Badminton ohne Netz und mit Squash-Schläger

Fürstenfeldbruck – Cross – Was? Crossminton. So heißt eine junge Sportart, die auch in Fürstenfeldbruck schon einige Fans hat. Die Fürsty Speeders spielen sogar in der 1. Bundesliga. Das Tagblatt wollte genau wissen, wie dieses Badminton „in schnell“ funktioniert und nahm an einem Probetraining teil.

Schneller noch als Badminton? Auweia. Eigentlich reicht mir die Geschwindigkeit beim Spiel übers hohe Netz bereits vollkommen aus. Bei Profi-Matches im Fernsehen habe ich durchaus oft Probleme, dem Ball zu folgen. Beim Crossminton soll es dafür aber kein Netz geben. Vielleicht gleicht das die höhere Geschwindigkeit wieder aus. Mit diesen Gedanken im Kopf und meinen Sportsachen in der Tasche drücke ich mich gegen die Tür der alten Graf-Rasso-Halle an der Kirchstraße und trabe die Treppe in den Keller hinunter. Es begrüßt mich ein Mann wie ein Baum.

Charly Knobling, mindestens 1,90 Meter groß und trainiert, hat Crossminton nach Bruck gebracht. Heuer ist er zum zweiten Mal in Folge Deutscher Meister (Ü50) geworden. „Zieh dich um, dann leg’ ma los“, sagt der 55-Jährige mit freundlichem Gesicht und ich verschwinde in der Umkleide.

Bevor ich nun in die Halle darf, folgt eine kurze Lehrstunde am Tisch mit den Sportgeräten. „Das ist doch ein ganz normaler Squash-Schläger“, sage ich und nehme den weißen, der mir am besten gefällt, in die Hand. Squash – das spiele ich unregelmäßig mit Freunden. Die Schläger sind nicht rund, sondern oval. „Falsch“, sagt Knobling, als hätte er auf diesen Einwand gewartet und holt einen weiteren Schläger zum Vergleich aus seiner Sporttasche. „Ein Squash-Schläger ist länger“, erklärt der Vorsitzende der „Fürsty Speeders“ und hält die beiden Exemplare nebeneinander. Er hat recht. „Außerdem ist die Bespannung etwas anders“, so Knobling und reicht mir einen der Bälle. Moment. Falsch. Einen der Speeders.

Optisch ähnelt das Ding einem Federball. Der Speeder ist aber etwas kürzer, außerdem ist das Federkleid fester. Überhaupt wirkt der Ball wesentlich stabiler als ein Federball. Und er ist schwerer. Zum Schluss zeigt mir der Deutsche Meister noch die elastischen Bänder, mit denen man das Spielfeld in einer Wiese abstecken, oder in der Halle festkleben kann. Theoretisch kann man die Quadrate aber auch mit einer Kreide auf den Asphalt malen. Genug Theorie. Nachdem ich ein bestimmtes Formular zwecks Versicherung unterzeichnet habe, geht es jetzt in die Halle. Und zu Roman, dem mich Knobling nun übergibt.

Roman Koch (51) ist zweiter Vorsitzender und ebenfalls Bundesligist. „Hast du schon mal Tennis gespielt? Oder Badminton oder Squash?“, fragt er. „Alles schon mal probiert“, sage ich. „Tennis sogar mal regelmäßig, im Verein war ich aber nie.“ Mein Lehrer scheint erleichtert, dass er mit mir nicht bei Adam und Eva anfangen muss und schlägt vor, dass wir einfach mal loslegen. Ich mache also, wie ich meine.

Ich stelle mich in mein Quadrat mit einer Seitenlänge von fünfeinhalb Metern, halte den Ball mit der linken Hand am Federkleid fest, lasse ihn fallen und schlage ihn mit rechts nach vorne. Pfiu. Der Speeder gibt einen leisen Pfeifton von sich, während er nur wenige Meter weit segelt und schließlich auf dem Hallenboden, weit weg vom gegnerischen Quadrat auf der anderen Seite der Halle, landet. Zu kurz. Viel zu kurz. „Man muss ja ganz schön draufzünden“, rufe ich rüber. Koch grinst.

Pfiu. Pfiu, Pfiu. Weitere Fehlversuche folgen. Nach vier Bällen habe ich keine mehr bei mir. Alle meine Speeders liegen auf dem Hallenboden zwischen unseren beiden Quadraten. Also im „Aus“. Das Ganze ist wesentlich schwerer, als ich dachte. Nun spielt mir mein Lehrer zu. Und endlich treffe ich den Ball einmal so, dass er zumindest von der Weite her passt. Die genaue Richtung stimmt noch immer nicht. „Man muss erst Mal ein Gefühl für Ball und Schläger entwickeln“, sagt Koch ermutigend. Mein Trainer spürt offenbar, dass ich ein bisschen enttäuscht bin von mir, der normalerweise recht geschickten Sportlerin. Doch ich bleib’ dran. Und werde belohnt.

Nach etwa einer Viertelstunde komme ich mit Schläger und Speeder einigermaßen zurecht und mein Lehrer und ich schaffen es, mehrmals hin und her zu spielen. Nach einer halben Stunde wiederum bin ich sogar mit meiner Rückhand zufrieden. Und auch mein Aufschlag kann sich mittlerweile sehen lassen. Man macht ihn nicht wie beim Tennis, über dem Kopf, sondern seitlich. Wir spielen nun in ziemlich hohem Bogen von einem Quadrat ins nächste. Manchmal treffe ich sogar aus Versehen die Decke. Mit Speed hat das nicht viel zu tun. Noch. „Das kommt dann erst, wenn man es mal richtig kann“, erklärt mein Trainer. Und das sehe ich dann auch.

Als ich nach einer knappen Dreiviertelstunde Crossminton ziemlich verschwitzt kapituliere, stellen sich Knobling und sein Kumpel Thomas Gross von den „Speedlights München“ auf dem Nachbar-Court gegenüber. Beide positionieren sich direkt hinter der Linie ihres Quadrats, Knobling schlägt auf. Pfiu, pfiu, pfiu. Der Speeder fegt vom einen Schläger zum anderen. Und zwar auf Schulterhöhe. Und nicht in hohem Bogen, wie es bei mir war. Nur, wenn ein Ball vor dem Boden gerettet werden muss, kommt es vor, dass Knobling und Gross ihn höher spielen und damit Schnelligkeit aus dem Ballwechsel nehmen. Und manchmal schlagen die zwei Profis den Speeder gar auf Knöchelhöhe hin und her. Pfiu, pfiu, pfiu. Das geht mir fast zu schnell.

Als ich beim Zuschauen meine Trinkflasche zum Mund führen will, merke ich, dass mir mein rechter Arm, mein Schlagarm, ganz schön weh tut. Ohje. Das gibt einen üblen Muskelkater. Doch der Spaß war es wert. Crossminton verlangt Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit am Schläger. Man muss nicht so viel laufen wie bei Squash und Tennis, dafür aber ziemlich präzise schlagen. Das schöne: Jeder kann diesen Sport machen – egal ob jung, oder nicht mehr ganz so jung.

Die Fürsty Speeders

veranstalten am kommenden Sonntag, 25. September, von 10 bis 12 Uhr wieder ein Probetraining in der alten Graf-Rasso-Halle an der Kirchstraße, bei dem jeder mitmachen kann. Ansonsten trainieren die Speeders immer mittwochs von 20.30 bis 22 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr dort. Kontakt zum Verein per Mail an info@fuerstyspeeders.de.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Verein organisiert ersten Familien-Ski-Tag

Olching –Der Olchinger Wintersportverein veranstaltet im kommenden Jahr zum ersten Mal einen Familiensporttag, allerdings nicht in der Amperstadt, sondern in Mittenwald. …
Verein organisiert ersten Familien-Ski-Tag

Wegzug einer Firma: Aufregung in Grafrath

Grafrath – Der Wegzug der Firma Cabero aus Grafrath und der damit befürchtete Einbruch bei der Gewerbesteuer schlägt weiter hohe Wellen. Und jetzt kommt auch noch …
Wegzug einer Firma: Aufregung in Grafrath

Stadträte spielen Geschenke-Kurier – per Fahrrad

Fürstenfeldbruck – Die Weihnachtswichtel sind los! In der Stadt gibt es bis 23. Dezember einen ganz speziellen Service: Unter anderem tragen Stadträte wie Alexa Zierl …
Stadträte spielen Geschenke-Kurier – per Fahrrad

Kalender mit alten Grafrath-Ansichtskarten

Grafrath – Archivarin Christel Hiltmann hat einen Kalender mit alten Ansichtskarten aus Grafrath zusammengestellt. Er wird dieses Wochenende am Christkindlmarkt verkauft.
Kalender mit alten Grafrath-Ansichtskarten

Kommentare