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Mit einem Plakat von der Faschingsfeier 1949: Der ehemalige Gildemeister Lukas Drexler. Im selben Jahr fand das erste Sommernachtsfest statt.

Sommernacht in der City

Der Klassiker unter Brucks Straßenfesten

Fürstenfeldbruck  - 67 Jahre ist es her, da feierte die Brucker Heimatgilde die allererste Straßenparty im Landkreis. Bis heute gibt es das Sommernachtsfest, das an diesem Samstag wieder steigt. Und viele Geschichten darüber. Der ehemalige Gildemeister Lukas Drexler erinnert sich.

Hier wird gegessen, getrunken und genossen: So sieht das Sommernachtsfest der Brucker Heimatgilde heute aus.

15 Jahre alt war Lukas Drexler 1949, als die Mitglieder der Heimatgilde ein absolutes Novum im Landkreis einführten. Zum ersten Mal wurde in der Brucker Hauptstraße gefeiert. Eintritt: 50 Pfennig. „Ich erinnere mich noch an die Pylonen, die an der Nord- und Südseite des Hauptplatzes aufgestellt waren, das war für mich etwas völlig Neues“, sagt der ehemalige Bäcker.

Einmalig: Die beleuchteten Pylonen in der Hauptstraße faszinierten 1949 die Besucher.

Dass er fast 20 Jahre später Gildemeister werden würde, wusste er an diesem Tag noch nicht. 1968 beerbte Lukas Drexler den allerersten Gildemeister Leonhard Plonner (Gildemeister seit 1948). Zwanzig Jahre lang stand Drexler der Gilde vor. „Da haben sich natürlich auch am Sommernachtsfest so einige lustige Geschichten zugetragen“, sagt er. „Auch einige Liebesgeschichten.“ Wegen der Feier sei er 1975 auf eine Silberhochzeit eingeladen worden – von Menschen, die ihm gänzlich unbekannt waren. „Das Paar hatte sich beim ersten Sommernachtsfest 1949 kennengelernt und ein Jahr später geheiratet“, erzählt Drexler. 1975 feierten die beiden eine große Silberhochzeit. Denn bei der Vermählung 1950 war nicht viel Geld für ein Fest da gewesen. „Ich bin dann auch auf die Party und es war sehr nett.“

Immer durchgezogen

Ein Bild von 1949: Man sieht das alte Rathaus und die Leonhardikirche. Der Künstler heißt Karl Trautmann

Ein andermal erreichte den Brucker ein Anruf von einer Frau aus Gröbenzell, die schon zur Faschingszeit wissen wollte, wann das nächste Sommernachtsfest stattfindet. Der Grund dafür war allerdings nicht, dass die Frau plante, die Party zu besuchen. „Weil wir immer schönes Wetter haben, wollte sie an demselben Tag ein Grillfest machen“, erzählt der ehemalige Gildemeister und lacht. Tatsächlich fiel das Open-Air-Fest unter Drexlers 20-jähriger Ägide kein einziges Mal aus. „Wir haben es immer durchgezogen.“ Einmal hatten sich die Wirte, die traditionell mithelfen, wegen des morgendlichen Regens entschieden, das Fest zu verschieben. „Aber der Zuständige von der Kaltenberger Brauerei hatte die Biertischgarnituren und die Krüge schon aufgeladen.“ Also entschlossen sich das Gilde-Komittee und der Bierlieferant dazu, die Party auszurichten. Und am Ende kam die Sonne doch noch raus. Dafür hat es die Mitglieder der Heimatgilde an einem anderen Abend mal übel erwischt: „Es gab einen Duscher und danach sind alle heim gegangen.“ Wenn die Party für die Gäste zu Ende ist, fängt das große Aufräumen für die Mitglieder der Heimatgilde allerdings erst an. „Das war immer am anstrengendsten, wir hatten ja keine Kehrmaschine“, erinnert sich Drexler.

Jetzt als Gast

Heute ist er froh, dass er als Gast zum Fest gehen kann. Daniel Brando ist mittlerweile Gildemeister und für die Organisation zuständig. Rund 50 Helfer kümmern sich nicht nur um das Aufstellen der 200 Biertischgarnituren, sondern auch um eine Bar. Am Samstag spielt die Nachwuchs-Band „Get-That!“. Eine Kapelle gibt es nicht. Früher hat man sich eine Gruppe aus Dachau ausgeliehen. Früher – als es in Bruck noch keine eigene Kapelle gab. Das Sommernachtsfest beginnt am Samstag um 17 Uhr. In der Brucker Hauptstraße werden Biertischgarnituren aufgestellt. Es gibt Getränke und Burger, Wraps, Steckerlfisch, Hendl und Haxn. Der Eintritt ist frei

Historische Daten

1935 (am 4. NovemberI ist das erste Treffen der späteren Heimatgilde. Bis 1939 organisiert die Vereinigung Faschingszüge mit bis zu 15 000 Zuschauern. 1938 wird der spätere Verein „Narrenbrücke“ gegründet, der ein Zusammenschluss für Kultur, Geselligkeit und Brauchtum sein soll. 1948 wird die Heimatgilde „Die Brucker“ ins Leben gerufen. 1949 organisiert der Verein unter anderem das erste Sommernachtsfest mit 12 000 Besuchern, Konzerte, den Leonharditag (erstmals nach 20 Jahren), einen Faschingsball und das erste Frühlingsfest. 1951 kümmert sich die Gilde um den ersten Starkbieranstich. 1958 gibt es den ersten Maitanz und eine Sonnwendfeier im Weiherhaus. 1962 wird eine Sommernachtskönigin präsentiert. 1963 wird erstmals nach 14 Jahren wieder ein Schäfflertanz organisiert. 1965 stirbt der erste Gildemeister Leonhard Plonner plötzlich. Später wird Lukas Drexler sein Nachfolger. 1975 spaltet sich die noch immer aktiv Theatergruppe Brucker Brett’l von der Heimatgilde ab.

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