehrenpräsidenten. Daneben war Helmut Bäuml passives Mitglied bei der Feuerwehr Graßlfing, beim Gröbenrieder Schützenverein und Gründungsmitglied beim Tennisverein Eschenried. Sein Freund Josef Huber, heutiger Ehrenpräsident des Tennisclubs Eschenried, sagt: „Helmut war vom Leben gebeutelt, beklagte sich nie und war immer für alle da.“

Einmal im Jahr veranstalteten die Bäumls ein großes Grillfest für die Vereinsfreunde im eigenen Garten. Daheim ging er seinerFrau Gabi zur Hand und half, wo es nur ging. Dass seine Tochter Jutta nur wenige Tage vor ihm überraschend an Krebs verstarb, hat der zuletzt schwer kranke Helmut Bäuml nicht gewusst. „Das hätte ihn zu sehr geschmerzt und ihm womöglich den letzten Lebenswillen genommen“, sagt die Familie. Sie wollten ihm ermöglichen, ganz friedlich gehen zu können. Daheim in seinem geliebten Graßlfing.

Eigentlich Unbeteiligter macht aus einem Streit eine Tragödie

Die grauenhafte Bluttat im Gasthaus Schmid wird von einem Graßlfinger begangen, der in der Tatnacht die Gaststätte ursprünglich überhaupt nicht besucht hatte. Ausgangspunkt ist wohl ein Streit zwischen einem Maurer aus Lochausen und seinem Chef, einem Bauunternehmer aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Weil der angetrunkene Maurer handgreiflich wird, wird er von den Söhnen des Wirtes, die wie Helmut Bäuml bei Rot-Weiß Birkenhof Fußball spielen, aus dem Vereinsheim geschmissen. 

Der Maurer fühlt sich ungerecht behandelt und will die Polizei holen. Doch auf dem Heimweg trifft der damals 29-Jährige einen Arbeitskollegen, der in einer anderen Wirtschaft gezecht hatte. Der Amateurboxer aus Graßlfing hält seinen Kameraden davon ab, die Polizei zu holen. Das kann man auch selbst regeln, meint er und holt aus seiner Wohnung eine Waffe. Kurz vor Mitternacht betreten die beiden die Wirtsstube und bedrohen die Gäste. Als die Wirtssöhne versuchen, das Duo zu beruhigen, fallen die Schüsse. Die Zwillingsbrüder werden tödlich in die Brust getroffen. Einen Tag später wird der geflüchtete Schütze von der Polizei in der Wohnung seines Bruders entdeckt und verhaftet.

von Angi Kiener und Stefan Weinzierl

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