Geschäftsbericht

VR-Bank mit täglicher Zinsangst

Fürstenfeldbruck – Das „vermutlich erfolgreichste Geschäftsjahr in der Geschichte der Volks- und Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck“ bilanzierte Walter Müller bei der diesjährigen VR-Vertreterversammlung im Stadtsaal. In eine Euphorie verfiel der Vorstandsvorsitzende dennoch nicht, weil die Ausblicke auf das laufende Jahr sehr eingetrübt seien.

Vier- bis sechsprozentige Wachstumsraten, egal ob bei der Bilanzsumme, dem betreuten Anlagevolumen der rund 60 000 Kunden oder dem Kreditvolumen. Und das durchwegs deutlich über dem Durchschnitt der Genossenschaftsbanken. Walter Müllers Rechenschaftsbericht für 2015 verfügte über viele Superlative. „Bedeutendste Ertragsquelle für die Bank ist der Zinsüberschuss“, stellte Müller fest.

Der durch die Vertreterversammlung festgestellte Bilanzgewinn beträgt rund 1,7 Millionen Euro, der eine Dividende von 3,5 Prozent ermöglicht. Auch der „herausragenden Spitzenposition der Personaleffektivität“ – die Bank zählt unverändert rund 260 Mitarbeiter– - sei es zu verdanken, dass man in einem Ranking derzeit mit „A++“ sehr gut bewertet wird.

2016 werde es aber nicht mehr so gut laufen. Zwar sei die Treue der Kunden zu ihrer Bank nach wie vor sehr hoch, so Müller. Aber dass die Banken nicht mehr vor Freude in die Hände klatschen, wenn der Sparer sein Geld bringt, ist bekannt. Denn längst wissen die Banken auch nicht mehr recht, wie sie es ihrerseits anlegen sollen. „Uns graust’s vor jedem zweiten Donnerstag im Monat, wenn wir die Angebote studieren und entscheiden müssen, wie wir das Geld unserer Kunden anlegen“, so Walter Müller in seinem Rechenschaftsbericht. Für eine achtjährige EU-Anleihe seien 0,07 Prozent zu zahlen statt zu kriegen, bei einer Schweizer Anleihe sehe es nicht viel besser aus.

Extrem schwierig sei es, auf das Niedrigzinsniveau angemessen zu reagieren. Das Risiko bei geringfügigen Zinsänderungen während der langen Laufzeit von zinsgebundenen Kredite könne sogar existenzbedrohend sein. „Ohne Schwarzmalen zu wollen, weiß ich nicht, ob wir alle das verstanden haben“, stellte Müller fest.

Beste Noten bekam die VR-Bank im Prüfbericht des Genossenschaftsverbandes Bayern (GVB). Dies sei auch ein Ergebnis der guten Ausgangslage und der Verwurzelung in der Region. Althegnenbergs Bürgermeister Paul Dosch leitete letztmalig die Versammlung als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Anders als Ernst Lindinger (Germering) konnte Dosch sein Mandat altersbedingt nicht mehr verlängern.

Vize-Aufsichtsratsvorsitzende Cordula Ernst dankte Dosch, der seit 24 Jahren dem Aufsichtsrat angehörte für sein hohes Engagement. Walter Müller würdigte vor allem seine Verlässlichkeit und „Geradlinigkeit, schon im ersten Satz“. Für Dosch rückt der Landwirt Maximilian Riepl-Bauer aus Grafrath-Mauern in den Aufsichtsrat nach.  

mjk

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