Ausstellung

Brucker für Brucker im Haus 10

Fürstenfeldbruck – Es war ein Experiment mit ungewissem Ausgang: Eine Ausstellung, die sich die Besucher nicht nur anschauen, sondern selbst mitgestalten können – mit eigenen Werken, Opas Ölschinken oder Fundstücken des letzten Waldspaziergangs. Bis 24. Juli sind sie noch im Haus 10 beim Kloster zu sehen.

Welche Resonanz wird da kommen? Das haben sich der Münchner Maler Bruno Kuhlmann und der Fotograf Siegfried Wameser gefragt. Wird sich überhaupt jemand trauen, auf das ungewöhnliche Konzept einzusteigen? Sie hätten sich keine Sorgen machen müssen, denn die Brucker ließen sich nicht lange bitten.

Helmut Prabst ist einer davon. Der ehemalige Bundeswehr-Angestellte sammelt seit Jahren am Ammersee Treibholz und macht daraus Skulpturen. Sein Rohmaterial für das nächste Werk hat er ins Haus 10 gebracht. Aus den langen, spitzen Aststücken will der 80-Jährige mit Hilfe alter Schnitzwerkzeuge eine Darstellung von Don Quixote machen.

Otto Simonis hat eine Skulptur aus Metall beigesteuert. „Die Blume zum Nachdenken“, wie er sagt. Inmitten eines Kleeblatts steckt die Erdkugel, bedroht von einer Baumschere. „Das ist ein bisschen zynisch“, gibt der Germeringer zu, der sich nicht nur hobbymäßig mit Kunst beschäftigt, sondern auch den ganzen Tag davon umgeben ist. Er arbeitet bei der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und ist zuständig für die Technik in der Alten Pinakothek. „Stellen Sie sich vor, da würde jemand einfach ein Bild vorbeibringen“, sagt der 62-Jährige. Unvorstellbar wäre das.

Siegfried Pulfer (90) ist in Bruck als Fassadenmaler bekannt. Etliche Häuser tragen seine Handschrift. Die kleinformatigen Bilder, die er aus reinem Vergnügen malt, hat die Öffentlichkeit dagegen noch nie gesehen. Eines davon hängt jetzt im Haus 10: Die Darstellung eines jungen Baumes vor einem Hintergrund geometrischer Formen. „Das ganze Universum besteht aus Geometrie“, erklärt Pulfer. Deshalb reizt ihn die Gegenüberstellung von Starrem und Lebendigem. Gleich neben dem Bild des 90-Jährigen hängen zwei Gemälde seines Sohnes Ulrich (59). Sie zeigen die Klosterkirche von Westen, das Haus 10 von Süden und den Weg vom Kloster zur Aumühle. Das hätte kaum besser zum Thema der Ausstellung, einem Spaziergang durch Bruck und Umgebung, passen können.

Den Spaziergang hat auch der Fotograf Siegfried Wameser unternommen. Seine Bilder scheinen nur auf den ersten Blick beiläufig. Tatsächlich üben sie subtile Kritik an mancher aktuellen Entwicklung, wie der Bebauung, die sich immer mehr in die Natur rund um die Stadt hineinfrisst. Ein feudales Haus im Emmeringer Hölzl, eine riesige Teerfläche irgendwo im Grünen – „die Leute sollen sich fragen, warum, wieso, weshalb ist das so?“

Blickfang der Ausstellung sind sicherlich die großformatigen abstrakten Bilder von Bruno Kuhlmann. Er kombiniert Anklänge an große Meisterwerke mit Farbexperimenten und verschiedenen Techniken. „Ich fordere die Malerei heraus“, sagt der Künstler. Und die Brucker fordert er auf, noch weitere Beiträge ins Haus 10 zu bringen. (os)

Die Ausstellung

ist bis 24. Juli jeweils am Freitag von 16 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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