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Beim SCF ist die Luft raus: Der Sumpf bei Brucks größtem Fußballverein wird nach dem sportlichen Abstieg in die Bezirksliga und vor der Jahreshauptversammlung am 9. Juni immer größer.

Jakob Ettner reagiert auf harsche Kritik

SCF-Präsident schlägt zurück

Fürstenfeldbruck - Kunstrasenaffäre, finanzielle Fragezeichen, Kripo-Ermittlungen: Der Sumpf beim SCF wird nach dem Abstieg in die Bezirksliga und vor der Jahreshauptversammlung immer größer. Nun schlägt Präsident Jakob Ettner gegen seine Amtsvorgänger zurück.

Die Kritik, die auf Ettner wegen des noch immer nicht fertiggestellten Kunstrasenplatzes im Stadion an der Klosterstraße einprasselt, ist groß. Immer wieder hat die Opposition die Schuld daran dem ehemaligen Jugendleiter und jetzigen Vereinschef gegeben – weil dieser „niemand anderen an den Kunstrasen rangelassen und alles an sich gerissen“ habe. Das sagten unisono Ex-Präsident Eckhard Lutzeier und der frühere Vize Hannes Mühlberger gegenüber dem Tagblatt mehrfach. Doch laut Ettner ist das Gegenteil der Fall.

Er habe die Brocken sogar zweimal hingeworfen. Der SCF-Chef legte dem Tagblatt eine E-Mail an den damaligen Brucker OB Sepp Kellerer vom 20. Januar 2013 vor, in dem er seinen Rückzug erklärte. Der Hauptgrund: „Das Präsidium hatte einen Vertrag aufgesetzt“, so Ettner. Das Tagblatt konnte den Entwurf einsehen. Der Inhalt: Das Präsidium hätte sich die Entscheidungsgewalt über die Platzbelegung gesichert. Die Jugendabteilung alleine hätte dagegen für die Finanzierung sowie für Rücklagen für die nach 15 bis 20 Jahren notwendige Erneuerung des Belags sorgen müssen.

Doch damit nicht genug. Weiter heißt es: „Der Jugendleiter ist diesbezüglich vorrangig regressfähig.“ Dass ihm jegliche finanzielle Verantwortung, aber keinerlei Rechte zugesprochen werden sollten, wollte Ettner nicht hinnehmen. „Ich habe den Vertragsentwurf zerrissen und bin von dem Projekt zurückgetreten.“

In diese Phase fiel pikanterweise auch der Rücktritt des damaligen Präsidenten Sigi Müller im Februar 2013 – offiziell wegen Differenzen mit Ettner. Nur einen Monat später war auch Vize Frank Demmer freiwillig aus seinem Amt ausgeschieden. Als beim Kunstrasen nichts voranging, habe ihn der Oberbürgermeister im Sommer 2013 gebeten, den Verein nochmals zu unterstützen, sagt Ettner. Dies habe er dann auch getan – zumindest bis zu einer Vorstandssitzung am 8. Januar 2014. „Damals sollte ich endgültig als Jugendleiter abgesägt werden“, sagt Ettner. Doch er blieb weiterhin im Amt.

Am 17. Januar 2014 habe er sich schriftlich endgültig vom Kunstrasen verabschiedet. „Erst mit meiner Wahl zum Präsidenten im Mai 2014 habe ich ihn quasi wieder geerbt“, sagt er. Alt-OB Kellerer sagte dem Tagblatt auf Nachfrage, dass er sich an diese Gespräche mit Ettner nicht mehr erinnern könne.

Brisant: Im Februar, also als Ettner mit dem Projekt angeblich nichts zu tun hatte, fanden bereits die ersten Spiele auf dem Platz statt – unter anderem eine Partie zwischen Augsburg und Rosenheim. „Der Belag war noch nicht einmal verklebt, trotzdem hat der SCF den Platz vermietet“, sagt Ettner. Und zwar um die leeren Vereinskassen zu füllen. „Nicht auszudenken, wenn sich damals ein Spieler verletzt hätte.“ Zuständig dafür seien Mühlberger und der damalige Präsident Lutzeier gewesen.

Die beiden Ex-Funktionäre beharren hingegen auf ihrer bisherigen Darstellung. „Ich hatte nie etwas mit dem Kunstrasenplatz zu tun“, sagt Lutzeier. Mühlberger betont: „Ettner hat sich nie zurückzogen, selbst auf Nachfrage hat er keinen Einblick in die Unterlagen gewährt.“

Noch heute fehlen am Platz Umrandung und Flutlicht. Laut Ex-Vize Andreas Conrad sei das Geld dafür, rund 30 000 Euro, im Sommer 2015 größtenteils wieder dagewesen. Doch Ettner legte dem Tagblatt Kontoauszüge für die Zeit von Januar bis August 2015 – ab dann ließ Conrad sein Vize-Amt ruhen – vor. Der Kontostand lag nie über 12 000 Euro. Conrad sagte zum Tagblatt, er habe vielleicht das Konto verwechselt. „Der SCF hat circa zehn Konten.“ Das Geld fürs Flutlicht sei bereits zur Jahreshauptversammlung im Mai 2014 weg gewesen, sagt Ettner. Wohin es verschwunden ist, darauf will er nicht eingehen – auch nicht auf die Frage, ob das Gegenstand der laufenden Kripo-Ermittlungen ist. Nur soviel sagt der SCF-Chef: „Wir sind momentan gemeinsam mit Stadt und Sponsoren dabei, das Geld fürs Flutlicht wieder zu sammeln.“ Und auch den Vorwurf, der Platz würde nicht gepflegt und Garantieansprüche würden deshalb verfallen, will der SCF-Chef nicht auf sich sitzen lassen. „Die Maschine steht in der Garage auf dem Vereinsgelände“, sagt er. Dem Tagblatt legte er die Rechnung für das Gerät mit Datum vom 31. Oktober 2014 vor.

 

Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen

Dass der SC Fürstenfeldbruck gerichtlich zur Zahlung von 3000 Euro ausstehender Gehälter an Ex-Kapitän Christian Rodenwald verurteilt wurde, hatte hohe Wellen geschlagen. Doch offenbar ging es bei der Verhandlung um viel mehr. Laut Ettner stand sogar die Zukunft des SCF auf dem Spiel – und zwar wegen Verträgen, die sein damaliger Vize Andreas Conrad mit den Spielern abgeschlossen hatte.

Ursprünglich hatte Rodenwald sogar 7000 Euro eingeklagt. Conrad hatte, laut Ettner ohne dessen Wissen, kurz nach der Wahl 2014 mit den Spielern zum Teil in mehreren Verträgen Punkt-, Sieg- und Auflaufprämien vereinbart – und zwar nicht nur mit Rodenwald. Wäre den Forderungen des Ex-Kapitäns gerichtlich stattgegeben und damit ein Präzedenzfall für die anderen Spieler geschaffen worden, „dann wären wir so sofort in die Insolvenz gelaufen“, sagt Ettner.

Die Verträge hatte nur Conrad unterzeichnet. Mit Satzungsänderung vom Mai 2014 müssen jedoch sowohl Präsident als auch Vize unterschreiben. Conrad widerspricht dieser Darstellung jedoch: „Bei den meisten Verhandlungen mit den Spielern war Ettner dabei.“ Außerdem habe der SCF-Chef anhand der Überweisungen gesehen, dass die Gelder bezahlt würden. Die Verträge habe er damit zumindest geduldet. Warum Ettner nicht unterschrieben hat und die Verträge damit ungültig sind, kommentierte Conrad so: „Das weiß ich nicht, vielleicht hat er es von vornherein so geplant.“

Außerdem verweist der Ex-Vize auf andere Vorgänge, bei denen nur Ettner unterschrieben habe – unter anderem auch die Kündigung eines Darlehens von Ehrenpräsident Hans Hahn in Höhe von 70 000 Euro in einer Zeit, als Conrad noch im Amt war. „Das habe ich nie vorgelegt bekommen, dann ist diese Kündigung auch nicht rechtens“, sagt der Ex- Vize. Ettner legte dem Tagblatt indessen Screenshots von WhatsApp-Konversationen zwischen Conrad und zwei ehemaligen Spielern vor, die laut SCF-Chef bei der Rodenwald-Gerichtsverhandlung als Beweismittel gedient haben. Darin erklärt Conrad gegenüber einem der Spieler, dass die Verträge eben wegen der fehlenden Unterschrift Ettners ungültig seien.

Der Ex-Vize sagt hierzu, dass er davon nichts wisse. Einer der Spieler, der nicht genannt werden will, bestätigte dem Tagblatt jedoch die Authentizität des Schriftwechsels. „Man kann sich ja vorstellen, wie die Mannschaft auf mich sauer ist, weil ich ihnen mitteilen musste, dass sie die von Conrad versprochenen Prämien nicht bekommen“, klagt Ettner. Zudem deutet der SCF-Präsident immer wieder finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Vereinskasse an.

Der Münchner Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich bestätigt, dass ein Fall bei der Staatsanwaltschaft München II aktenkundig ist und dass die Kriminalpolizei gegen zwei Personen ermittelt. Der Vorwurf, der auf eine Anzeige Ettners hin im Raum steht, lautet laut Kripo auf Untreue.

Zum Ermittlungsstand hält sich der Brucker Kripo-Chef Manfred Frey komplett bedeckt, bestätigt aber auf Nachfrage, dass sich die Untersuchungen schwierig gestalten, weil die Aktenführung beim SCF nicht lückenlos ist. Das hatte auch Ettner gegenüber dem Tagblatt erklärt. Der Grund, wie auch Frey bestätigt: Einbrüche in den SCF-Büros, bei denen die Unterlagen gestohlen wurden.

von Andreas Daschner

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