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Mittlerweile mit total weißem Haar, schwingt Klaus Linkel den Dirigentenstab wie eh und je. Zu Beginn seines ersten Konzertes nach seinem Hörsturz sah man dem 69-Jährigen die Anspannung förmlich an.

Erstes Konzert

Nach Hörsturz: Dirigent Klaus Linkel feiert Comeback

Fürstenfeldbruck – Klaus Linkel ist wieder da. Gut zehn Monate nach einem Hörsturz, der auf zu einem Hörverlust auf einem Ohr führte, dirigierte er sein erstes Konzert – zu Beginn sichtlich angespannt. 

Zusammen mit dem Westböhmischen Symphonierorchester aus Marienbad gestaltete Linkel ein anspruchsvolles Konzert mit den beiden tschechischen Star-Komponisten Friedrich Smetana und Antonin Dvorak. Eine Einführung in die drei ausgewählten Teile des sechsteiligen Orchesterzyklus ‚Mein Vaterland’ liefert der Dirigent gleich selbst. Vysehrad, die Festung am südöstlichen Steilufer der Moldau gelegen, erlebt ihren Niedergang. Fast schon berühmt ist die zweite symphonische Dichtung: die Moldau von der Quelle bis zum behäbiga dahinfließenden Fluß. Als drittes Blanik, der Berg, in den sich die stolz marschierenden Ritter zurückgezogen hatten. Ob Linkel deswegen Smetana ausgesucht hat, weil der am Ende seines Vaterland-Zyklus bekannt hatte, dass er völlig taub geworden sei? Wer weiß. 

Dieses Schicksal ist dem 69-jährigen Musiker erspart geblieben. Im Dezember vergangene Jahres hatte der Leiter der Brucker Chorgemeinschaft einen Hörsturz auf einem Ohr erlitten. Es war ein Schock, Neujahrskonzerte mussten abgesagt werden. Es war fraglich, wie es weiter gehen sollte. Die Unsicherheit war groß. 

Nicht einmal ein Jahr später steht Linkel aber bereits wieder auf der Bühne. Die Anspannung ist dem 69-jährigen bei seinem Comeback jedenfalls anzusehen. Beinahe vergießt er den obligatorischen Händedruck mit dem Konzertmeister vor dem Beginn. Mit einem beherzten Sprung erobert er das Dirigentenpodest zurück und lächelt. Dann legt er los. 

Nach ein paar wild umgeblätterten Seiten verfliegt die Anspannung, und Linkel zeigt vollen Körpereinsatz, um den lieblichen Reigen der Wassernymphen zu zaubern. Phasenweise tief in die Knie gebeugt, federt er sofort wieder heraus, wenn es gilt, die Moldau-Stromschnellen bei St. Johann zu umschiffen. 

Klaus Linkel hat das tschechische Orchester, mit dem er in den Jahren vor seinem Hörsturz immer wieder mal arbeitete, zweifellos (wieder) im Griff. Die Spannweite seiner Arme wirkt absolut raumgreifend, die „Verlängerung“ eines Armes mit dem Dirigentenstab hat der 69-Jährige meist gar nicht nötig. Wenn der Sieg der tschechischen Nation zu Gehör gebracht werden soll, dann bebt sein mittlerweile total weißes Haar und der Mann an der Pauke weiß, dass er jetzt Schwerarbeit leisten muss. 

Dynamischen Schrittes eilt Klaus Linkel schon beim Pausenapplaus mehrfach wieder auf die Bühne. Nach der Pause hat er den Violin-Solisten Martin Kos für das Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch engagiert. Auch hier zeigt sich, dass Solist, Dirigent und Orchester eine Einheit bilden und dank unmissverständlichem, von fast schon energischer Gestik begleitetem Dirigat ein harmonisches Gesamtkunstwerk in einem akustisch nicht idealen Stadtsaal entsteht. Das steigert sich sogar noch bei Dvoraks slawischem Tanz Nr. 2, bei dem Linkel beweist, dass ein guter Dirigent auch mit der Mimik in seinem Gesicht dirigiert. Bei einem weiteren slawischen Tanz als Rausschmeißer-Zugabe hat Klaus Linkel genauso viel Spaß wie die Zuhörer. Auch das Orchester ist mit dem seinem Comeback zufrieden und die Musiker tippen – zumeist freundlich lächelnd – mit dem Geigenbogen auf ihr Notenblatt.

von Max-Joseph Kronenbitter

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