Diese Areal wird umgestaltet: Bei der 100-jährigen Eiche (l.)  gibt es künftig Platz für Baumbestattungen. Rechts könnte ein Feld für Gräber von Muslimen ausgewiesen werden.

Baumbestattung

Ewige Ruhe unter 100 Jahre alter Eiche

Am Waldfriedhof in Fürstenfeldbruck wird es bald eine neue Möglichkeit für Bestattungen geben. Den Mittelpunkt bildet eine hundert Jahre alte Eiche. Auch ein extra ausgewiesenes Gräberfeld für Muslime ist angedacht.

Insgesamt misst der Waldfriedhof an der Landsberger Straße 120 000 Quadratmeter. Darauf verteilen sich etwa 3500 Erd- und Urnengräber sowie Nischen für Urnen. Doch in letzter Zeit ist die Nachfrage nach Baumbestattungen gewachsen. „Wir haben immer wieder Bürger, die sich diese Art wünschen“, sagt Detlev Kollmannsberger (60). Er leitet den Friedhof seit 2000.

Als Ort dafür würde sich das Areal rund um eine Eiche anbieten, die im nordöstlichen Bereich seit 100 Jahren wächst. Geplant ist 2017 drei etwa 1,40 Meter hohe Stelen in Dreiecksform um den Baum anzuordnen. Darauf würden die Namen der Verstorbenen geschrieben – sofern diese das wünschen. „Es gibt durchaus auch Menschen, die anonym bestattet werden möchten“, sagt Kollmannsberger. „Manchmal wissen dann nur die Angehörigen, wo die Person ihre letzte Ruhe gefunden hat und haben dadurch trotzdem einen Ort zum Trauern.“

Särge können um den Baum herum nicht begraben werden. „Es handelt sich um Urnen, die innerhalb von zehn Jahren biologisch abbaubar sind“, so Kollmannsberger. Der Friedhofsleiter nennt auch den Grund dafür, dass die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen steigt: „Oft gibt es keine Angehörigen vor Ort, die sich um die Grabpflege kümmern können.“ Im Waldfriedhof würden immer wieder Gräber aufgegeben, das sei in der heutigen Zeit auch anderswo häufig der Fall. Immer mehr Bürger wünschten sich zudem in den vergangenen Jahren eine Urnenbestattung.

Baumbestattung günstiger als Urnennische

Doch egal welche Art, generell wird jedes Grab für zehn Jahre im Voraus bezahlt. Die Kosten für eine Doppel-Urnennische liegen bei etwa 1050 Euro, für ein Urnengrab zwischen 750 und 1150 Euro. Ein Doppel-Erdgrab kostet je nach Lage zwischen 500 und 2000 Euro. Die Baumbestattung wird laut Kollmannsberger tendenziell günstiger als eine Urnennische.

Auch an die in Fürstenfeldbruck heimischen Muslime denken die Friedhofs-Mitarbeiter bereits. In deren Glauben ist es üblich, dass der Körper der Verstorbenen im Grab nach Mekka – sprich Richtung Osten – ausgerichtet liegt. „Wenn es gewünscht wird, werden wir ein eigenes Feld im Osten des Friedhofs für muslimische Bürger ausweisen“, sagt Kollmannsberger. Das Areal, das der Leiter hierfür im Auge hat, liegt neben der Eiche im nordöstlichen Bereich des Friedhofs.

Drei Grabsteine mit arabischer Aufschrift befinden sich dort bereits. Dass die türkischen Muslime das Angebot annehmen, davon geht Mehmet Akif Nemutlu vom Türkisch-Islamischen Verein allerdings nicht aus. Seine Landsleute würden sich fast zu 100 Prozent in ihrer Heimat beerdigen lassen. Er kenne nur eine Frau, deren Grab heute schon in der Großen Kreisstadt liege.

Nichtsdestotrotz gibt es in Bruck auch beispielsweise islamische Afghanen oder Pakistani, die froh um das neue Angebot sein könnten. Allerdings dürfen die Muslime ihre Angehörigen auch weiterhin nicht – wie in ihrem Glauben Brauch – ohne Sarg beerdigen. Das bleibt in Bruck verboten.

von Verena Usleber

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