So kennt man ihn: Der ehemalige Dekan Ulrich Finke hat jahrelang die Zeitgespräche mitorganisiert. foto: grübl

Jubiläum

25 Jahre Zeit für Gespräche

Fürstenfeldbruck – Der Bau des AEZ 2005, Subventionierung in der Landwirtschaft, Depressionen: Die Themen der Brucker Zeitgespräche sind oft alles andere als religiös, obwohl sie von der evangelischen Kirche angeboten werden. Mittlerweile gibt es das Projekt seit 25 Jahren. Der ehemalige Dekan und Mitorganisator Ulrich Finke (77) blickt zurück.

Es war 1993, als Ulrich Finke als Dekan nach Bruck kam. Nach beruflichen Stationen in Nürnberg, München und Wolfratshausen hatte es ihn in die Große Kreisstadt verschlagen. Eher unfreiwillig wurde er damals Teil der Zeitgespräche, die zehn Mal im Jahr angeboten werden. Dann sprechen Referenten in der Erlöser- oder in der Gnadenkirche über die unterschiedlichsten Themen. 45 Minuten lang. Anschließend gibt es eine Diskussion. „Meine damalige Sekretärin hat mich da quasi reingeboxt. Im Nachhinein bin ich ihr dankbar“, sagt Finke heute.

"Wir waren gar nicht mal so schlecht"

Als der ehemalige Dekan unlängst als Dienstältester gefragt wurde, ob er die Jubiläumsveranstaltung zum 25-Jährigen übernehmen würde, war er erst skeptisch. „Ich habe gedacht, dass mein Vortrag etwas fad werden könnte. Aber im Laufe der Zeit kamen immer mehr Erinnerungen hoch.“

Wenn man mit ihm spricht, beschleicht einen das Gefühl, dass ihn die Zeitgespräche-Jahre sehr bewegt haben. Mit viel Elan und Witz berichtet er über die verschiedenen Vorträge, an die er sich noch ganz genau erinnern kann. 244 waren es an der Zahl.

Darunter gab es natürlich auch Flops. „Als wir über Menschenrechtler in Indonesien geredet haben, hatten wir insgesamt fünf Besucher. Das war unser Negativrekord“, erzählt Finke. Glücklicherweise gab es aber auch genügend Gegenbeispiele. Mehr als 150 Interessierte kamen beispielsweise 2005 zu einem Gespräch, bei dem die Pläne für das damals noch im Rohbau befindliche AEZ-Center im Brucker Westen thematisiert wurden. Doch auch wenn man sich darüber freue, letztlich sei für das Zeitgespräche-Team die Zuhörerzahl an sich nicht entscheidend. Wichtig sei es, kontinuierlich qualitativ hochwertige Themen zu bieten.

Also Themen, die die Menschen interessieren. Und dabei kann es natürlich auch mal zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Der Journalist Horst Hermannsen forderte beispielsweise einmal die Abschaffung aller Subventionen in der Landwirtschaft und nahm dafür auch das so genannte Höfesterben in Kauf. Die 29 Besucher, die sich zu einer großen Zahl aus Landwirten zusammensetzten, machten ihm aber schnell klar, was sie von seiner Idee hielten. Daran erinnert sich auch Finke noch, als wäre es gestern gewesen.

Dieses Beispiel zeige aber auch die Besucherzusammensetzung. „Es gibt immer einen Stamm. An den Rändern wechselt es je nach Thema“, so Finke. Und an Themen hätte es nie gemangelt. Politik, Medizin, Integration oder Lebenshilfe – es sei für jeden etwas dabei gewesen.

Früher hat der ehemalige Dekan die Redner mit ausgesucht. Mittlerweile hat der 77-Jährige seinen Platz im Team aus Altersgründen „an die etwas Jüngeren abgegeben“. Er habe das Gefühl, dass es mit dem neuen Team gut weitergehe. „Sie haben sehr gute Themen und auch der Wein ist besser geworden“, sagt Finke und schmunzelt. Zurückblickend auf 25 Jahre Zeitgespräche sagt er: „Wir waren gar nicht mal so schlecht.“ (Tim Grübl)

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