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In diesem Haus an der Dachauer Straße lebte der Dichter Hans Erich Blaich.

Die Geschichte von Hans Erich Blaich

Hier lebte der Brucker Eulenspiegel

Fürstenfeldbruck – Auf den Spuren deutscher Dichterkunst: Über 30 Jahre lebte Hans Erich Blaich alias Dr. Owlglass in Bruck und arbeitete für die berühmte Satirezeitschrift „Simplicissimus“.

Seine Gedichte drehen sich um Naturbeobachtungen, spiegeln aber auch die Schrecken zweier Weltkriege wider.

Die Stadt in der Weimarer Republik: ein etwas stiller Ort, die Natur ist nahe, doch in die Pasinger Künstlerkolonie und ins lebhafte München ist es auch nicht weit. Hier findet Hans Erich Blaich 1911 sein neues Zuhause. Bis zu seinem Tod 1945 lebt und arbeitet der Dichter und Lungenfacharzt in Fürstenfeldbruck, wo er für seine Kunst den richtigen Schaffensort gefunden hat.

Volker Hoffmann Der Germanist beschäftigt sich mit dem Dichter.

Geboren 1873 in Leutkirch im Allgäu studierte Blaich Medizin und Philosophie. 1895 legte er sich das Pseudonym Dr. Owlglass zu, was sich aus dem Englischen in „Eulenspiegel“ übersetzen lässt. 1896 begann er, für die im gleichen Jahr gegründete Satirezeitschrift „Simplicissimus“ zu schreiben.

1910 kam der Autor nach Pasing, das damals eine bekannte Künstlerkolonie beheimatete. Doch nur ein Jahr später zog der immer wieder depressive Blaich erneut um – vielleicht weil ihm das quirlige Künstlerdorf doch zu unruhig war. Bald wurde Fürstenfeldbruck seine neue Heimat. Bis 1918 wohnte er mit seiner Frau Anna in der Josef-Spital-Straße.

In den darauffolgenden zwei Jahren zog das Paar aber immer wieder um, zuerst in die Polzstraße 5, dann in die Dachauer Straße 48 und in die Angerstraße 29, die heute Adolf-Kolping-Straße heißt. Schließlich baute ihm sein Neffe 1931 ein Haus in der Dachauer Straße 54, das bis zu Blaichs Tod sein Zuhause blieb und heute noch erhalten ist.

Hier fand der Brucker Eulenspiegel Muße für seine literarische Arbeit. In seiner neuen Heimat betrieb der Arzt eine Praxis, was nach Einschätzung des Germanisten Volker Hoffmann jedoch allenfalls ein Nebenerwerb war. Der Münchner beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Schriftsteller, den er als „sehr feinen und zurückhaltenden Mann“ einschätzt. Owlglass habe sich vor allem als Autor hervorgetan.

Denn Hans Erich Blaich war vor allem Literat. Neben seiner Mitarbeit am „Simplicissimus“ und seinen zahlreichen Gedichten fertigte er auch Übersetzungen an. „Er war auch weltliterarisch gebildet und ein ambitionierter Mann“, so Volker Hoffmann, der auch Mitherausgeber einer Auswahl von Blaich-Gedichten ist. Blaich habe Wilhelm Raabe und Hermann Hesse gekannt. Auch mit Kurt Tucholsky verband Dr. Owlglass zehn Jahre lang eine Freundschaft. Die zerbrach wohl an den unterschiedlichen Wegen, die die beiden Schriftsteller nach 1933 gingen.

Denn mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 passte sich Hans Erich Blaich der politischen Lage an – wie auch der „Simplicissimus“. War die satirische Zeitschrift zuvor gegen den Nationalsozialismus eingetreten, wurde sie nun gleichgeschaltet. Der Brucker Eulenspiegel wählte seinen ganz eigenen Weg in der Krise: Er wandte sich – wie schon während des ersten Weltkriegs – Naturbeobachtungen zu und enthob seine Lyrik größtenteils politischer Fragestellungen.

Bis der „Simplicissimus“ 1944 wegen Papiermangels eingestellt werden musste, gehörte Dr. Owlglass zum Kreis der Autoren, 1933 bis 1935 leitete er sogar die Redaktion des gleichgeschalteten Magazins. „Er hat sich aber nie politisch vereinnahmen lassen“, betont Volker Hoffmann. „Er war allenfalls verhalten politisch.“ Das sei an den Gedichten erkennbar, die er nach seiner inneren Emigration verfasst habe. Denn einige Werke zeugen von Bombenhagel und Blutvergießen – Eindrücke, die der Wahl-Brucker trotz seiner Bemühungen um politische Neutralität literarisch verarbeiten wollte.

von Maria-Mercedes Hering

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