Das Team von Pro Familia (v.l.): Judith Leunissen, Heike Reeb, Mariam Peters und Gabriele Grasse. foto: peter weber

In Bruck

Zehn Jahre Pro Familia: Alles begann mit einem Rechtsstreit

Fürstenfeldbruck – Dass Pro Familia in Bruck eine staatlich geförderte Beratungsstelle eröffnen durfte, musste vor Gericht erstritten werden. Der Weg führte bis vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, das Urteil hatte landesweite Bedeutung. Es fiel zugunsten der Pluralität aus.

Am Mittwoch feiert die Beratungsstelle – die vor allem in Schwangerschaftsfragen Hilfe bietet – in Bruck zehnjähriges Bestehen. Der Rechtsstreit des Pro-Familia-Kreisverbands gegen den Freistaat war im August 2005 beendet – mit der Grundsatzentscheidung, dass staatliche und kirchliche Beratungsstellen allein kein ausreichend plurales Angebot darstellen. Sprich: Gesundheitsamt, Donum Vitae und die Diakonie sind nicht genug. Als konfessionell unabhängiger Träger habe deshalb auch Pro Familia ein Recht auf Förderung.

Wie notwendig das Angebot war und ist, zeigt die Praxis. Wenn der Terminkalender voll ist und die Beraterinnen auf die Angebote kirchlicher Träger verweisen, hören sie nicht selten die Aussage: „Das kommt für mich nicht in Frage.“ „Die Leute warten dann lieber auf einen Termin bei uns“, erzählt Mariam Peters, die Leiterin der Brucker Beratungsstelle. Zwei bis drei Wochen kann das dauern, wenn es zum Beispiel um Paar- oder allgemeine Beratung geht. Im Schwangerschaftskonflikt oder in Krisensituationen gibt es Termine binnen drei Tagen, auch kurzfristige Folgegespräche sind möglich. Die Konfliktberatung ist seit dem Start erheblich zurückgegangen – von 26 auf mittlerweile zwölf Prozent der Gespräche. Dafür sind neue Themen wie Pränataldiagnostik und vertrauliche Geburt hinzugekommen.

Viele Fragen Schwangerer drehen sich um arbeitsrechtliche Probleme, Möglichkeiten der Kinderbetreuung und finanzielle Fragen. Immer drängender wird der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. „Es ist bewundernswert, mit wie wenig Geld manche Familien auskommen“, so Peters. Gestiegen ist der Anteil der Männer unter den Ratsuchenden. Sie kommen allein oder mit ihrer Partnerin und sind manchmal sogar diejenigen, die den Anstoß zu einer Paarberatung gegeben haben, statt nur „mitgebracht“ zu werden. Als „herausfordernd und abgwechslungsreich“ beschreibt das Fürstenfeldbrucker Team seine Arbeit. 2008 zog die Beratungsstelle aus beengten Verhältnissen in der Hauptstraße in das – seit kurzem renovierte – historische Postgebäude an der Ecke Bahnhof- und Fürstenfelder Straße.

Hier stehen ein Verwaltungs- und drei Beratungsräume zur Verfügung. Stühle in frischem Gelb, Grün und Orange sowie diverse Spielecken für Kinder sorgen für eine freundliche, familiäre Atmosphäre. Außerdem gibt es Außensprechstunden, denn die Brucker Pro-Familia-Stelle ist für insgesamt vier Landkreise zuständig. Ein Tag in der Woche gehört der Sexualpädagogik an Schulen. Und neuerdings gibt es auch für die Asylbewerberinnen im Fliegerhorst ein Beratungsangebot, das sich mit Werten, Rollenverständnis, Aufklärung und Verhütung beschäftigt.

Mit dieser Aufgabenfülle sind die Beraterinnen mehr als ausgelastet und würden sich Verstärkung wünschen, doch eine Stellenaufstockung wurde von der Bezirksregierung bislang abgelehnt. Auch mit einer der zentralen Forderungen von Pro Familia, dem kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln für Bedürftige, beißt man in Bruck auf Granit. „Manche Kommunen machen das schon“, so Peters. „Aber hier im Landkreis noch keine.“ (os)

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