Ingeborg Egert starb im Alter von 87 Jahren. Sie hatte viel Freude mit Urenkelin Charlotte.

Nachruf

Stoffe waren ihre Leidenschaft

Fürstenfeldbruck – Das Stoffgeschäft Egert an der Augsburger Straße ist seit Jahrzehnten eine Institution.

 Ingeborg Egert eröffnete ihren Laden „Stoffe Egert“ 1969, bereits ein Jahr zuvor wagte sie mit ihrem ersten Geschäft in Dachau den Schritt in die Selbstständigkeit. „Stoffe Egert in Bruck wurde schnell zur Firmenzentrale“, erzählt Enkelin Juliane Egert, die das Lebenswerk ihrer Großmutter 2014 übernommen hat und seither weiterführt. Jetzt ist die Unternehmerin im Alter von 87 Jahren verstorben.

Eine Institution: Das Stoffgeschäft Egert an der Augsburger Straße. repros (2): kiener

Die gebürtige Sudetendeutsche wuchs in Wostitz (Südmähren) auf. 1945 floh ihre Familie nach Niederösterreich zu Verwandten – zwei Jahre später kam sie über Hessen nach Augsburg. „Ihr Vater ging damals nachts wiederholt in die Heimat zurück, um vergrabenes Hab und Gut zu holen“, berichtet die Enkelin. Ingeborg Egerts Ehemann Anton verstarb bereits 1990. „Als sich die beiden kennenlernten, war er Besitzer einer Firma für Stoffausrüstung und Färbereien“, weiß die Enkelin aus den Erzählungen ihrer Großmutter. Ingeborg Egert studierte in Reutlingen Schnittdirektrice und arbeitete später im Textilfachhandel für Feinstrümpfe bei der Firma Kunert. Dort entwarf sie Modelle, erarbeitete Schnittmuster, nähte Mustermodelle und gab diese mit ihren Anweisungen in die Produktion. „Während dieser Zeit reiste sie nach Mailand, Florenz oder Madrid und war immer neuen Modetrends auf der Spur“, erzählt Juliane Egert.

Der Schritt in die Selbständigkeit fing mit Stoffüberhängen und Resten aus der Produktion ihres Ehemannes an. Die Firma wuchs – Filialen in Olching, Freising und Moosburg folgten. Zur Zeit der Firmengründung war das Selbernähen groß in Mode. Ingeborg Egert bot modebewussten Frauen in ihrem Geschäft ein reichhaltiges Sortiment an Stoffen an. Und wenn Ingeborg Egert einen Zuschnitt nach Maß anfertigte, dann passte einfach alles – das wussten die Hobbynäherinnen über viele Jahre hin zu schätzen.

Auch bei ihren Mitarbeiterinnen stand die reisefreudige Unternehmerin, die Fernziele genauso wie die Berge und die heimische See liebte, hoch im Kurs: Als gute und gerechte Chefin machte sie sich über die Jahre hin beliebt und gilt auch nach ihrem Tod als Vorbild: „Wir danken unserer Chefin für ihren großen Mut, ein Geschäft zu eröffnen und dieses viele Jahre erfolgreich zu leiten“, bekundeten ihre Angestellten in einer Traueranzeige. Ingeborg Egerts Sohn Michael absolvierte eine Ausbildung zum Nähmaschinenmechaniker, bald wurden neben vielen Stoffen aller Art auch Nähmaschinen angeboten. „Meine Oma war eine elegante Dame, die sich immer modisch kleidete und großen Wert auf ihr Äußeres legte“, sagt Juliane Egert: „Sie war eine ganz besondere Oma – wir vermissen sie schon jetzt.“ (akk)

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