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Beispielfoto: Pillen und Tabletten

Wegen ADHS

Ärztin verschreibt Patienten Tabletten-Überdosis

Fürstenfeldbruck – Deutlich mehr Tabletten als erlaubt, hat eine Brucker Ärztin ihrem betäubungsmittelabhängigen und an ADHS leidenden Patienten verschrieben. Dafür musste sie sich nun vor dem Amtsgericht verantworten.

Eine Dosis von 120 Milligramm Methylphenidat hatte der 37-Jährige monatelang täglich in Form von Tabletten zu sich genommen. Als Höchstdosierung des Medikaments sind aber nur 80 Milligramm am Tag erlaubt. Einer aufmerksamen Brucker Apothekerin war die Überdosierung aufgefallen. Sie hatte das Landratsamt informiert. Zwar kann in begründeten Einzelfällen die Höchstdosierung überschritten werden, doch dann müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein – und das waren sie nicht.

So hat sich die Ärztin darauf verlassen, dass der Patient, bevor er in ihre Praxis kam, 120 Milligramm von einem anderen Medziner erhalten hatte. Und obwohl sie wusste „welchen Kandidaten sie vor sich hat“, so der Richter, nämlich einen schwer betäubungsmittelabhängigen Mann, habe sie dessen Angaben nicht geprüft. Diese haben sich dann auch als gelogen herausgestellt.

Laut Gutachter hätte sie mit zehn Milligramm am Tag beginnen, die Dosierung langsam steigern und den Patienten regelmäßig auf mögliche Nebenwirkungen kontrollieren müssen. Die Kontrollen seien laut Patientenakte aber nur rudimentär erfolgt. Zudem hätte sie sicherstellen müssen, dass der 37-Jährige die Tabletten nicht weitergibt, so der Richter. Zwar versicherte der Mann, er allein habe die Medikamente genommen. Doch der Richter blieb skeptisch, da der 37-Jährige mit einer drogensüchtigen Frau zusammenlebt.

Der Richter war aber auch überzeugt, dass die Ärztin dem Mann „die Medikamente verschrieben hatte, um ihm zu helfen“. Die Ärztin bestätigte das. „Ich habe mein Bestes getan“, sagte sie zum Abschluss der Verhandlung.

Als Prozessbeistand hatte die Medizinerin keinen Rechtsanwalt, sondern ihren Ehemann, einen Nicht-Juristen, bei sich. „Die Alternative wäre gewesen, den Patienten nicht zu behandeln“, sagte dieser. Andere Ärzte täten das bereits. Denn, wie die Angeklagte berichtete, wurden bereits mehrere Mediziner wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt oder hätten eine Geldbuße gezahlt. Sie sei mittlerweile die einzige vor Ort, die ADHS-Patienten behandle. Am Gutachter übten die beiden heftige Kritik. Dieser habe lediglich veraltete Unterlagen genutzt. Sie bezweifelten aber auch dessen Kenntnisse über ADHS-Patienten.

Im Vorfeld der Verhandlung hatten die Ärztin und ihr Ehemann eine Brücke des Richters ausgeschlagen. Denn die Bruckerin war am Amtsgericht vor Monaten schon einmal verurteilt worden, ein Verfahren gegen das sie Einspruch eingelegt hatte und das nun am Landgericht München II verhandelt werden wird. Hätten sie den Einspruch dagegen zurückgezogen und das Urteil mit 30 Tagessätzen akzeptiert, hätte der Richter das neuerliche Verfahren einstellt.

Letztendlich wurde die Ärztin wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes zu einer Geldstrafe von 15 000 Euro verurteilt. Diese muss sie in 150 Tagessätzen zu je 100 Euro zahlen.  (sus)

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