In der Beratung: Sylvia Pohl leitet die Stelle von Donum Vitae am Sulzbogen. foto: peter weber

Donum Vitae gibt es seit 15 jahren

Wo Frauen in Krisen Hilfe finden

Fürstenfeldbruck - Frauen in Krisenzeiten zur Seite stehen – das ist die Aufgabe der Experten vom Verein Donum Vitae. Die Beratungsstelle in Bruck besteht nun seit 15 Jahren. Längst kommen nicht nur Schwangere mit Problemen.

Als sich die katholische Kirche Ende der 1990er-Jahre aus der Schwangerenkonfliktberatung zurückzog, gründeten Ehrenamtliche den Verein Donum Vitae. „Es war uns wichtig, Frauen in Notlagen weiterhin zu erreichen“, sagt Sylvia Pohl, Leiterin der Brucker Beratungsstelle von Donum Vitae, die im Oktober ihr 15-jähriges Jubiläum feiert.

Aus den mit großen Unsicherheiten behafteten Anfängen hat sich ein vielfältiges Beratungsangebot entwickelt. Es sind längst nicht nur Frauen im Schwangerschaftskonflikt, die in die hellen Räume im zweiten Stock des Stadtteilzentrums West kommen. Ihr Anteil betrug im vergangenen Jahr nicht einmal zehn Prozent der Ratsuchenden – halb so viele wie in den Anfangstagen.

Das liegt daran, dass es inzwischen mehr Anlaufstellen für Frauen gibt, die über eine Abtreibung nachdenken. Sie werden in der katholisch geprägten Einrichtung genauso beraten wie anderswo – nach genau definierten staatlichen Vorgaben, ohne Vorwürfe und erhobenen Zeigefinger. „Uns ist wichtig, dass die Frauen uns vertrauen und sich angenommen fühlen“, betont Pohl. Wer sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, findet auch im Anschluss daran Rat und Hilfe bei Donum Vitae. „Nicht jeder Abbruch muss eine psychische Krise auslösen“, weiß die 58-jährige Sozialpädagogin. „Es gibt aber auch Frauen, die sehr darunter leiden.“

Im Zentrum der allgemeinen Schwangerenberatung steht oft das liebe Geld. Gerade junge Frauen nehmen das Thema zielstrebig in Angriff und wollen, kaum dass sie vom bevorstehenden Babyglück erfahren haben, wissen, welche Leistungen ihnen zustehen und welche Anträge sie stellen müssen. „Es hat sich alles sehr verkompliziert“, sagt Sylvia Pohl. Im Dschungel der über 100 staatlichen Familienleistungen findet sich kaum jemand auf Anhieb zurecht. Auch bei der Antragstellung wird Hilfe gern in Anspruch genommen. „Selbst Akademiker tun sich schwer, einen Elterngeld-Plus-Antrag auszufüllen“, sagt Pohl.

Arbeitsrechtliche Fragen machen einen weiteren Schwerpunkt der Beratung aus, ebenso die Suche nach bezahlbarem Wohnraum und die Kosten der Kinderbetreuung. Bei vielen Ratsuchenden sei das Geld knapp. „Die Not ist groß und wird immer mehr“, sagt Pohl. In bestimmten Fällen kann Donum Vitae auch finanzielle Hilfen vermitteln, etwa für Umstandskleidung und Erstlingsausstattung. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 182 000 Euro vergeben.

Die ungewollte Schwangerschaft ist das eine Extrem, der unerfüllte Kinderwunsch, die Fehl- oder Totgeburt das andere. Pohl und ihre Kolleginnen unterstützen Paare bei der Trauerarbeit und leisten Beistand, wenn im Zuge der Schwangerschaftsvorsorge eine Behinderung festgestellt wird.

Immer häufiger taucht auch das Thema Pränataldiagnostik in den Gesprächen auf. Welche Untersuchungen sind sinnvoll, wie genau will man es überhaupt wissen? Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Notlagen und schlimme Schicksale sind an der Tagesordnung für die vier Sozialpädagoginnen. „Ich will nicht gerade sagen, dass manche Menschen das Unglück anziehen“, sagt Sylvia Pohl. „Aber es gibt Lebensgeschichten, die haben schon eine große Schwere.“ Um damit klarzukommen, helfen den Mitarbeiterinnen wiederum eigene Supervision und regelmäßige Gespräche. „Wir sind ein gutes Team, in dem sich alle gegenseitig stützen.“

von Ulrike Osman 

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