Aufopfernder Krankenpfleger: Wenn es Margarete von zum Hof schlecht geht, kuschelt sich Sam ganz fest an sie.

Hund hilft demenzkranker Seniorin

Die Geschichte einer wahren Freundschaft

Fürstenfeldbruck - Sie sind ein eingespieltes Team: Die 78-jährige Bruckerin Margarete von zum Hof und Mischlingshund Sam. Der siebenjährige Rüde kümmert sich fast Tag und Nacht um die demenzkranke Seniorin – wenn es ihr schlecht geht, mag er nicht mal Gassi gehen.

Nein, es war keine Liebe auf den ersten Blick. „Hunde mochte ich früher überhaupt nicht“, erklärt Margarete von zum Hof. Dann wirft die 78-Jährige dem Vierbeiner Sam einen Blick zu. Der schaut zurück, hebt den Kopf und spitzt wachsam die Ohren. Da schmunzelt die Seniorin. „Aber jetzt ist Sam wie ein Kind für mich.“

Margarete von zum Hof ist demenzkrank. Seit rund zwei Jahren lebt die Rentnerin bei der Familie ihrer Tochter Stephanie Freudensprung (50) in Bruck. „Meine Mutter hat gute und schlechte Tage“, erklärt diese. Als sie noch allein wohnte, sei die Seniorin öfter gestürzt und habe sich dabei auch verletzt. „Darum haben wir sie hierher zu uns geholt.“

„Hier hat immer jemand von uns ein Auge auf meine Mutter“, sagt Stephanie Freudensprung, die werktags von morgens um 6 bis mittags um 11.30 Uhr in der Arbeit ist. Ihr Ehemann Bernd (47) würde jeden Morgen noch vor der Arbeit nach seiner Schwiegermutter sehen und Kaffee für sie kochen. Und auch die Kinder Nick (18), Kathrin (19) und Tim (22) kümmern sich mal um ihre Oma.

Eine ganz besondere Hilfe für die Seniorin ist aber der siebenjährige Mischlingsrüde Sam. Der ruhige Hund mit dem weichen, weißen Fell ist fester Bestandteil der Familie. Margarete von zum Hof wohnt im Erdgeschoss des Hauses, die Familie ihrer Tochter lebt im ersten Stock. „Zwar schläft Sam oben bei uns“, sagt Stephanie Freudensprung. „Aber sobald meine Mama aufsteht, hört er das, geht nach unten und begleitet sie den ganzen Tag über.“

Mit einem gemeinsamen Frühstück starten die beiden in den Tag. „Sam kriegt auch manchmal ein Marmeladenbrot“, sagt die Seniorin. Danach geht sie meist ins Wohnzimmer, bei schönem Wetter mit dem Rollator auch hinaus auf die Terrasse. Sam ist ihr dabei stets auf den Fersen – sogar ins Bett folgt er ihr.

Bis sich diese Dynamik eingespielt hatte, dauerte es rund ein halbes Jahr. „Ich wollte anfangs nicht, dass der Hund mit ins Bett kommt“, sagt die 78-Jährige. Nun kuscheln beide oft gemeinsam unter der Decke. „Ich muss nur ’Hopp!’ sagen und er kommt zu mir “, sagt sie und lächelt. Und auch wenn es im Bett einmal eng wird, bleibt er trotzdem.

„Manchmal redet sie auch laut mit ihm – wie mit einem Kind. Die Beziehung der beiden ist einzigartig“, erklärt Stephanie Freudensprung. Sie ist überzeugt: Die Tatsache, dass der Rüde immer da ist, gibt ihrer Mutter Sicherheit.

Und die Familie muss sich so weniger Sorgen machen, wenn einmal niemand im Haus ist. Wenn etwas passiert, die Seniorin etwa stürzt, würde Sam sofort Alarm schlagen und bellen – das hören auch die Nachbarn.

„Wenn es ihr schlecht geht, weicht er nicht von ihrer Seite und geht auch nicht gern spazieren“, erklärt Freudensprung. „Er bleibt stattdessen bei meiner Mama im Bett und legt sogar seine Pfote auf ihre Hand.“ Da schmunzelt die 78-Jährige und sagt: „Wenn es gewittert, verkriecht er sich auch im Bett – dann muss ich ihn beschützen.“ Sam ist ein Straßenhund aus Ungarn, eine Mischung aus einem Pumi, einer ungarischen Hüterhunderasse, und einem Labrador.

Eine Münchnerin hatte Sam und seine Geschwister gerettet. „Unsere Kinder wollten einen Hund“, sagt Freudensprung. Und als sich die Familie den Wurf angesehen habe, habe sich Sam prompt vor ihre Tochter gelegt. „Da war klar: Den nehmen wir.“

Freudensprung weiß, dass sie ihre Mutter ohne das starke Familiennetz nicht zuhause pflegen könnte. „Wir ziehen alle an einem Strang und wir tun es gerne“, sagt sie. Ihre zwei Schwestern würden die Mutter bei der Körperpflege unterstützen oder mit ihr einkaufen gehen. „Ihre fünf Enkel sehen regelmäßig nach ihr und zu ihren Schwiegersöhnen hatte sie schon immer engen Kontakt“, berichtet die 50-Jährige.

Ihr Mann habe vorgeschlagen, seine Schwiegermutter zuhause zu pflegen. „Sie war Krankenschwester und Krankenpflegerin“, berichtet die Tochter. Ihre Mutter habe sich früh scheiden lassen und ihre drei Kinder alleine aufgezogen.

„Früher hat sie für uns geschuftet – jetzt kümmern wir uns gerne um sie.“ Stephanie Freudensprung hofft, dass Sam ihrer Mutter noch lange so viel Freude bereitet. „Und wenn sie bei uns zuhause für immer einschläft, dann hoffentlich neben Sam.“

von Regina Mittermeier

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