Verkauft die letzten Paar Schuhe: Elisabeth Anesi vom gleichnamigen Geschäft in der Schöngeisinger Straße. 

Geschäfte schließen 

Innenstadt um drei Mode-Adressen ärmer

Fürstenfeldbruck - Sterben in der Innenstadt die Modeläden aus? Nach der Insolvenz des Schuhhauses Raab hat die Filiale  bereits zugesperrt. Und auch die Tage von zwei weiteren Geschäften sind gezählt. 

 „Ich gehe in Rente“, kündigt Inhaberin Elisabeth Anesi an. Ein genaues Datum für ihren Eintritt in den Ruhestand hat die 64-Jährige aber noch nicht im Auge. Bis Ende des Jahres will sie das Geschäft, das sie vor 36 Jahren gegründet hat, voraussichtlich noch fortführen.

Vor leeren Regalen: Christiane Hassmann-Molocher gibt den  Laden Casetta-Mode an der Pucher Straße nach 38 Jahren auf. 

Ob man danach in den vertrauten Räumen in der Schöngeisinger Straße weiterhin Schuhe wird kaufen können, steht dahin. Es haben sich zwar bereits Interessenten den Laden angeschaut, aber spruchreif sei noch nichts, so Elisabeth Anesi, die auf italienische Damenschuhe und Accessoires spezialisiert ist. „Selbst wenn es weitergeht, dann sicherlich nicht im gleichen Stil.“ So ganz kann sie ohnehin nicht glauben, dass ein Nachfolger das Schuhgeschäft übernehmen wird. „Es wäre zu schön, um wahr zu sein.“

Auch für die Brucker Filiale des Schuhhauses Raab hat sich kein Interessent gefunden. Der Abverkauf, der eigentlich bis Ende Juni laufen sollte, ist bereits beendet. Von den 15 Filialen des Münchner Traditionsunternehmens wird wohl nur eine einzige gerettet werden können. „Neben der generell schwierigen Lage des Schuhfachhandels erwies sich insbesondere die Höhe der Mieten an den Standorten für die Interessenten als ein zu hohes Risiko“, sagt Insolvenzverwalter Michael Jaffé.

„Bruck als Einkaufsstadt wird immer mickriger“, bedauert auch Renate Hassmann, die Gründerin von Casetta Mode. Damals, vor 38 Jahren, gab es im Zentrum kaum genug Räumlichkeiten für all die vielen ambitionierten Einzelhändler. „Heute ist die Innenstadt mit ihren Optikern und Friseurläden nicht mehr wirklich attraktiv“, sagt auch Christiane Hassmann-Molocher, die das Geschäft später von ihrer Mutter übernahm.

Aber auch das Einkaufsverhalten habe sich geändert. „Junge Frauen gehen heute nicht mehr in ihrer Freizeit mit dem Kinderwagen in die Stadt zum Shoppen“, sagt Christiane Hassmann-Molocher, während sie in einem leergekauften Laden steht. Ihre Kundinnen wissen seit Anfang des Jahres, dass sie schließen will. Die Gründe seien rein privater Natur, betont die Geschäftsfrau, die mit Harald Molocher, dem Intendanten der Neuen Bühne Bruck, verheiratet ist. „Ich werde bald 50. Da überlegt man, was man machen will.“

Und weitere 15 Jahre mit einer Boutique in Bruck? „Das sehe ich nicht.“

Die vier Mitarbeiterinnen tragen das Ende des Ladens mit Fassung. Und die Inhaberin kündigt an: „Wir machen uns jetzt erstmal einen schönen Sommer.“ Sie will sich ihrer Familie widmen. Und die Kundinnen? „Die sind tieftraurig.“ Manche haben bedauernde E-Mails geschrieben, viele sind noch gekommen, um sich einzukleiden. Ähnliches berichtet Elisabeth Anesi aus ihrem Schuhgeschäft. „Die Kundinnen kaufen Schuhe auf Vorrat.“

von Ulrike Osman 

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