Bei der Impro-Übung (v.l.): Karin Schleicher (Kulturverein Fürstenfeld), Christina Schmiedel und Gottfried Grimm (Altlandrat). Es galt, Sätze zu bilden, zu welchen jeder ein Wort beisteuerte. Sinn mussten die Wortschlangen nicht ergeben. foto: kast

Improvisation bei der Neuen Bühne

Wo das Publikum selbst Theater spielt

Fürstenfeldbruck - Auf der Bühne spontan Schauspielern – das kann jeder lernen. Sagt zumindest Christina Schmiedel. Sie lud deshalb nach Fürstenfeld. Dort sollten sich auch Laien vor Publikum ins Rampenlicht stellen. Und die waren völlig überrascht – auch von der Wirkung der Übungen.

Schauspielern – kann das wirklich jeder? Und dann auch noch Szenen, die just in dem Moment kreiert werden, in dem man auf der Bühne steht wie beim Improvisationstheater? Ja, sagt Christina Schmiedel. Die 31-jährige Schauspielerin lud nun zum Selbstversuch in die Räume der Neuen Bühne Bruck.

Viele der Besucher wussten anfangs gar nicht, was passieren würde: „Ich dachte, ich bin hier nur als Zuschauer mit von der Partie“, erzählte Altlandrat Gottfried Grimm (80). Er ließ sich aber genauso schnell wie Stefan Metzger (67) dazu anstiften, mitzumachen. „Es macht Spaß, einmal die Seite zu wechseln, um selbst zu agieren statt immer im Publikum zu sitzen“, meinte der 67-Jährige.

Bereits 13 Jahre ist Gastgeberin Christina Schmiedel beim Impro-Theater. Für sie ist es eine einzigartige Sache: „Improvisieren ist totales Teamwork“, erzählt Schmiedel. „Um eine Szene zu entwickeln, muss man permanent wachsam sein. Man weiß ja nie, was als nächstes kommt.“ Eine gelungene Szene könne nur entstehen, wenn die Partner sich gegenseitig wertschätzten.

Im Allgemeinen würden die Menschen das Zuhören verlernen. Gerade hier könne das Improvisationstheater entgegenwirken, da es förderlich für Wachsamkeit und Respekt sei. Man übe, Pausen unverkrampft auszuhalten, unangenehme Situationen in angenehme zu verwandeln und nicht immer alles zu bewerten, so die 31-Jährige. „Wenn man das alles trainiert, entsteht eine unglaubliche Dynamik auf der Bühne.“

Eben diese entstand am Ende auch bei den Laien in der Neuen Bühne. Die Teilnehmer begannen, wirklich aufeinander einzugehen. Sie erkannten mehr und mehr, wie ihr Gegenüber tickt. „Mir kommt das auch ein klein wenig vor, wie bei einer Gruppentherapie: Man kommt aus sich heraus und darf auch mal ein Narr sein“, sagte Stefan Metzger mit Blick auf die vielen Späße, die in der Runde gemacht wurden. Und Brigitta Hoffmann, die selbst erst zum Mitmachen überredet werden musste, sah in der Improvisation mehr und mehr die Chance, dem stressigen Alltag zu entfliehen. „Man hat Freude wie auf einem Kindergeburtstag“, scherzte die 60-Jährige.

Improvisationstraining kommt heute schon in vielen Bereichen zum Einsatz: Beispielsweise bei Bewerbungsgesprächen, beim Thema Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und in der therapeutischen Arbeit. Denn – und das konnten auch die Teilnehmer bestätigen – die Übungen stärken nicht nur das Selbstvertrauen, sie schulen die Stimme und tragen zu einer gelockerten Muskulatur bei. Und auch geistig werden die Teilnehmer gefordert. Denn sie müssen immer neue Assoziationen bilden.

Das hat Christina Schmiedel ihren Probanten an diesem Abend gezeigt. Sie sieht in dem Experiment einen vollen Erfolg. Sie schätze vor allem den Mut derer, die eigentlich davon ausgingen, nur als Zuschauer mit von der Partie zu sein. Denn auch einige von ihnen hätten sich am Ende aktiv in die Szenen eingebracht. „Wenn irgendwann die Teilnehmer von außen doch dazu kommen und mitmachen, ist das die beste Bestätigung, dass das Team toll gearbeitet hat muss“, so Schmiedel.

von Matthias Kast

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