Gewalt in der Asyl-Unterkunft am Fliegerhorst

Wenn sich im gelobten Land der Frust entlädt

Fürstenfeldbruck – Nach mehreren Einsätzen in der Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber am Fliegerhorst warnt die Polizei eindringlich vor einer zunehmend aggressiven Stimmung in der Unterkunft. Die Hintergründe und was die Helfer sagen.

Bei den Problemen spielt offenbar der Alkoholkonsum vieler Flüchtlinge eine Rolle - und die Tatsache, dass etliche Asylbewerber wesentlicher länger auf ihre Verlegung in reguläre Unterkünfte warten als andere.

„Jetzt waren es diese drei, morgen sind es andere“, sagt ein Sprecher der Brucker Inspektion nach den bisher wohl massivsten Einsätzen der Beamten in der Dependance. „Man muss nachdenken, ob das so seine Richtigkeit haben kann.“ Die Flüchtlinge namentlich aus Schwarzafrika hätten „null Respekt“ vor den Einsatzkräften, beklagt der Sprecher. Am Wochenende hätten sich „haarsträubende Szenen“ in der Unterkunft, aber auch in der Kreisklinik und in der Inspektion abgespielt.

Die unterbesetzte Brucker Polizei sei personell und was die Ausrüstung anbetrifft nicht in der Lage, einer weiter eskalierenden Situation Herr zu werden, sagte der Sprecher auf Tagblatt-Nachfrage. Er berichtet von einer hasserfüllten Stimmung gegenüber Deutschland und gegenüber den Beamten – möglicherweise wegen enttäuschter Erwartungen.

Der Rädelsführer einer der Schlägereien am Wochenende habe sich so massiv gegen seine Festnahme gewehrt, dass vier Beamte nötig waren, ihn zu überwältigen. Die Stimmung insgesamt sei knapp vor der Explosion gewesen, berichtet der Sprecher. Asylbewerber seien brüllend auf Polizisten zugesprungen und hätten sie wild beschimpft. Dem Sicherheitsdienst sei es gelungen, eine Tür vor einer herandrängenden Menschenmenge zuzuhalten. Damit sei wohl Schlimmeres verhindert worden. Bei den Einsätzen wurden mehrere Asylbewerber vorübergehend in Gewahrsam genommen, einige wurden bei den Schlägereien von anderen Flüchtlingen verletzt. Ein Somali, der sich zunächst ohne Widerstand festnehmen ließ, habe sich selbst in der Zelle in der Brucker Inspektion solange zum Erbrechen gezwungen, bis er Blut spuckte.

Das sagen die ehrenamtlichen Helfer und Asyl-Experten

Dirk Hasenjaeger, Koordinator der Fursty-Sporthelfer, kann den Eindruck steigender Aggressivität aus seiner Sicht heraus nicht bestätigen. „Freilich: Im Sport bespaßen wir die Leute ja auch. Bei uns sind sie nicht auf Krawall gebürstet.“ Das könne sich natürlich auch ändern. Alkohol sei auch außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung wahrscheinlich das Hauptproblem bei fast allen tätlichen Auseinandersetzungen, sagt Hasenjaeger. Natürlich seien gerade die Schwarzafrikaner manchmal laut und emotional. Als Helfer habe er sich daran auch erst einmal gewöhnen müssen. Entgegen vieler Behauptungen allerdings würden beispielsweise die Fursty-Deutschkurse gut besucht.

Willi Dräxler, Integrationsreferent im Brucker Stadtrat, führt den Ärger mancher Flüchtlinge unter anderem auf die langen Bearbeitungszeiten ihrer Verfahren zurück. Das Problem: einige bleiben nur 14 Tage in der Erstaufnahme am Fliegerhorst und dürfen dann in reguläre Unterkünfte weiterziehen. Andere bleiben Monate da und beobachten, wie andere kommen und gehen. Das führe zu Ungeduld – dies auch vor dem Hintergrund, dass viele Flüchtlinge unter dem Druck stehen, Geld nach Hause zu schicken. Die Verzweiflung, keinen Job zu finden, treibe viele Flüchtlinge regelrecht in den Wahnsinn, sagt Dräxler.

Außerdem würden derzeit verschiedene Klassen von Flüchtlingen geschaffen. Syrer könnten mit ihrer Anerkennung rechnen, andere dagegen nicht. Das führe zu unguter Stimmung. Viele Flüchtlinge kämen außerdem mit einer offenbar von Schleppern geweckten, aber de facto nicht erfüllbaren Erwartungshaltung nach Deutschland. Insgesamt mache das Bundesamt für Migration offenbar gerade den Fehler, den Stapel an Asylanträgen von oben abzuarbeiten. Sprich: Wer zuletzt kam, wird auch zuerst bearbeitet, statt anders herum, wie es besser wäre.

Ein Sprecher der zuständigen Regierung von Oberbayern betont, dass die große Masse der Flüchtlinge absolut friedlich sei. Martin Nell wertet es als positiv, dass es den Randalierern vom Wochenende letztlich nicht gelungen ist, andere Asylbewerber in den Streit hineinzuziehen. Nell: „Es ist nur eine Minderheit, die für Probleme sorgt.“ Der Alkohol habe das Seine dazugetan. Vor allem darin sieht die Polizei ein Riesenproblem. Man müsse daher möglicherweise über ein Sachleistungsprinzip nachdenken.

Die Situation in den kleineren Unterkünften

Während für Fursty die Regierung von Oberbayern zuständig ist, kümmert sich das Landratsamt um die vielen regulären Unterkünfte. Unter diesen seien drei Einrichtungen derzeit etwas auffällig, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Das sind die frühere Montessori-Schule in Olching, die Container am Hardtanger in Bruck und das Hotel am Mühlbach in Olching. In letzterem etwa gebe es Beschwerden, weil die Asylbewerber nicht selbst kochen können, sondern von einem Caterer versorgt werden.

Wenn es Unmut oder Reibereien gebe, dann liege das teils an der Dauer der Verfahren, aber halt auch an ganz unterschiedlichen individuellen Ursachen, sagt die Sprecherin. Wenn zum Beispiel Frauen längere Zeit in Sechs-Bett-Zimmern leben müssen, dann sei die Stimmung nicht immer gleich gut. Teils reiche ein problematischer Mensch, um eine ganze Unterkunft durcheinanderzubringen. Hier hülfen Umverlegungen. In der Durchschnaufephase im Moment habe das Ausländeramt aber die Möglichkeit, öfter selbst vor Ort zu sein. Das könne zur Konfliktlösung beitragen.

Randale auch in der Kreisklinik

Auch die Brucker Kreisklinik wurde am Wochenende Schauplatz eines Polizeieinsatzes. Zwei Nigerianer samt Gefolgschaft gingen aufeinander los, nachdem eine 16-Jährige ein Kind entbunden hatte. Die beiden Männer stritten sich darum, wer der Vater ist. Hintergrund dürfte die Hoffnung der Männer sein, mit der Vaterschaft eines in Deutschland geborenen Kindes Bleiberecht zu erlangen.

 Wegen solcher Vorkommnisse sei in der Kreisklinik tatsächlich schon einmal über das Engagement eines Sicherheitsdienstes diskutiert worden, bestätigt Klinik-Chef Stefan Bauer auf Anfrage. Allerdings lasse sich ein Haus mit so vielen Eingängen nie komplett überwachen. Außerdem müsse man sich fragen, ob solche Ausgaben wegen ein paar Einzelfällen gerechtfertigt seien. Bauer warnt aus seiner persönlichen Sicht heraus außerdem vor einer „verbarrikadierten Gesellschaft“, in der nur noch die Angst regiere. Bei Vorfällen rät er, den Reanimationsalarm auszulösen. Dann kommen schnellstmöglich mehrere Mitarbeiter zusammen, die helfen können. Ansonsten müsse die Polizei gerufen werden.

Kommentar

Mitte vergangenen Jahres hatten sich die Einsätze der Polizei in der Dependance schon einmal gehäuft. Seither war es angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Massenunterkunft handelt, vergleichsweise ruhig. Nun also kommt es wieder vermehrt zu Randale, diesmal vor allem mit schwarzafrikanischer Beteiligung. Dabei muss man wissen: Die kleineren Unterkünfte gelten auch bei der Polizei als weitgehend unproblematisch, die übergroße Mehrheit der Flüchtlinge ist friedlich. Man muss die Randale also auch als Phänomen der Erstaufnahme-Massenunterkunft sehen.

 Dass sich die Fursty-Gebäude für eine Einrichtung solcher Art eignen, ist unstrittig. Aus Sicht der Polizei muss es aber unerträglich sein, mit viel zu wenig Personal einer solchen Herausforderungen gegenübergestellt zu werden. Das ist ein struktureller Fehler. Es wäre endlich an der Zeit, ihn zu beheben – ohne natürlich die Ausraster einzelner Flüchtlinge auch nur im entferntesten zu entschuldigen. Leider machen die Berichte über die Geschehnisse die Arbeit der Fursty-Ehrenamtlichen sicher nicht leichter. Dabei bräuchten sie weitere Unterstützung. Ihre Arbeit ist unschätzbar wichtig. Gerade im Fursty-Sportangebot wären neue Helfer willkommen. (st)

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