Tim Grübl ist für das Tagblatt auf Pokémon-Jagd gegangen. 

Tagblatt-Reporter wagt Selbstversuch 

Auf Pokémon-Jagd im Klostergarten

Fürstenfeldbruck - Pokémon liegt gerade voll im Trend. Vor allem junge Leute suchen in der realen Welt nach den virtuellen Pikachu und Co. Auch Fürstenfeldbruck bleibt vom Jagdfieber nicht verschont. Tagblatt-Reporter Tim Grübl ist für eine Woche zum Selbstversuch in die App-Welt abgetaucht.

Ein realer Hotspot für die virtuelle Welt ist die Grünfläche zwischen Biergarten und Kloster. 

Montag, 6 Uhr: Das erste Mal schaue ich mich auf der virtuellen Landkarte um und entdecke einige Pokéstops in Fürstenfeldbruck, bei denen ich wichtige Items sammeln kann. Mein Starter-Pokémon Glumanda, ein kleines, feuerspuckendes Reptil, und ich machen uns auf den Weg, um genau diese Items zu sammeln. Während sich meine Nachbarn beim Bäcker Semmeln holen, stehe ich mit meinem Handy an einem Laternenmast und freue mich, dass ich hier drei Pokébälle und ein mysteriöses Ei gefunden habe. Um das Pokémon darin auszubrüten, muss man zu Fuß eine gewisse Distanz zurücklegen. Ich entscheide mich also, nicht wie jeden Tag mit dem Auto, sondern heute mal zu Fuß zur S-Bahn zu gehen. Zwei Kilometer später schlüpft es: Mein erstes richtiges Pokémon. Voller Freude sehe ich, dass mich Taubsi, ein kleiner Vogel, auf dem Weg in den Tag begleiten wird. Nachdem mein Akku in kürzester Zeit auf 20 Prozent gefallen ist, schließe ich meine Powerbank, das wichtigste Utensil eines Pokémon-Trainers, an mein Handy an. In der S-Bahn passiert dann plötzlich etwas Unerwartetes. Ein wildes Rattfratz erscheint! Ich hebe mein Handy und wische wild auf dem Bildschirm herum. Nach gefühlt 13 Pokébällen habe ich es endlich gefangen und eine ältere Dame, die mir gegenübersitzt, fragt erstaunt, warum ich denn so viele Fotos von ihr gemacht hätte. Ich verneine dies lachend, suche mir aber einen anderen Platz.

Mittwoch, 15 Uhr: Ich sitze in der Uni. Ein mir unbekanntes Pokémon erscheint. Ich möchte es unbedingt fangen, aber es entwischt. Mit einem lauten „Ach verdammt, nicht schon wieder!“ wecke ich meine Kommilitonen und mache den Dozenten auf mich aufmerksam. Ich lächle beschämt und packe mein Handy weg – auf meine Beine unter der Bank. Das Pokémon Elektek muss immerhin noch gefangen werden. Ein wildes Rattfratz erscheint!

Freitag, 18 Uhr: Ich habe die letzten Tage durchgehend gespielt und bin auf Level 12 gestiegen. Ich schlendere durch Bruck, um Items an den Pokéstops zu bekommen. Diese Stops liegen an Sehenswürdigkeiten wie dem Rathaus oder am Kloster. Aber auch an normalen Orten, wie dem Fahnenmast in der Nähe vom Volksfestplatz. Gedankenverloren laufe ich durch die Stadt bis mich ein hektisches Klingeln aus der Pokémon-Welt reißt. „Pass halt mal auf wo du hinläufst“, schreit ein älterer Radfahrer, der mir gerade noch ausweichen konnte. Ein wildes Rattfratz erscheint!

Sonntag, 20 Uhr: Bis jetzt habe ich nur Augenrollen und pampige Kommentare bekommen, wenn man mich auf der Suche nach Pokémon gesehen hat. Ich beschließe deswegen, mich dort hin zu begeben, wo meinesgleichen nach Glumanda, Bisasam und Relaxo sucht: auf die Klosterwiese. Dort erwarten mich neben Pokémon-besessenen Teenagern auch erwachsene Menschen wie der 36-jährige André. „Ich bin mit diesem Spiel aufgewachsen“, erzählt er. Auch andere Erwachsene wie Michael (31) oder Günni (30) freuen sich über die Neuauflage des Spiele-Klassikers. „Hier wird die Nostalgie perfekt mit der Moderne verknüpft.“ Ich setze mich auf die Wiese und hoffe auf seltene Pokémon. Ein wildes Rattfratz erscheint! Ich werde sauer. Am Anfang habe ich mich so über dieses Pokémon gefreut, aber jetzt ignoriere ich es. Anscheinend bin ich schon ganz schön tief in diese Welt versunken.

Mein Fazit: Neben dem Verlangen, alle Pokémon zu fangen und diese auch in Arenen gegen andere Teams kämpfen zu lassen, ist es vor allem die individuelle Erinnerung. Auch ich denke daran, wie ich damals das erste Mal Pokémon auf dem Gameboy spielen durfte. Es kommen Erinnerungen hoch und man ist dem damaligen Wunsch, Pokémon auch im richtigen Leben fangen zu können, ein kleines Stückchen näher gekommen. Trotzdem muss man aufpassen, den Blick für das reale Leben nicht zu verlieren und das Handy auch mal weg legen zu können.

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