Nach dem Ende des Dramas: Eine Übersicht des Flugplatzes, aus der Luft fotografiert. Das Bild stammt aus dem bayerischen Staatsarchiv, Polizeiakten 1972. Repro: Oliver Bodmer (mm)

Erinnerung an 1972

Gedenkort Olympia-Attentat: Buch liegt vor

Fürstenfeldbruck – Der Prozess ist lang und der Weg ist weit, aber immer wieder gibt es kleine Schritte voran: Nach dem Symposium im September 2015 über das Gedenken an das Olympia-Attentat liegt nun ein über 140 Seiten dickes Büchlein zum Thema vor – und weitere Aktivitäten sind geplant.

Während die Münchner Gedenkstätte im nächsten Jahr bereits eröffnet werden soll, dürfte in Bruck noch einige Zeit bis zur Entstehung des Erinnerungsorts verstreichen. „Diese Frucht soll in Ruhe reifen. Manchmal aber muss man auch schauen, ob sie noch am Baum hängt. Das tun wir und wir sehen: Sie reift“, umschrieb Landrat Thomas Karmasin bei der Vorstellung des Bandes in einer Runde aus Beteiligten und Interessierten im Landratsamt die Fortentwicklung der Planungen. Titel des Symposiums-Bandes: „Von der Vision zur Realisation – der Erinnerungsort Olympia-Attentat 1972 in Fürstenfeldbruck“.

Der alte Tower

Von der Vision zur Realisation: Landrat Thomas Karmasin, Dr. Angelika Schuster-Fox, Reinhard Fornara, Dirk Hoogen und Dr. Birgitta Klemenz (v.l.n.r.)

Klar ist, dass der Gedenk-ort im Alten Tower entstehen soll – dort, wo das Olympia-Attentat sein blutiges Ende fand. Dann beginnen allerdings schon die offenen Fragen. Unklar ist, wer dereinst der Träger sein soll. Unklar ist die Gestaltung und unklar ist auch, ob der Tower überhaupt zur Verfügung stehen wird. Er befindet sich im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten, die den Auftrag hat, das Bundeswehr-Gelände gewinnbringend zu veräußern. Der einmal angeträumte Kauf des Hauses samt Freigelände für einen symbolischen Euro sei jedenfalls vom Tisch, berichtete Karmasin. Immerhin gebe es die Zusage, dass die Bima das Objekt nicht an irgendjemanden einfach verhökert. Die Luftwaffe werde das Areal ohnehin nicht so schnell verlassen, sodass auch von dieser Seite her kein Zeitdruck herrsche. „Es muss nicht schnell gehen, das ist ganz gut“, sagte Landrat Thomas Karmasin.

Sparkasse wahrscheinlich mit im Boot

Geld für weitere Schritte steht im Moment durchaus zur Verfügung: Der Landkreis gibt im Jahr 2016 und 2017 je 30 000 Euro, der Freistaat hat 20 000 Euro in Aussicht gestellt und auch die örtliche Sparkasse zeigt sich dem Prozess alles andere als abgeneigt, wie in der Runde deutlich wurde. Auch wenn keine Beschlüsse gefasst seien und er diesen nicht vorgreifen könne, sei doch klar, dass es sinnvoll sei, die Erinnerungsarbeit zu unterstützen, sagte Sparkassensprecher Dirk Hoogen – zumal das Olympia-Attentat ein traumatisches Erlebnis für die Region gewesen sei. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Sparkasse weiter an der Seite der Verantwortlichen stehen wird“, sagte Hoogen.

Der Symposiums-Band, der jetzt vorliegt und der für knapp zehn Euro erhältlich ist, soll die bisher erfassten Ideen bündeln und sichern, sagte Karmasin. Er enthält neben (ausführlichen) Grußworten vor allem auch Beiträge der mit der Sache betrauten Historikerin Angelika Schuster-Fox, von Brucks Stadtbaumeister Martin Kornacher, von Jörg Skriebeleit (Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg) sowie viele weitere Anregungen und Gedanken mehr – darunter auch ein Literaturverzeichnis zum Geschehen des Jahres 1972.

Gleichzeitig sind weitere Aktivitäten auf dem Weg in Richtung Erinnerungsort geplant:

1) Mit einer Vortragsreihe  sollen Hintergründe beleuchtet werden. Auftakt soll am 24. Oktober mit einem Referat über die persönlichen Erinnerungen des damaligen bayerischen Innenministers Bruno Merk sein.

2) In Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein Fürstenfeldbruck  sollen Zeitzeugen befragt werden. Eine entsprechende Arbeitsgruppe ist bereits gegründet.

3) Der geplante Erinnerungsort soll eine eigene Homepage  im Internet bekommen. Möglicherweise soll es hier dann auch die Möglichkeit geben, einen Newsletter zu beziehen.

Wie aber nun stellt sich die mit dem Olympia-Attentat betraute Historikerin Schuster-Fox persönlich – wieder ohne vorzugreifen – den Erinnerungsort dereinst vor? Es sei nicht sinnvoll, einfach ein Gebäude hinzustellen, das dann da steht. Besser sei es, einen überschaubaren Ort zu schaffen, der auch betreut wird – mit moderner Museumspädagogik.

(Thomas Steinhardt)

Der Band

ist zum Preis von 9,90 Euro im Service-Ei am Landratsamt erhältlich – oder im Buchhandel mit der ISBN 978-3-932368-27-1

Ganz Nebenbei:

Vielleicht am Rande ganz interessant: Bei den Treffen zum Thema Olympia-Attentat (herrscht meist eine besondere Atmosphäre, die objektiv natürlich nicht zu beweisen, subjektiv aber durchaus zu erfühlen ist. Kommt es zwischen den verschiedenen Parteien im Kreistag und den verschiedenen Interessensvertretern ansonsten schon zu mal zu Scharmützeln (was ja gut so ist), so bemühen sich beim Thema Olympia-Attentat immer alle Beteiligten um übereinstimmende, konstruktive und höchstfriedliche Stimmung, was wiederum auch gut so ist.

Natürlich könnte man jetzt gehässig sein und sagen: Die ganzen Planungen zum Gedenkort sind so unkonkret, dass es sich noch gar nicht lohnt, darüber auch nur halbwegs zu streiten. Aber das wäre wirklich gehässig und soll daher auch nicht behauptet werden. Beim letzten Treffen gab es am Ende übrigens noch Kaffee/Kuchen, wobei dummerweise die Presse – der Begriff kommt halt von „Pressieren“ – wieder mal keine Zeit dafür hatte.

Im Sinne der allübergreifenden Konsensualität sei also versprochen: Nächstes Mal muss und wird Zeit auch dafür sein. Unter den Teppich gekehrt werden soll an dieser Stelle, dass Teile der Redaktion nach dem Treffen der Meinung waren, der Berichterstatter hätte trotz Eile ruhig ein Kuchenpaket abgreifen und ins Tagblatt mitbringen hätte können. (st)

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