Museum

Die Heimat der Fundstücke

Fürstenfeldbruck - Steinzeitfans und Hobbyarchäologen können sich freuen. Denn im Brucker Stadtmuseum wird eine Vitrine auf außergewöhnliche Art genutzt. Zu sehen gibt es Fundstücke aus grauer Vorzeit, die von Bürgern im Landkreis aufgespürt wurden.

 Endlich wissen Dorlis (66) und Roman Bischof (68) ihre Arbeit wertgeschätzt. Die beiden Feldsucher haben im Laufe der Jahre so einige Relikte der Vorzeit auf Äckern und Wiesen entdeckt. Jetzt wird ein Teil davon in einer Vitrine im Stadtmuseum am Kloster ausgestellt. Fundstücke nicht vermodern lassen Unter dem Motto „Funde des Monats“ gibt es nun alle vier Wochen wechselnde Exponate in dem neuen Schaukasten zu sehen. Initiiert wurde das Projekt von Fritz Aneder. Er ist der neue Leiter der Abteilung Frühgeschichte im Stadtmuseum.

Übernommen hat er den Posten vom inzwischen 80-jährigen Rolf Marquardt. Aneder hat es sich zur Aufgabe gemacht, Funde der Öffentlichkeit zu präsentieren, damit sie nicht in irgendwelchen Kellern vermodern. Momentan liegen im Schaukasten Stücke von zwei verschiedenen Fundorten und aus unterschiedlichsten Epochen. Ein Teil der Exponate stammt aus Jesenwang, darunter der Knauf eines Topfdeckels aus der Hallstattzeit (etwa 800 bis 450 v. Chr.) und römische Scherben. Die anderen Ausstellungsstücke wurden am Rande des Haspelmoors gefunden.

Dazu gehören Mahl- und Reibsteine aus der Jungsteinzeit, beschädigte Pfeilspitzen sowie die Scherbe eines vorgeschichtlichen Gefäßes. All diese Exponate zeugen von einer stetigen Besiedlung einzelner Orte im Landkreis. Im Endeffekt liegen derartige Fundstücke für alle offensichtlich herum. Nur muss man genau wissen, wo man hinschauen muss. Feldbegeher scannen Äcker und Wiesen systematisch ab, um Relikte aus der Vergangenheit zu finden. Beim Feldbegehen wird nicht gegraben

Im Gegensatz zu Ausgrabungen handelt es sich hierbei um eine rein optische Methode. Oberflächen werden nach Scherben, Splittern und ähnlichem abgesucht. Die meisten Stücke wurden beim Pflügen des Ackers aus der obersten Bodenschicht wieder ans Tageslicht befördert. Wer fündig werden will, wartet also ab, bis das Feld frisch bearbeitet wurde. Bestenfalls gibt es vor der Suche starke Regenfälle, die die Stücke von der Erde sauberspülen. Beim Feldbegehen kommen auch keine Metalldetektoren zum Einsatz. Diese wären bei Scherben und Steinwerkzeugen sowieso wirkungslos.

Durch Bodenerosion und Landmaschinen kommt es allerdings vor, dass viele Stücke weiter beschädigt werden oder auseinanderbrechen. „Vor 30 Jahren waren viele Scherben noch viel größer“, erklärt der 64-jährige Aneder. Die Suche auf Wiesen hingegen stellt sich problematisch dar, weil hier die oberste Bodenschicht nicht abgetragen werden kann. Aneder ist deshalb der Meinung dass der Maulwurf hier wohl der beste Freund der Hobbyarchäologen ist, da dieser noch einiges durch sein Graben offenlegt. Das verneint auch das Ehepaar Bischof nicht.

 Die beiden Kottgeiseringer suchen mittlerweile seit 15 Jahren Wiesen und Felder im Landkreis nach Überbleibseln aus der Vergangenheit ab. Die Rentner haben eine besondere Passion für Geschichte und Archäologie. Roman Bischof, der früher Ermittler bei der Kriminalpolizei München war, hat dafür auch eine nicht ganz ernst gemeinte Erklärung: „Vermutlich kommt daher mein Interesse für menschliche Überreste und Knochen. (mak)

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