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Walter Maurer (l.) und Volker Vahle von Revell.

Fürstenfeldbruck

Der Top-Designer vom Fliegerhorst

Fürstenfeldbruck – Nur einer einzigen Zivilfirma wurde der Mietvertrag am Fliegerhorst noch nicht gekündigt. Dabei hat „Art + Design Works“ mit dem Militär auf den ersten Blick nicht viel zu tun.

Vor und in der Halle im hintersten Teil des Fliegerhorstes, da wo früher die Lehrmittelwerkstätte untergebracht war, stehen verschiedene Rennwagen, ein Trabant und ein historischer Mähdrescher. Die Fotos an den Wänden verraten den Bezug zur Luftwaffe: zahlreiche Flugzeuge und Hubschrauber sind nicht in Nato-olivgrün oder stahlgrau zu sehen. Sondern in bunten Sonderlackierungen.

In der Halle riecht es nach Lack und Lösungsmittel. Zwischen den komplett in weiße Overalls eingepackten Mitarbeitern wuselt Walter Maurer herum. Ohne den 74-jährigen Firmengründer, der heute offiziell nur noch als Berater fungiert, geht es nicht. Und das Unternehmen ist mittlerweile bekannt. Kürzlich hat beispielsweise BMW genau den M 6 GT bei Walter Maurer in die Halle gestellt, mit dem der Fahrer erst das 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa gewonnen hat. Anders als sonst, wo die peinlichst genaue Säuberung des Untergrundes jedem Lackauftrag vorangehen muss, bleibt dieser Rennwagen im Interesse der Authentizität aber so wie er von der Strecke kommt: ungewaschen mit all seinen Kampfspuren. Walter Maurer soll ihn für das Museum dauerhaft versiegeln.

Noch lieber ist dem Dachauer aber, wenn er nicht nur als Lackierer – den Job hat er eigentlich nie gelernt – sondern als Designer tätig werden darf. Zahlreiche Autos und Flugzeuge hat er bereits in Kunstobjekte verwandelt. Für die Deutschland-Tour von Peter Maffay hat er sogar die Tour-Lkw gestaltet.

Das ist einfach genau Walter Maurers Ding. Nach seiner Ausbildung als Schilder- und Lichtreklamehersteller studierte er Grafik-Design, holte die Meisterprüfung in diesem Fach nach und wurde dafür später sogar mit dem Staatspreis geehrt. „Besonders inspirierend ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit namhaften Künstlern wie Roy Lichtenstein, Frank Stella, Andy Warhol und vielen anderen“, erzählt der Künstler.

In seinem Ausstellungsraum über der Halle stehen einige gerahmte Werke, die Maurer auch für ganz normale Leute nach deren Entwürfen realisiert. Zu den spannenden Aufträgen gehören aber die für die Luftwaffe. Auch, wenn er dabei kein Geld verdient, denn dem Bundesrechnungshof und damit dem Steuerzahler wäre natürlich nicht schlüssig zu erklären, warum die Bundeswehr mit teuren Kunstobjekten fliegt. Die Maschinen sind so schon teuer genug.

Anlässlich des 60. Geburtstags der Luftwaffe heuer sollte jedoch ein Eurofighter mit einer Sonderlackierung versehen werden. Aus drei Entwürfen wählte der Luftwaffen-Inspekteur, Generalleutnant Karl Müllner, den aus, bei dem die Farbnuancen von hellblau langsam ins Königsblau verlaufen. „Ein klassisches Design mit klaren Formen in den Farben der Luftwaffe weiß und blau“, wie der General bei der Auswahl feststellte. „Ein solches High-tech-Objekt zu einem High-tech-Kunstwerk zu verwandeln, das erfüllt einen mit großem Stolz“, kommentiert Maurer.

Die Vorbereitungen dafür waren enorm und dauerten fast so lange wie das Lackieren selbst. Das Abkleben sensibler Teile wie der Triebwerke und des Kabinendachs erforderten zusammen mit dem Anrauhen, Entstauben und Entfetten der zu lackierenden Teile drei Tage, das Lackieren dann noch einmal vier Tage.

Bei zivilen Flugzeugen, die rundum lackiert werden, mischt Maurer drei Tage lang 750 Kilogramm Farbe zusammen, der Liter zu 80 Euro. „Die Farbe darf zwischendrin nicht ausgehen, sonst droht ein Millionenschaden, weil jeder Tag, den das Flugzeug in der Halle steht, die Fluggesellschaften viel Geld kostet.“ Eine billige und weniger dauerhafte Form der Gestaltung sei das Bekleben mit Folie, zumal die hohen Anforderungen der internationalen Luftfahrtbundesämter damit nur schwer zu erreichen seien. „Einen A 340 haben wir schon lackiert, einen A 380 machen wir sicher auch noch“, ist Maurer überzeugt.

Logischerweise muss er mit seiner Mannschaft dafür in die jeweiligen Länder reisen. Ein Projekt für das nächste Jahr würde Maurer besonders reizen: das Lufttransportgeschwader 61 in Penzing feiert sein 60-jähriges Bestehen. Nachdem der Künstler für die Jubiläumslackierung einer Transall beim 40. und 50. Geburtstag verantwortlich war, wäre es eine Ehrensache, auch die nächste zu machen. (mjk)

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