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Was tun, wenn ein Angreifer das Handgelenk umklammert? Tagblatt- Mitarbeiterin Anna Rosenheimer weiß jetzt: Erst den Täter mit der freien Hand ins Gesicht schlagen und dann die fixierte Faust mit der freien Hand nach oben ziehen. Dadurch öffnet sich der Griff.

Reporterin wagt Selbstversuch

Wie sich Frauen am besten wehren

Fürstenfeldbruck - Nicht nur, wenn es abends dunkel wird, fühlen sich viele Frauen alleine auf freier Flur unwohl. Da hilft es zu wissen, dass man sich gegen Angriffe wehren könnte.

Deshalb werden in Bruck Selbstverteidigungskurse für Frauen angeboten. Und dabei geht es nicht zimperlich zu. Ein Selbstversuch.

Keine zwei Minuten ist es her, dass ich mich mit Selbstverteidigungs-Trainer Ottmar Thalmeier unterhalten habe. Trotzdem habe ich ein komisches Gefühl im Bauch, als er mich von hinten packt und mit seinen Armen so fest zudrückt, dass ich mich kaum bewegen kann. Da hilft es wenig, dass er mich auf den gespielten Angriff vorbereitet hat: Ich will mich so schnell wie möglich aus dem Klammergriff befreien.

Wie ich in echt reagiert hätte, weiß ich nicht. Mit meinen Armen ist jedenfalls nicht wirklich viel anzufangen. Ich versuche mir genau in Erinnerung zu rufen, was mir der Oberschleißheimer Selbstverteidigungs-Trainer zuvor gesagt hat. Im Kopf gehe ich die Schritte durch: Als erstes soll ich mit meiner Ferse so fest wie möglich auf den Fuß des Angreifers treten. Denn im Ballen hätte ich nicht so viel Kraft. Ich trete zu. Dann soll ich dem Täter mit dem Faustboden fest zwischen die Beine schlagen. Auch das mache ich. Wirklich verletzen kann ich Thalmeier nicht, er trägt einen Genitalschutz. Schließlich soll alles so real wie möglich geübt werden. Durch die Schmerzen wäre ein echter Angreifer nun erst einmal abgelenkt und ich könnte mich wahrscheinlich befreien. Auch wenn ich nicht so fest zutrete oder schlage, wie ich es vermutlich im Ernstfall tun würde, lässt der 54-Jährige mich wieder los. Allerdings nur, um mit der nächsten Übung zu beginnen.

Im Selbstversuch: Tagblatt-Mitarbeiterin Anna Rosenheimer lernt von Selbstverteidigungs-Trainer Ottmar Thalmeier, wie sie sich aus dem Klammergriff befreien kann.

Ottmar Thalmeier gibt Selbsverteidigungskurse speziell für Frauen ab 14 Jahren. Zusammen mit seiner Kollegin Astrid Grimm bietet er diese Workshops für den Brucker Frauennotruf im Mehrgenerationenhaus an. Und der Oberschleißheimer ist Profi: Er arbeitet als Selbstverteidigungsausbilder beim Flughafenzoll in München und macht jetzt schon seit 30 Jahren Ju-Jutsu. „Ich werde auch erst damit aufhören, wenn man mich von der Matte schleift“, scherzt er.

Vor etwa sechs Jahren hat der 54-Jährige auf den Germeringer Frauentagen die Selbstbehauptungstrainerin Astrid Grimm getroffen. „Wir dachten, dass wir uns gut ergänzen und kamen auf die Idee, zusammen einen Selbstverteidigungskurs anzubieten. Also entwickelten wir ein Konzept.“ Bis heute arbeiten die beiden zusammen und bieten regelmäßig Wochenendworkshops zum Thema Selbstverteidigung in der Abteilung Ju-Jutsu des SC Unterpfaffenhofen-Germering an.

Das jahrelange Teamwork hat gezeigt, dass die beiden tatsächlich gut miteinander harmonieren: „Während ich die Schläge der Frauen abbekomme und mich besser in die Denkweise eines männlichen Täters hineinversetzten kann, übernimmt Astrid den Einfühlungspart.“ Sie kümmert sich um labile Frauen, die solche Übungen belastend finden – das sind nicht die meisten, aber einige. Beispielsweise solche, die schonmal schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Vergangenes Jahr haben Thalmeier und Grimm zum ersten mal mit dem Frauennotruf in Bruck zusammengearbeitet. Dabei stützt sich das Team auf das Konzept des deutschen Ju-Jutsu Verbandes. Es beruht auf den drei Säulen Prävention, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. „Die ersten beiden sind die wichtigsten“, sagt Thalmeier. Das Konzept hat der Verband in Zusammenarbeit mit der Polizei und basierend auf Statistiken erstellt. Diese zeigen anderes, als die Wahrnehmung durch Medien vielleicht suggeriert. „Sexuelle Übergriffe passieren hauptsächlich im persönlichen Nahbereich und nicht auf offener Straße.“ Auch dass die Gewalt in den vergangenen Jahren zugenommen habe, stimme nicht.

Darüber klären die Profis in ihren Kursen anfangs erst einmal auf. Und im häuslichen Bereich gelte: Je früher und klarer eine Grenze gezogen wird, desto niedriger ist die Chance, Opfer zu werden. Mit Spielen sollen Mimik und Gestik sowie verschiedene Techniken trainiert werden. „Statt mit der Faust zuzuschlagen, nimmt man den Handballen oder den Faustboden, um sich nicht selbst zu verletzen“, rät der Trainer. Welche Alltagssituation beim Rollenspiel nachgestellt wird, können die Frauen in den Kursen selbst entscheiden.

Die Workshops

sind an den Samstagen 25. Juni und 17. September, 10 bis 16 Uhr, im Bürgersaal des Mehrgenerationenhauses. Wegen des großen Interesses kann man sich schon jetzt anmelden unter Telefon (0 81 41) 29 08 50 oder per E-Mail an frauennotruf@fhf-ffb.de. Kosten: 20 Euro.

von Anna Rosenheimer

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