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Sexueller Missbrauch

Amtsgericht

Beim Mittagsschlaf Stieftochter begrapscht

Fürstenfeldbruck – Weil ihm vorgeworfen wurde, seine Stieftochter sexuell missbraucht zu haben, landete ein 41-Jähriger vor dem Brucker Amtsgericht. Er soll außerdem zugelassen haben, dass das Mädchen und sein älterer Bruder anzügliche Filme anschauten.

Die heute 18-Jährige erstattete im Herbst 2015 Anzeige gegen den Ex-Stiefvater. Der Vorwurf: Er soll sie in den Jahren 2005 und 2006 zwei Mal unflätig berührt haben. Gemeinsam mit seiner damaligen Frau – das Paar hat sich mittlerweile getrennt – und ihren beiden Kindern wohnte der 41-Jährige damals in Fürstenfeldbruck. Geboren wurde er in der Nähe von Potsdam. Wegen des Verfahrens musste er umziehen, nun wohnt er im Kreis Weilheim-Schongau.

„Ich hatte damals Nachtschicht und habe tagsüber auf der Couch im Wohnzimmer geschlafen“, sagte der 41-Jährige vor Gericht. Das Mädchen habe sich ab und zu neben ihn gelegt. Die beiden hätten sich umarmt. Beide seien dabei bekleidet gewesen. Sexuelle Hintergedanken habe er nicht gehabt, so der Angeklagte. Der Staatsanwalt hörte sich die Erklärung an, verwies allerdings auf die Aussage der ehemaligen Stieftochter. Sie hatte berichtet, dass der Angeklagte erregt gewesen sei, als sie zusammen auf dem Sofa lagen. Der Mann wiederum wiegelte ab. Er könne sich nicht erinnern, denn er sei im Halbschlaf gewesen.

Zusätzlich versuchte er sich nun zu rechtfertigen, indem er die ehemalige Stieftochter verantwortlich machte. Sie habe ihn einmal von sich aus berührt und seine Hand in ihren Schoß gelegt. Er habe die Hand sofort weggezogen, so der Angeklagte. Der Richter warf dem Mann vor: „Danach haben Sie zu ihr gesagt, dass Sie ihr Vater und nicht ihr Liebhaber seien. So etwas zu einem kleinen Kind zu sagen, ist völlig unangebracht.“

Einsichtig zeigte der Angeklagte sich nur bezüglich des Vorwurfs, seine Stiefkinder nicht davor bewahrt zu haben, sich Schmuddelfilme anzusehen. „Der Computer war frei zugänglich“, gab er zu. Er räumte ebenfalls ein, sich im Bad selbst befriedigt zu haben, ohne die Türe komplett zuzusperren. „Ich habe eine exhibitionistische Neigung“, so der Mann. Es sei gut möglich, dass seine damalige Stieftochter ihn bei sexuellen Handlungen gesehen habe.

Insgesamt aber vermutete er einen Feldzug gegen ihn, wie er sagte. 2011 sei die Beziehung zu seiner Ex-Frau in die Brüche gegangen. Seit 2014 habe er eine neue Lebensgefährtin, sie habe ebenfalls ein Kind. Seine ehemalige Stieftochter sei auf diese neue Familie eifersüchtig, so der 41-Jährige. Daher habe sie ihm im vergangenen Herbst per Handy eine Nachricht geschickt, in der sie 500 Euro von ihm forderte. Da er ihr das Geld nicht gab, habe sie Anzeige erstattet. Als Zeugin aussagen wollte die 18-Jährige im Gegensatz zu ihrer Mutter aber nicht. Die 43-Jährige konnte sich nicht erklären, warum ihre Tochter Anzeige erstattet hatte. Der Ex-Mann sei ein liebevoller Stiefvater gewesen.

Der Richter bemerkte während der Verhandlung mehrmals, dass sich die Aussagen des Angeklagten bei der Polizei in Weilheim nicht mit denen vor Gericht deckten. 2015 hatte der Mann bei der Polizei laut Protokoll zugegeben, fast mit der Tochter seiner damaligen Frau geschlafen zu haben. Der 41-Jährige fühlte sich aber falsch zitiert. Er sei außerdem von den Beamten unter Druck gesetzt worden.

Schließlich nahm der Angeklagte den Einspruch gegen die einjährige Haftstrafe auf Bewährung zurück. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Zusätzlich muss er 3000 Euro an die Kinderhilfe spenden. „Bei solchen Situationen passe ich künftig besser auf“, sagte er am Ende.  (rm)

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