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Beispielfoto: dpa

An mehreren Stellen im Landkreis

Die Problem-Krähen breiten sich weiter aus

Fürstenfeldbruck - Alles für die Katz: Die lästigen Saatkrähen lassen sich nicht aus dem Landkreis Bruck vertreiben – nicht durch irritierende Ballons in den Bäumen und nicht durch die Entfernung alter Nester.

Im Gegenteil. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Krähen-Population extrem angestiegen.

Mitte Februar war Thomas Wieser noch hoffnungsvoll. Damals turnte der Sachgebietsleiter für Umweltangelegenheiten der Stadt Germering in den Bäumen des Erikaparks herum. Er entfernte mit Hilfe von Bauhof-Mitarbeitern und der Unterstützung von Expertin Monika Sepp alle verlassenen Nester, die noch vom vergangenen Sommer in den Ästen hingen. Ziel: Die Saatkrähen sollten sich nicht erneut in ihren alten Brutstätten niederlassen. Doch der Plan ging nicht auf. „Letztes Jahr hatten wir 13 Nester im Erikapark. Heuer sind es 29“, berichtet Wieser nach der Zählung. „Die haben ihre neuen Nester in genau dieselben Astgabeln gebaut, aus denen wir die alten entfernt haben.“

Wenigstens hat sich die Kolonie nicht gesplittet – so wie in anderen Kommunen, in denen versucht wurde, die Vögel zu vertreiben. Absolute Krähenhochburg ist und bleibt aber die Stadt Puchheim. 2015 zählte man im Statdgebiet 210 Nester. Heuer sind es 332. Auch die Standorte bleiben zahlreich. „In der Allingerstraße Ecke Egenhofer Straße sind es heuer 48 Nester. 2015 waren es 15, 2014 haben wir 35 gezählt“, berichtet Umweltbeauftragte Monika Dufner. Im Ihleweg fand die Expertin 31 Nester (2015: 18). Im Schopflacher Wäldchen stieg die Zahl von 129 Nester auf 193, am Friedhof von 78 auf 110. Der Rest der Brutstätten verteilt sich unter anderem auf Irisweg, Ringpromenade und Lilienstraße. Nach der Zählung ist Dufner geknickt. Weil die Population von 2014 auf 2015 nicht weiter angestiegen war, hatte sie gehofft, dieser Trend würde anhalten. Dabei lag es wohl lediglich am Sturm Niklas, der vor gut einem Jahr etliche Brutstätten von den Bäumen gepeitscht hatte. Versuche der Stadtverwaltung, die schwarzen Vögel zu vertreiben – etwa durch rote Luftballons oder Geräusche – haben wenig gebracht.

Die Misere Mai 2011 begonnen: Anwohner der Allinger Straße und des Ihlewegs beschwerten sich über Geschrei und Kot der Krähen, sowie über Verwüstungen an den Gräbern. Im Frühjahr 2012 wurden die Nester entfernt und Astgabeln abgesägt. Genutzt hat das genauso wenig, wie jetzt in Germering. Im Gegenteil: Die Krähen sind innerhalb des Schopflach-Wäldchens umgezogen – und haben sich sogar vermehrt. Zudem entstanden Splitterkolonien in der Lilienstraße. Was nun? „Einen genauen Plan, was wir jetzt machen, gibt es noch nicht“, erklärt die Umweltbeauftragte Monika Dufner. Immerhin: Die Beschwerden der Anwohner sind selten geworden. „Das ist für mich das Wichtigste.“ Möglicherweise haben sich die Leute mit den Vögeln arrangiert.

Das klingt nach Kapitulation: „Vielleicht schimpft auch deswegen keiner mehr, weil die Leute gesehen haben, was wir schon alles probiert und nichts erreicht haben.“ Außer Splitterkolonien in anderen Orten. Zum Beispiel in Gernlinden. Dort wurden heuer 52 Nester gezählt – zwölf mehr als im Vorjahr. Es bleibt allerdings bei vier Standorten, an denen die Vögel ihr Sommerlager aufgeschlagen haben – drei davon befinden sich auf Privatgrund, berichtet Biologe Uwe Temper, der die Nester gezählt hat In einem Garten in der Riederstraße bleibt es bei 17 Brutstätten. In der Toerringstraße zählte der Experte 15 Nester – acht mehr als 2015. 13 davon befinden sich in einem Kiefernbaum. „Das ist seltsam“, sagt der Fachmann. Normalerweise wählen ausschließlich Laubbäume.

Die bekannte Friedhofskolonie hat sich verkleinert. Temper: „Letztes Jahr gab es hier noch 23 Nester. Jetzt habe ich nur 18 gezählt.“. Auch in der Waldstraße im Brucker Stadtteil Lindach zählte der Biologe deutlich weniger Nester. „2015 waren es noch 33 Brutstätten. Jetzt sind es 15.“ Wo die Vögel hin sind, kann Temper nicht sagen. Bisher ist ihm in anderen Teilen von Fürstenfeldbruck nichts aufgefallen. Bis jetzt

Carolin Nuscheler

Carolin Nuscheler

E-Mail:carolin.nuscheler@ffb-tagblatt.de

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