Gelbenholzen

Das passiert im Haus für Jugendarbeit

Fürstenfeldbruck – Oben am Berg, versteckt zwischen Bäumen, liegt das Haus des Kreisjugendrings (KJR). Was genau in Gelbenholzen vor sich geht, wissen aber die wenigsten. Eine reine Herberge ist die Einrichtung keineswegs.

Zuletzt war das Haus für Jugendarbeit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, als dort vor eineinhalb Jahren kurzzeitig 15 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einquartiert wurden. Dabei ist dort das ganze Jahr über einiges los. „Wir sind ein Übernachtungshaus mit 46 Betten und seit 2016 können wir uns selbst mit Speisen und Getränken versorgen“, sagt Thomas Boll. Er ist seit Dezember 2002 Geschäftsführer des KJR. Wer nun aber eine klassische Jugendherberge erwartet, der wird dem Haus für Jugendarbeit nicht gerecht. Auch wenn es gerade zur Wiesnzeit immer wieder mal Anfragen für Zimmer gibt, sind dort reine Übernachtungen nicht möglich.

Denn wie der Name schon sagt: Hier wird mit der Jugend gearbeitet. Die Einrichtung wurde speziell für die Gruppenprojekte mit Menschen im Alter von acht bis 26 Jahren konzipiert. Dementsprechend finden dort Seminare, Tagungen und Freizeitaktivitäten aller Art statt. „Wir haben eine große Bandbreite an Nutzern“, sagt Boll. Kinder- und Jugendgruppen von Vereinen oder Schulen kommen ebenso regelmäßig nach Gelbenholzen wie junge Musiker für Probe-Wochenenden, kirchliche Gruppen zu Besinnungstagen oder auswärtige Sportvereine, die ein Turnier in der Region bestreiten.

Die Gruppen können nach Absprache drei Tagungsräume, einen Spieleraum, einen großen Saal und die multifunktional nutzbare Eingangshalle sowie den großen Garten für ihre Zwecke nutzen. Vor allem an den Wochenenden wird davon reger Gebrauch gemacht, wie Boll sagt. „Da sind wir oft ausgebucht.“

Während Übernachtungsgäste vornehmlich von außerhalb des Landkreise kommen, nutzen die heimischen Jugendgruppen hauptsächlich die Tagesangebote. So halten Schulen beispielsweise Tutorenschulungen ab. Oder aber die Jugendlichen turnen im hauseigenen Klettergarten. Dort können Spiele zur Stärkung des Zusammenhalts einer Gruppe beitragen. In dem Garten gibt es so genannte Niedrigseil-Elemente, auf denen sich die Kletterer ungesichert nur wenige Zentimeter über dem Boden befinden. Gemeinsam gilt es, auf den Seilen zu balancieren. „Das wird vor allem von den Landkreis-Schulen ab der siebten Klasse stark genutzt“, erzählt Boll. Aber auch einfach nur Fußball- oder Volleyballspielen ist im Garten möglich.

Früher war es eine Gaststätte

Das Gebäude wird erst seit 1997 vom KJR eigenverantwortlich verwaltet. Die Historie reicht aber viel weiter zurück. Gebaut wurde das Haus 1900, wie Boll weiß. „Früher war es eine Ausflugs-Gaststätte und hatte erst den Namen ,Zum Kakadu’ und später hieß es dann ,Zum Blauen Teufel’.“ 1934 wurde es schließlich von der Münchner Gisela Oberrealschule erworben und als Schullandheim genutzt. Von 1981 bis 1985 war dort die Cäcilienschule, eine heilpädagogische Tagesstätte, untergebracht, ehe der Landkreis das Haus 1987 pachtete.

Alte Mauern bringen natürlich auch immer viel Arbeit mit sich. „In den letzten Jahren wurde viel renoviert“, berichtet Boll. Erst vor rund fünf Jahren habe das Gebäude einen Kanalanschluss bekommen. „Davor gab es nur eine Grube.“ Für die Verschönerung im Inneren war der KJR verantwortlich. „2013 haben wir neu gestrichen und die Räume neu ausgestattet“, sagt Boll – auf Kosten des KJR. Der Landkreis als Pächter ist hingegen für die Gebäudesubstanz finanziell verantwortlich.

Die 15 jungen Flüchtlinge, die im Dezember 2014 einquartiert wurden, haben den Betrieb übrigens nur geringfügig beeinträchtigt. „Wir haben zum Glück nicht vielen absagen müssen“, sagt Boll. Zwei Gruppen seien dennoch gekommen, hätten aber weniger Teilnehmer mitgebracht, erzählt Boll. „Zum Teil haben die dann sogar etwas mit den Flüchtlingen gemeinsam gemacht.“ Lange hat das Intermezzo aber ohnehin nicht gedauert. Denn bereits im Februar 2015 sind die jungen Asylbewerber wieder ausgezogen. (ad)

Sie leiten die Einrichtung

Ein alter Hase und eine junges Fohlen schmeißen die Geschäfte beim Kreisjugendring. Thomas Boll (47) ist bereits seit 14 Jahren Geschäftsführer beim KJR. Als Vorsitzende fungiert die erst 23-jährige Ines Sattler. Sie übernahm das Amt im April von Stadtrat Philipp Heimerl (SPD), der aus Zeitmangel nach vielen Jahren sein Amt niedergelegt hat. Boll stammt ursprünglich aus Baden-Württemberg, hat aber in München studiert und lebt seit 1995 im Brucker Landkreis. Sattler kommt aus Kottgeisering und stieß über die Pfadfinder der Brucker Erlöserkirche zum KJR. Das Spielmobil des Kreisjugendrings hatte es ihr dabei besonders angetan. „Ich wollte dort Betreuerin werden“, erzählt sie. Gesagt getan.

Noch heute ist sie mit dem mobilen Spielefahrzeug unterwegs. In die Vorstandschaft rückte sie zunächst als Beisitzerin auf. Als Heimerl sein Amt abgab, fragte er bei Sattler an, ob sie nicht die Nachfolge antreten wolle. „Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist ohnehin mein Steckenpferd“, sagt die junge Frau, die derzeit eine Ausbildung als Erzieherin macht. So musste sie nicht lange über Heimerls Angebot nachdenken, sondern sagte ihrem Vorgänger zu und wurde gewählt. Seit ihrem Amtsantritt repräsentiert Sattler den KJR bei Veranstaltungen. Intern arbeitet sie eng mit Boll zusammen. Hier gilt es zum Beispiel, die Angebote des KJR anzusprechen. „Wir gehen aber auch gemeinsam den Haushalt durch“, erzählt die Kottgeiseringerin. Schließlich muss das Jahresbudget von rund 900 000 Euro, in dem auch ein Landkreiszuschuss von 470 000 Euro enthalten ist, am Ende richtig eingesetzt werden

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