Der Markplatz ein Meer von Menschen: Beim Altstadtfest 2016 während des Auftritts der Band Manyana.

Gebühren erhöht 

Vor Altstadtfest: Wirte sind sauer 

Fürstenfeldbruck - Das Rathaus hat die Gebühren für Aussteller am Altstadtfest, das am Wochende über die Bühne geht, deftig erhöht. Erst über die Rechnungen haben Wirte und Fieranten davon erfahren. Eine Unternehmerfamilie hat bereits abgesagt.

Ungerecht, nicht nachvollziehbar, schlechte Art: Das sind die Begriffe, die den Brucker Unternehmern zur Erhöhung der Gebühren am Altstadtfest einfallen. „Das ist frech“, sagt Aytac Cömert, Inhaber des Restaurants Myra an der Hauptstraße. Im vergangenen Jahr hat er 950 Euro dafür bezahlt, dass er vor seinem Lokal Biertischgarnituren aufstellen durfte 2016 sind es rund 350 Euro mehr. Berechnet wird pro laufenden Meter. 

Dass er heuer 1300 Euro berappen muss, hat Aytac Cömert erst durch die Post erfahren. „Dass wir mehr zahlen müssen, stand in der Rechnung. Wenn mein Weinlieferant die Preise erhöht, erfahre ich das doch auch vorher. Das kann nicht sein.“ Als er sich bei der Stadt beschwerte, habe er nur eine freche Antwort erhalten: „Die haben mir gesagt, es wäre zu viel Aufwand, 300 Briefe zu verschicken.“ 

Außerdem stört ihn, dass er eine Toilettenpauschale von 50 Euro für die sechs Wagen der Stadt zahlen muss: „Meine Klos müssen wegen der Gäste im Restaurant eh offen sein. Während der zwei Tage brauche ich Toilettenpapier und Co. für 400 Euro. Der Vorrat hält normal zwei Wochen.“ 

Auch Antonio Di Gorga vom Restaurant Nabucco ist verärgert. „Ich zahle 300 Euro mehr als in den vergangenen Jahren. Das ist nicht okay“, sagt er. 2015 waren es noch 650, heuer sind es 950 Euro. „Selbst wenn der Preis moderat erhöht worden wäre, ist das nicht die richtige Art und Weise, mit uns umzugehen.“ Auch er habe erst durch die Rechnung erfahren, was er für seinen Stand mit Pizza, Pasta und Getränken plus Sitzgelegenheiten berappen muss. 

Das bestätigt Sophie Trnka, die bei der Stadt für das Fest zuständig ist. „Wir haben mit der Rechnung im Juni informiert.“ Die Entscheidung, die Gebühren zu erhöhen, wurde im Rathaus getroffen. An dem Gespräch Anfang des Jahres nahmen unter anderem der amtierende Rathauschef Erich Raff (CSU) und Verwaltungsleiter Roland Klehr teil. „Es handelt sich um eine privatrechtliche Angelegenheit, die nicht per Satzung geregelt ist. Deshalb kam das Thema nicht im Stadtrat aufs Tapet“, sagt Klehr. Er weiß aber auch: „Keiner applaudiert, wenn die Gebühren erhöht werden.“ 

Markt- und Festreferent Markus Droth (CSU) erklärt, warum die Stadt tiefer in die Taschen der Wirte und Fieranten greift. „Wir haben ein neues Sicherheitskonzept, das kostet Geld.“ Konkret heißt das, dass die Bühnen- und die Tontechnik nun aus einer Hand ist. Hintergrund: Der Unfall vergangenes Jahr, bei dem ein Musiker auf der Bühne einen Stromschlag erlitt. Er lag kurze Zeit im Koma. Um das Risiko so weit wie möglich zu minimieren, findet künftig vor jedem Altstadtfest eine Begehung mit einem Fachmann statt. Außerdem sind mehr Security-Mitarbeiter im Einsatz. „Die Wirte profitieren ja auch vom Fest, wir müssen sie eben jetzt nach zehn Jahren erstmals mehr beteiligen“, sagt Droth. 

Doch nicht nur die Vollzeit-Gastronomen werden zur Kasse gebeten. Auch die so genannten externen Fieranten, die kein Geschäft in der Innenstadt haben. Andrea und Peter Thuss haben für ihren Schokofrüchte-Wagen „Glazy Fruits“ seit dem ersten Altstadtfest 1996 immer 192 Euro bezahlt. 2016 würden rund 350 Euro fällig. Die setzen sich zusammen aus 20 Euro pro laufenden Meter mal 2,5 Tage plus je 50 Euro Toilettenpauschale und Stromgeld. Für Familie Thuss zu viel. Sie machen nicht mehr mit.  „Bei der Stadt interessiert sich anscheinend keinen dafür, dass du seit 20 Jahren dabei und selbst Brucker bist“, sagt Andrea Thuss. 

Seine Fläche reduziert hat auch Gerd Waibel, Inhaber von Sport Becke an der Pucher Straße. Er hat normal 15 laufende Meter gemietet, auf denen er Waren präsentiert oder einen Pavillon aufstellt. Nachdem ihm die Rechnung der Stadt ins Haus geflattert war, kürzte er sieben Meter weg. „Eine derartige Gebührenerhöhung ist nicht normal“, sagt er. Zumal die Stadt bereits jetzt darauf hinweise, dass in den kommenden Jahren weiterhin moderate Preissteigerungen folgen. 

Das zahlen Wirte, Fieranten und Geschäftsleute 2016

Das neue Gebühren-System fürs Altstadtfest ist nicht ganz einfach. Denn in Bruck werden die Teilnehmer in unterschiedliche Kategorien eingeteilt: Vereine, Wirte in der Hauptstraße, Geschäftsleute, Wirte in den Nebenstraßen und externe Fieranten (die kein Geschäft im Bereich des Altstadtfests haben). Vereine zahlen eine Pauschale von 250 Euro. Wirte an der Hauptstraße müssen künftig 20 Euro (bisher: 15 Euro) pro laufenden Meter (für etwa einen Stand oder Biertischgarnituren) und Tag berappen. Also werden die 20 Euro mit 2,5 Tagen multipliziert. Dazu kommen 50 Euro für die sechs Toilettenwagen der Stadt, zehn Euro Stromgebühr und 155 Euro Grundgebühr. Neu ist, dass externe Fieranten wie etwa Familie Thuss und ihr Früchtewagen auch wie Wirte abgerechnet werden (jedoch ohne die Grundgebühr in Höhe von 155 Euro). Zusätzlich zahlen sie 50 Euro Strom. Wirte in den Nebenstraßen zahlen eine Pauschale von 100 Euro und 50 Euro Toilettengebühr. Sie müssen weniger Geld ausgeben, weil sie ihr Bühnenprogramm komplett selbst organisieren und die Kosten dafür tragen. Geschäftsleute zahlen jetzt 30 Euro pro laufenden Meter, vorher waren es 25 Euro.

Gefeiert wird von Freitag, 22., bis Sonntag, 24. Juli, in der Innenstadt. Viele Geschäfte haben am Freitag und Samstag bis in die Abendstunden und am Sonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

von Verena Usleber 

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Profi-Diebe räumen zwei 5er-BMW aus

Germering - Diebe haben zwei 5-er BMW aufgebrochen. Sie stahlen gezielt bestimmte Geräte aus den Wagen
Profi-Diebe räumen zwei 5er-BMW aus

Einbruch in Vereinsgaststätte geklärt

Emmering - Die Polizei hat die drei Einbrecher geschnappt, die in das Vereinsheim am Emmeringer Sportplatz eingestiegen waren.
Einbruch in Vereinsgaststätte geklärt

Glasfaser zum Dötelbauer

Alling - Grünes Licht für das schnelle Internet-Zeitalter in den Allinger Weilern: 
Glasfaser zum Dötelbauer

Geh- und Radweg zwischen Mauern und Schöngeising eröffnet

Schöngeising – Der erste Bauabschnitt des Geh- und Radwegs zwischen Mauern und Schöngeising ist nun offiziell eröffnet. Wegen des vielen Regens im Frühsommer hatten sich …
Geh- und Radweg zwischen Mauern und Schöngeising eröffnet

Kommentare