In Grafrath daheim, in der Welt zu Hause: Der Editor Alexander Berner (l.) hat bereits 2013 von Schauspieler Jürgen Vogel den Deutschen Filmpreis in der Kategorie „Bester Schnitt“ verliehen bekommen. Damals für den Film „Cloud Atlas“. Bald ist er beim Brucker Kinosommer zu Besuch. Dort wird auch sein neuestes Werk gezeigt. foto: Gambarini/dpa

Fürstenfeld

Er gibt Filmen den letzten Schliff

Fürstenfeldbruck – „Dass ein Film mit Tom Hanks in Türkenfeld geschnitten wird, kann sich keiner vorstellen“, sagt Alexander Berner. Es ist aber so. Der Rohschnitt des Erfolgs-Films „Ein Hologramm für den König“, der am Montag im Rahmen des Fürstenfelder Kinosommers läuft, entstand in einem Studio in der Duringstraße.

Hier hat Alexander Berners Firma Digital Editors ihren Sitz – „weil Türkenfeld so schnelles Internet hat“. Der 50-Jährige – graue Locken, graues T-Shirt, Jeans, unkomplizierte Art – freut sich immer, wenn er hier zu tun hat. Weil es bedeutet, dass er von seinem Wohnort Grafrath mit dem Rad ins Studio fahren kann, statt in den Flieger nach London, Paris oder Los Angeles zu steigen.

Berner ist einer der Großen seiner Branche, unter anderem hat er für Bernd Eichinger gearbeitet. „Ein Hologramm für den König“ ist sein drittes Projekt mit Regie-Star Tom Tykwer. Dafür ist Berner jüngst mit dem Deutschen Filmpreis für den besten Schnitt ausgezeichnet worden. Am Montag wird er die Besucher des Kinosommers bei einem Publikumsgespräch zusammen mit Tom Tykwers Vater Kurt hinter die Kulissen blicken lassen.

Berners Berufsbezeichnung ist Editor. Früher sagte man Cutter, noch früher Schnittmeister, doch ein Meisterberuf ist das Filmeschneiden längst nicht mehr. Der Bundesverband der Editoren, in dessen Vorstand Berner sitzt, möchte das ändern und kämpft um mehr Anerkennung für den Beruf, den viele zu Unrecht als „Handlanger des Regisseurs“ betrachten.

Dabei ist der Schneideraum quasi das Hirn einer Produktion. Der Editor sichtet täglich das Material eines Drehtages. Er ist der, dem es auffallen muss, wenn wichtige Einstellungen fehlen. Den Regisseuren ist es oft unmöglich, den Überblick zu behalten – vor allem, wenn mehrere Drehteams parallel arbeiten, was bei großen Produktionen üblich ist. „Die Expertise des Editors besteht darin, in einem Film den Schlüssel zu finden, der ihn für die Zuschauer zugänglich macht“, sagt Berner.

Ins Filmgeschäft wurde er regelrecht hineingeboren. Sein Vater war Cutter, die Mutter Produktionssekretärin, der Onkel Regisseur. Zwei prominente, früh verstorbene Schauspielerinnen gehörten ebenfalls zur Familie: Berners Tante Helga Anders und seine Stiefmutter Constanze Engelbrecht.

Nach der Schule liebäugelte der Münchner mit einem Architekturstudium, machte dann in London eine Ausbildung zum Grafik-Designer. Er schnitt Pop-Videos, Werbespots, Imagefilme, Kino-Trailer – unter anderem den für Joseph Vilsmaiers „Doppeltes Lottchen“. Prompt fragte der Regisseur, ob Berner einen Film für ihn schneiden würde. Für „Schlafes Bruder“ erhielt Berner seinen ersten Deutschen Filmpreis.

Weil sich die meisten deutschen Produktionen einen Hochkaräter wie ihn nicht leisten wollen, arbeitet Berner viel im Ausland – am liebsten in London, weil er von dort nach Hause pendeln kann, zu seiner Frau und den beiden jüngsten seiner vier Kinder. Gerade hat er frei. Zeit, in der Sonne zu sitzen, während nebenan sein Auto durchgecheckt wird. Zeit, seinen Kindern die Gummistiefel ins Ferienlager hinterher zu fahren. Zeit, um mit seinem Katamaran zu segeln. Und Zeit fürs bauen, neben dem Wassersport sein zweites Hobby. Momentan zimmert er sich einen Carport. (os)

Der Editor

Alexander Berner ist diesen Montag in Fürstenfeld beim Kinosommer zu Gast.

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