Führte durch den Abend: Moderator Stephan Zinner. foto: peter weber

Im Stadtsaal

Paulaner Solo: Rheinische Karnevals-Kanone hat am Ende gut lachen

Fürstenfeldbruck – Niederbayern, Oberösterreich, Berlin und der Niederrhein – an geographischer Vielfalt mangelte es nicht im Finale des Kabarett-Wettbewerbs Paulaner Solo plus im Stadtsaal. Auch inhaltlich ging es zwischen schräger Musikparodie und klassischer Stand-up-Comedy bunt zur Sache.

Bei der Preisvergabe waren sich Zuschauer und Fachleute ausnahmsweise fast einig: Der Jury-Preis ging an die rheinische Karnevals-Kanone Ingrid Kühne, der Publikumspreis an den österreichischen Sänger und Schauspieler Stefan Leonhardsberger, der im Jury-Ranking auf Platz zwei landete.

In der Pubertät sind die Kinder zu jung zum Ausziehen, aber zu alt für die Babyklappe – mit solchen und ähnlichen Pointen im Minutentakt hatte Ingrid „De Frau“ Kühne schnell die Lacher und Sympathien auf ihrer Seite. Und dann spielte die niederrheinische Wuchtbrumme auch noch so herrlich selbstironisch mit dem eigenen Übergewicht („Bei mir ist der BMI so hoch wie der IQ“) und verkörperte perfekt die kleinbürgerliche Hausfrau, deren Leben sich um Tupperpartys, leere Bierkästen („Leergut – voll besser“) und neugierige Nachbarn dreht.

Michael Jackson, Tina Turner, John Travolta – Angst vor großen Namen haben Stefan Leonhardsberger und sein Gitarrist Martin Schmid schon mal nicht. Müssen sie auch nicht, denn ihre Parodien von Moonwalk, Disco und Hip-Hop-Posen sind ebenso witzig wie die Texte („Da Billi Jean is ned mei Bua“). Scheinbar kaum verstellen muss sich der Österreicher, wenn das Liedgut seiner Landsleute von STS drankommt – und auch bei den Inhalten reichen minimale Stellschraubendreher zur cleveren Aktualisierung. Dann brennt eben im Griechenland-Urlaub nicht die Sonne auf der Haut, sondern das Reizgas, weil man versehentlich in einen Volksaufstand geraten ist.

Berühmte Kollegen sind auch das Thema der vier Berliner von „Vocal Recall“. Weder Robbie Williams noch Rihanna, Andreas Bourani und Helene Fischer sind vor ihnen sicher. Und dass das Quartett mit seinem perfekt abgestimmten Gesang in der Jury-Wertung nur auf Platz drei landete, sagt vor allen Dingen etwas über die Stärke der Konkurrenz.

Franziska Wanninger hatte Pech – ausgerechnet in ihrer Schlussnummer brachte ein Texthänger sie aus dem Konzept. Doch wie sie als niederbayerischer Kommunalpolitiker den Hals zum Doppelkinn werden ließ und verbale Hemdsärmeligkeiten von sich gab, das hatte Seltenheitswert an diesem ansonsten unpolitischen Abend.

Während Moderator Stephan Zinner die Wartezeit bis zur Preisverleihung mit Auszügen aus seinem eigenen Kabarett-Programm überbrückte, ging es an den Biertischen im Zuschauerraum ans Ankreuzen der Wahlzettel. Die Jury – bestehend aus den Kabarettisten Winfried Frey und Jürgen Kirner, der BR-Redakteurin Sabine Boueke-Loosen, Künstleragentin Rosa Wagner und Silvia Ottes vom Kulturreferat der Stadt München – zerbrach sich derweil im stillen Kämmerlein die Köpfe. Die besten Bewertungen in Sachen Bühnenpräsenz, Originalität, Souveränität und Resonanz erhielt Kühne, dicht gefolgt von Publikumsliebling Leonhardsberger.

von Ulrike Osman

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