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Bargeld

Neue Strategie

Sparkasse schließt sechs Filialen

Fürstenfeldbruck - Filialen auch in kleinen Orten als Beweis der Kundennähe. Das war über Jahrzehnte das Markenzeichen der Sparkasse. Doch die Zeiten ändern sich – und das Geschäftsmodell der Bank auch.

Jetzt gab die Sparkasse ihr neues Konzept für den Kreis Fürstenfeldbruck bekannt: Ausdünnung des Filialnetzes, mehr Flexibilität im Kundenservice und Weiterentwicklung des Online-Bankings. Derzeit betreibt die Sparkasse im Landkreis 25 Filialen, in denen Angestellte die Kunden bedienen und beraten – die Filialen sind „mitarbeiterbesetzt“. So heißt das im Fachjargon. Nach dem 1. Juli 2017 werden es nur noch 19 sein. Geschlossen werden die Standorte Germering-West, Germering-Harthaus, Neu-Esting, Schöngeising, Hattenhofen und Unterschweinbach. Das berichtete Vorstandsvorsitzender Klaus Knörr. Die Schließungen, betreffen rund zehn Prozent aller Sparkassen-Kunden. Hintergrund sind zum einen die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die den Banken schwer zu schaffen macht; zum anderen die Tatsache, dass viele Kunden ihre Bankgeschäfte online vom zu Hause aus erledigen.

Weiter präsent

Die Sparkasse möchte an den betroffenen Standorten aber weiterhin präsent sein. So werde derzeit geprüft, ob man in Germering-West, Harthaus und Neu-Esting Selbstbedienungsterminals einrichten könne, erklärte Vorstandschef Knörr. Sprich: Kunden könnten dort künftig Kontoauszüge holen und Geld abheben. Das sei auch in Schöngeising und Hattenhofen denkbar. Dort teilen sich Sparkasse und Volksbank-Raiffeisenbank derzeit die Filialen. „Da müssen wir jetzt abwarten, was die VR-Bank macht“, sagte Knörr. Eventuell könne man auch Bank-Sprechstunden im Rathaus oder Dorfladen anbieten. Unter anderem könnten die Leute dort dann ihre Überweisungen abgeben. In Unterschweinbach wird es ganz sicher nicht einmal ein SB-Terminal geben.

 Am dortigen Geldautomaten gibt es gerade mal 10 000 Transaktionen im Jahr. „Damit sich der Betrieb lohnt, müssten es aber 50 000 sein“, berichtete Knörr. Mit Bürgermeister Josef Nefele habe man bereits über die Einrichtung einer wöchentlichen Sprechstunde von Sparkassen-Mitarbeitern im Rathaus gesprochen. So könnten Kunden dort weiterhin wenigstens zu bestimmten Zeiten ihre Bankgeschäfte vor Ort erledigen Mit der Ausdünnung des Filialnetzes geht ein Stellenabbau einher. Derzeit hat die Sparkasse Fürstenfeldbruck 780 Mitarbeiter. In fünf Jahren sollen es 50 weniger sein. „Pro Jahr werden zehn Stellen abgebaut“, erklärte Knörr. Betriebsbedingte Kündigungen werde es aber nicht geben. Die von den Schließungen betroffenen Mitarbeiter werden auf die restlichen Standorte verteilt, bekämen neue Aufgaben.

Ausbau des Services

Gleichzeitig baut die Sparkasse ihren Service aus. Unter anderem kommen die Berater künftig auf Wunsch auch zu den Kunden nach Hause. Termine können zwischen 8 bis 20 Uhr vereinbart werden – also weit über die regulären Öffnungszeiten der Filialen hinaus. Zudem wird das Kundenservice-Center ab 1. Juli 2017 rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung stehen. „Die Berater sollen aktiv auf die Kunden zugehen und medial geschult werden“, sagte Knörr. Sie sollen die Kunden an die Hand nehmen, vor allem was neue Technologien wie Online-Banking, Foto-Überweisung, Handy-Überweisung und vieles mehr betrifft. Diese Angebote sollen in die bereits bestehende Sparkassen-App für mobile Endgeräte integriert werden. „Trotzdem kann man aber weiterhin Überweisungen in jeder Geschäftsstelle abgeben“, so Knörr. Beim Online-Banking gelte es vor allem das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Dabei sei es generell viel sicherer als eine Überweisung, die eingeworfen wird, so Knörr. Die Sicherheitsstandards seien hoch. „Wir haben in den letzten fünf Jahren keinen einzigen Phishing-Fall gehabt“, fügt Sparkassen-Sprecher Dirk Hoogen hinzu. Der Ausbau von Beratung und Digital-Angebot wird nicht von heute auf morgen vonstattengehen. Knörr: „Wir sprechen von eine Zeitraum von drei Jahren.“ „Letztendlich entscheidet der Kunde, wie es angenommen wird.

Öffnungszeiten an Kundenwünsche angepasst

Bereits ab 1. Januar 2017 gelten bei der Sparkasse Fürstenfeldbruck neue Öffnungszeiten. Sie sind für alle Filialen verbindlich. Montag, Dienstag und Donnerstag ist von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 19 Uhr Betrieb. Mittwoch: 8.30 bis 12.30 Uhr, nachmittags ist Beratung möglich Freitag: 8.30 bis 15 Uhr Ausnahmen: In Alling, Emmering, Fürstenfeldbruck St. Bernhard, Gernlinden, Grafrath, Moorenweis und Tü rkenfeld ist Montag- und Dienstagnachmittag nur bis 16 Uhr geöffnet. Für die Time-Sharing-Geschäftsstellen Althegnenberg und Jesenwang bleibt es bei abweichenden Öffnungszeiten am Montag bis Mittwoch beziehungsweise Donnerstag und Freitag. Im Zuge des neuen Servicekonzeptes werden darüber hinaus Sparkassen-Berater künftig auf Wunsch auch zu den Kunden nach Hause kommen.

Anmerkung der Redaktion: 

Dieser Beitrag wurde am Vormittag des Sonntags, 23. Oktober, aktualisiert. Im Einstieg hatte es geheißen, die Filiale Jesenwang werde geschlossen, was nicht zutrifft. "Jesenwang" wurde durch "Unterschweinbach" ersetzt. Korrigiert wurde auch die Schließzeit am Mittwoch. Richtig steht dort nun 12.30 Uhr.

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