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OB Pleil vor der Herzattacke.

Herzinfarkt

Brucks OB: Vor einem Jahr kam die Schocknachricht

Fürstenfeldbruck –Genau ein Jahr ist es her, dass OB Klaus Pleil einen schweren Herzinfarkt erlitt. Die ganze Stadt stand unter Schock. Bis heute hat sich Pleil nicht soweit erholt, dass er sein Amt wieder antreten könnte. Wenn die Menschen, die ihn persönlich kennen, an den dramatischen August 2015 zurückdenken, kommen viele Emotionen hoch.

 Gerade bei einem so sportlichen Mann wie Klaus Pleil hätte niemand damit gerechnet, dass er plötzlich so schwer krank wird. Doch dann löst sich eine Ablagerung in einem Gefäß, das zum Herzen des damals 51-Jährigen führt. Er wird wiederbelebt, liegt kurze Zeit im künstlichen Koma. Nun geht es Pleil etwas besser. Ins Rathaus kehrt er aber auch in den kommenden Wochen nicht zurück, er ist weiter krankgeschrieben.

Sonntag, 30. August 2015: Dieter Pleil, der sechs Jahre ältere Bruder des OB, macht gerade Urlaub auf einem Campingplatz am Pilsensee. Sein Handy klingelt. Am Apparat: die Schwägerin. Sie informiert ihn darüber, dass sein Bruder im Urlaub am Neusiedler See im Burgenland leblos zusammengebrochen sei. Zwei Krankenschwestern hätten den OB reanimiert, anschließend wäre er auf eine Intensivstation im Burgenland gebracht worden, habe eine Not-Operation überstanden und läge nun im künstlichen Koma.

„Ich bin sofort nach Bruck gefahren und habe eine Krisensitzung mit unserer Mutter abgehalten“, erinnert sich Dieter Pleil. Mit seinem Neffen sei er anschließend zum OB ins Krankenhaus gefahren. „Der Anblick war brutal“, erinnert er sich. „Als ich einen Macher wie meinen Bruder so hilflos gesehen habe...“ Der Vorfall habe ihn nachdenklich gestimmt: „Ich bin meinem Bruder sehr nahe und dachte immer, uns haut nichts um.“

Am späten Sonntagabend erreicht die schlimme Nachricht Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (55). „Klaus’ Frau hat mich angerufen. Es war ein riesiger Schock.“ Auf Wunsch der Angehörigen sollten zunächst nur die Fraktionssprecher im Stadtrat und die Spitze der Brucker Bürgervereinigung (BBV) informiert werden – Pleils Partei. Karin Geißler versucht als erstes, Erich Raff zu erreichen. Immerhin ist er Pleils Stellvertreter. Doch der macht gerade Familienurlaub auf einem Bauernhof in Freilassing. „Wir hatten fünf Handies dabei, aber offensichtlich waren wir in einem Funkloch“, erzählt der amtierende Bürgermeister.

Karin Geißler muss also die schwierige Aufgabe übernehmen, Pleils Mitarbeitern im Rathaus die Nachricht zu überbringen. „Für mich war das sehr bedrückend“, erinnert sie sich. Die Versammlung der Angestellten sei höchst emotional abgelaufen. „Man hat gemerkt, wie angesehen Klaus Pleil ist.“

Eine, die seit seinem Amtsantritt 2014 sehr eng mit dem OB zusammenarbeitet, ist Vorzimmerdame Gabriele Liebl. „Ich habe in den Ferien davon erfahren und überlegt, den Urlaub abzubrechen“, erzählt die 56-Jährige. „Ich war sehr betroffen.“ Seit zehn Jahren ist Liebl bei der Stadtverwaltung angestellt. „Durch den Vorfall versuche ich jetzt, Hektik zu vermeiden“, sagt sie. Auch im Büro.

Liebl erinnert sich, dass anfangs unter den Mitarbeitern eine große Unsicherheit geherrscht habe. „Aber Herr Raff und Frau Geißler haben es allen durch ihre besonnene und umsichtige Art leicht gemacht.“ Die Unsicherheit sei so etwas besser geworden.“

Dabei war Raff, der wegen des Funklochs erst einige Tage nach dem Rathaus-Personal von dem Vorfall erfuhr, anfangs selbst sehr betroffen. „Ich konnte die Nachricht gar nicht glauben, das konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Klaus war doch immer so agil und sportlich“, sagt der ehemalige Manager der TuS-Handballer. „Zum Glück wusste ich: Die Ärzte sind da und kümmern sich.“

Dadurch, dass er sämtliche Amtsgeschäfte seit einem Jahr übernommen hat, fühlt sich Raff selbst aber nicht gesundheitlich gefährdet. „Es ist eine ganz andere Ausgangslage.“. Pleil habe natürlich seine Ziele so schnell wie möglich umsetzen und den Bürgern beweisen wollen, dass er als OB der Richtige sei. „Als Stellvertreter mache ich mir da etwas weniger Druck“, so der 62-Jährige. Trotzdem wünsche er sich, dass der OB bald zurückkommt und er sein Zimmer im Rathaus räumen kann. Bis dahin – daran hat sich nichts geändert – wolle er eisern weitermachen. „Das ist meine Aufgabe.“

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