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Currywurst, Pommes und Co.: Sandra Fischer bietet im Imbisswagen am Viehmarktplatz größtenteils die gleichen Produkte an, wie ihr Vorgänger Fritz Rosenberger.

Ältester Imbissstand mit neuer Besitzerin

Ihre Currywurst schmeckt noch wie früher

Fürstenfeldbruck – Er ist der wohl älteste Imbisswagen in Bruck und hat längst Kult-Status erreicht: der Stand am Viehmarktplatz. Seit 1972 gibt es ihn, die vergangenen 13 Jahre hat Fritz Rosenberger hier Currywurst und Pommes verkauft. Jetzt ist eine Frau am Zug.

Am ersten Tag musste Sandra Fischer einige Würstl in den Müll werfen. Doch das ist gut so. Warum? „Es war so viel los, dass ein paar Sachen verbrannt sind“, sagt sie und lacht. Die 40-Jährige – lange dunkle Haare, schlank, immer schick zurechtgemacht – sieht auf den ersten Blick aus, als wäre sie auf dem Weg ins Büro. Allein ihre schwarze Kochjacke mit den dunkelroten Nähten verrät sie.

Fritz Rosenberger hat den wohl ältesten Imbissstand der Kreisstadt 13 Jahre lang betrieben, ehe ihn die Gesundheit zum Aufhören zwang.

Im Büro hat es Sandra Fischer, die für ihren Traum vom Imbisswagen ihre Harley Davidson verkauft und sich von ihrer Mutter Geld geliehen hat, eh nie lange aushalten. Sie hat es immer schon dorthin gezogen, wo was los ist. „Ich arbeite einfach gerne mit Menschen. Und mit Lebensmitteln. Wenn sich beides kombinieren lässt, ist das perfekt“, sagt sie. Die 40-Jährige ist eine, die anpacken kann. Auch, wenn sie zugibt: „Die vergangenen Wochen haben mich geschlaucht.“

Vor eineinhalb Jahren, da war die gelernte Industriekauffrau noch teilweise im Büro und zum Ausgleich im Service tätig, ist die Idee vom eigenen Imbisswagen geboren. Immer wieder hat Sandra Fischer den Einfall verworfen. Bis ihre Mutter, die sich immer schon gerne bei Fritz Rosenberger mittags eine Currywurst gekauft hat, am Imbissstand von ihm erfuhr, dass er einen Nachfolger sucht. Drei Herzinfarkte zwangen ihn dazu. „Sie hat es mir vorgeschlagen und dann ist alles ganz schnell gegangen“, sagt Fischer.

Anfängliche Schwierigkeiten

Einen Umzug von München nach Überacker („Aber nur übergangsweise“), einen Businessplan und einige Gespräche mit Rosenberger später war der Traum Realität geworden. Die 40-Jährige übernahm den auffällig in Holzoptik verkleideten Wagen vom Vorbesitzer. Aber irgendwie hatte sie schon geahnt, dass alles zu perfekt gelaufen war. Und so war es dann auch. Das Gesundheitsamt beanstandete, dass der Dunstabzug nicht so funktionierte, wie er sollte. Viele weitere Kleinigkeiten wurden zu einem großen Problem. Doch wie es das Schicksal wollte, bot ein Freund Fischer just in diesen Tagen einen modernen Imbisswagen an. „Ich habe Ja gesagt, einen neuen Zwischenzähler für die Energie eingebaut und hier bin ich jetzt“, sagt sie – einen Arm auf den roten Stehtisch vor ihrem weißen Imbisswagen gelehnt.

Hinterm Tresen vertritt sie gerade Uwe Strobel, der eigentlich Alleinunterhalter ist. „Ein alter Stammgast vom Fritz. Der hat sich die Handgriffe jahrelang angeschaut, der kann das“, sagt Sandra Fischer und lacht. Derweil schneidet Strobel eine Currywurst für Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht auf, der zwischen zwei Terminen auf einen Sprung vorbeigeschaut hat.

Würstl und Currysauce sind noch die gleichen wie bei Rosenberger. Serviert wird teilweise auf Porzellan-Tellern. Und weil Sandra Fischer Wert auf die Optik legt, ist sie mit der Haut ihres Wagens noch nicht glücklich. Eigentlich hatte sie sich zwei Künstler aus Köln eingeladen, die den Imbiss ansprühen sollten. „Als kurzfristige Lösung, damit er nicht so weiß und kahl ist. Und bis ich eine Idee für die neue Folierung habe“, sagt Fischer. Doch die so genannten Künstler hatten sich überschätzt. Am nächsten Tag schrubbte sich die 40-Jährige mit Nitro-Verdünnung die Hände wund. Deshalb soll doch bald eine Folierung her. Irgendwas Schickes. Auch über die Lieferanten hat sich Sandra Fischer viele Gedanken gemacht. „Ich will Hochwertiges anbieten“, sagt sie. Gleichzeitig sollen die Preise nicht steigen. Die Currywurst mit Semmel kostet 3,70 Euro, eine Polnische 3,50. Im Winter will die 40-Jährige auch Gulasch oder Eintopf anbieten. Das könnte auch die Stammkunden freuen, die immer noch gerne an Brucks ältestem Imbisswagen essen und ratschen. Auch mit neuer Besitzerin.

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