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Fliegerhorst

Asyl-Kurzaufnahme stößt auf große Skepsis

Fürstenfeldbruck - In Zusammenhang mit den Verhandlungen über die Zukunft der Asyl-Unterkunft am Brucker Fliegerhorst stellt sich auch die Frage nach der möglichen neuen Rolle der Ehrenamtlichen.

Braucht man sie noch, wenn Fursty eine Kurzaufnahme geworden sein sollte? Wäre das Engagement von Ehrenamtlichen überhaupt noch zu verantworten?

Nein, findet Brucks Integrationsreferent und Caritas-Asyl-Experte Willi Dräxler.

Sollte die Unterkunft zur Kurzaufnahme werden, kämen Flüchtlinge nach dem Aufenthalt von maximal einem Tag im Münchner Ankunftszentrum sofort nach Bruck. Das heißt: Anders als bisher in der Dependance wären die Ankommenden medizinisch kaum untersucht – das würde in umfassender Form erst in Fürstenfeldbruck passieren. Willi Dräxler glaubt zwar nicht an massive Risiken durch diese Konstellation. Trotzdem fühle er sich für die Ehrenamtlichen verantwortlich. „Wir haben eine Fürsorgepflicht.“ Eine ähnliche Situation mit der Ankunft nicht oder kaum untersuchter Flüchtlinge habe es in Bruck bislang nur einmal gegeben: Bei der eiligen Belegung der damals leer stehenden Schule am Niederbronnerweg in Bruck, wo sich auch Landrat Thomas Karmasin (CSU) mitten unter die Asylbewerber mischte. Willi Dräxler: „Ich bin da damals auch rein. Aber anderen kann ich das nicht zumuten.“ Insgesamt komme es tatsächlich vor, dass einzelne Flüchtlinge sich auf ihrer Reise mit TBC oder Hepatitis infiziert hätten.

Darüber hinaus hat Willi Dräxler noch eine andere Sorge: Nämlich, dass die Ehrenamtlichen in einer Kurzaufnahme kaum noch ein sinnvolles Betätigungsfeld hätten. Weil die Flüchtlinge maximal ein paar Tage bleiben sollen (anders als jetzt in der Dependance mehrere Wochen und Monate) gebe es kaum noch menschliche Anknüpfungspunkte. „Das wird ein Fließbandbetrieb.“ Andererseits gelte auch: Wer nicht so lang da ist, dem fällt in der Zeit der Beschäftigungslosigkeit auch weniger Unfug ein. Insgesamt sorgt sich Dräxler um die Akzeptanz der Einrichtung in der Bevölkerung. Nicht die Regierung werde vor Ort angesprochen, sondern die Stadt, und natürlich er als Integrationsreferent. In einer Großstadt wie München fielen große Unterkünfte einfach nicht so auf wie in einer Kleinstadt. Nachdem die Regierung in eigentlich nichtöffentlichen Gesprächen der Stadt zwei Optionen angeboten hatte (1600 Flüchtlinge und Verbleib als Dependance oder 1000 Flüchtlinge in der Kurzaufnahme) tritt Dräxler beiden Möglichkeiten entgegen. Prinzipiell zeige ihm seine Erfahrung, dass Unterkünfte mit mehr als 100 Menschen unübersichtlich würden. Wenn es aber aus organisatorischen Gründen Großeinheiten geben müsse, dann sei er im Falle Brucks für eine Dependance mit 1000 Plätzen. Bei der zuständigen Regierung von Oberbayern betont man, dass die Entscheidung über die Zukunft der Fliegerhorst-Einrichtung noch nicht getroffen sei.

 In dieser Frage befinde man sich im Austausch mit der Stadt. Ganz generell sei die Regierung besonders dankbar für den Einsatz der Ehrenamtlichen. Die möglichen Felder für deren Engagement unterschieden sich naturgemäß nach dem jeweiligen Stadium des Verfahrens. Dies gelte sowohl zwischen den beiden Phasen in der Aufnahmeeinrichtung (AE) und in der Anschluss-Unterbringung als auch innerhalb der Phase der AE, also namentlich zwischen der Kurzaufnahmeeinrichtung und einer AE-Dependance. Wenn Asylsuchende kürzer verbleiben beziehungsweise häufiger wechseln, bestehe verstärkter Bedarf für Hilfe bei den ersten Schritten; auch solche Hilfe sei aber selbstverständlich nicht weniger achtenswert als eine über mehrere Monate an die gleichen Personen gerichtete Unterstützung, so ein Sprecher der Regierung.

Er tritt Sorgen in Sachen Gesundheit klar entgegen. In München gebe es ja seit langem die echten Erstaufnahmen. „Mir ist aber nichts von Epidemien in München bekannt. Warum sollte in Bruck etwas passieren, was in München nicht passierte?“ Man müsse die Kirche auch mal im Dorf lassen. Auch in der Kurzzeitaufnahme sei ehrenamtliche Arbeit möglich, dann halt etwas anders, betont er. In der Frage medizinischer Sorgen verweist der Sprecher auf das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das so genannte „Merkblatt für ehrenamtliche Asylhelferinnen und -helfer zum Umgang mit Asylbewerbern in Bezug auf mögliche Infektionsgefährdungen“. Das ist online abrufbar unter www.lgl.bayern.de/downloads (st)

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