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Durch die Kellerdecke geht nun keine Wärme mehr verloren: Hausbesitzer Wolfgang Thiels zeigt die Isolierung, die im Rahmen der energetischen Sanierung angebracht wurde.

Brucker Energietage

Von der Bruchbude zum energieeffizienten Vorzeigehaus

Fürstenfeldbruck – Das Brucker Musterhaus ist in einem Jahr vom sanierungsbedürftigen Altbestand zu einem lebenswerten, energieeffizienten Vorzeigegebäude geworden. Bei den Energietagen wurde die städtische Initiative präsentiert.

Noch ist die Fassade hinter halbdurchsichtigen Planen verborgen. Balkon und Anstrich fehlen, ansonsten ist das Brucker Musterhaus einzugsfertig. Durch die Haustür geht es in einen hellen Raum mit offener Küche, Fußbodenheizung und Kamin, alles ist modern und wohnlich. Wolfgang Thiels (44) Gäste staunen bei der Musterhaus-Führung, dass sie sich wirklich in dem Gebäude von 1977 befinden, das sie zuvor in einer Präsentation bei den Energietagen gesehen haben. Dass vor einem Jahr hier noch viel Energie über Heizungsnischen verloren ging, die Heizung nicht funktionierte, die Kälte durch den ungedämmten Keller drang und es durch Dach und Kamin zog, kann sich kaum einer vorstellen.

Noch ist das Haus verpackt. Trotzdem konnten sich Interessierte über die Sanierung informieren.

Den größten Energiebedarf in der Stadt haben genau solche Gebäude wie das der Familie Thiel: Ein- und Zweifamilienhäuser, gebaut zwischen 1969 und 1978, als Öl billig war und auf Energieersparnis nicht groß geachtet wurde. Doch genau diese Häuser haben energetisch saniert das meiste Einsparpotenzial. Deshalb schrieb die Stadt ein kostenloses Sanierungskonzept für das Musterhaus aus – für die Familie aus der Buchenau eine Chance.

„Wir waren ratlos, weil wir den Sanierungsbedarf gesehen haben, aber nicht wussten, was überhaupt wie gemacht werden soll“, erinnert sich Wolfgang Thiel. Allein der Energieverbrauch war dreimal so hoch wie bei einem Neubau. Doch dann wurde ihr Altbau aus den rund 20 Bewerbungen als Musterhaus ausgewählt, die Sanierung konnte fachgerecht organisiert werden. Das hat der Architekt Claus Reitberger übernommen. Als „Überzeugungstäter“, wie er sagt, will er zeigen, was durch eine energetische Sanierung möglich ist und woran dabei gedacht werden muss.

Die neue Heizung erklärt Architekt Claus Reitberger bei der Führung durch das Musterhaus.

Zuerst wurde ermittelt, welche Maßnahmen energetisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Dabei wurde berücksichtigt, dass zwar manche Elemente noch nicht zwingend erneuert werden mussten, jedoch im Zuge der Veränderungen auch notwendig wurden. Denn wie Reitberger erklärt, kann es passieren, dass durch Einzelmaßnahmen die Situation schlimmer wird, ein besser gedämmter, warmer Raum zum Beispiel leichter von Schimmel befallen wird als ein zugiger, kalter. Auch über Fördermöglichkeiten müsse man sich rechtzeitig informieren. Zudem sei eine Sanierung immer mit der Frage nach der Nutzung verbunden.

In elf Monaten wurde der Altbau zu einem Effizienzhaus 70, das einen Jahresprimärenergiebedarf von nur 70 Prozent eines normalen Neubaus hat. Bei der Hausführung erklären Reitberger und Thiel die Veränderungen: Dach und Keller wurden neu gedämmt, das Gebäude bekam eine Vollwärmeschutz-Fassade und dreifach verglaste Fenster, außerdem eine Gas-Brennwertheizung, Solar- und Lüftungsanlage. Einige Maßnahmen wie der Austausch der alten, defekten Heizung waren ohnehin notwendig. Die energetische Sanierung hat die Familie 30 000 Euro mehr gekostet als eine einfache Sanierung. Durch die Einsparungen werden sich die Ausgaben aber in spätestens acht Jahren amortisiert haben.

Die sieben Teilnehmer hören den Ausführungen gespannt zu, suchen nach den Belüftungsschlitzen, nehmen die Dreifachverglasung der Kunststofffenster unter die Lupe. Für manche ist das Gebäude tatsächlich ein Muster, nach dem sie vielleicht ihren eigenen Altbau gestalten wollen. „Es ist großartig, dass Bauherr und Architekt ihr Wissen teilen“, sagt eine Besucherin. Bald will sie mit ihrem Mann das eigene Haus sanieren – vielleicht dann auf eine ähnliche Weise wie das in der Buchenau.

Klimaschutz funktioniert nur gemeinsam

Bei den Energietagen im Veranstaltungsforum können sich Stadt, Bürger und Aussteller über Klimaschutz, Energiesparen und Nachhaltigkeit austauschen und informieren. Wie die Brucker Klimaschutzbeauftragte Anja Wendler erklärt, funktioniere der Klimaschutz nur mit den Bürgern zusammen, deshalb wolle die Stadt Impulse liefern. Besonders schätzt sie, dass sich bei den vielen Ausstellern jeder zum Klimaschutz informieren kann. Mit einem neuen Untertitel deckt das „Forum für Bauen, Energie und Handwerk“ mit den Fachvorträgen und Ständen alle relevanten Gesichtspunkte ab. Wie Eike Sommer vom Veranstalter Magna Ingredi Events betont, läge der Fokus zunehmend auch auf Möglichkeiten, wie Laien selbst die energetische Sanierung in die Hand nehmen können – zum Beispiel durch die Spezialberatung durch das Baustoffzentrum Olching, das auf der Messe vertreten war. Außerdem schätzen Sommer und Wendler die Entdecker-Ecke des Vereins „Ziel 21“, in der Kinder selbst erforschen können, was Energie ist, und so für das Thema sensibilisiert werden.

Von Maria-Mercedes Hering

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